Eine Pferdeflüsterin gibt Rat

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Melanie Obermayr bei der Behandlung eines tierischen Patienten.

Marktschellenberg – Eine Hand fürs Pferd beweist die zierlich wirkende junge Dame, Melanie Obermayr, von Berufs wegen Pferdephysiotherapeutin mit Standort Marktschellenberg.

Als mobile „Pferdeflüsterin“ agiert sie neben dem Tierarzt. Weit gefächert ist ihr Aufgabenspektrum, abwechslungsreich der Alltag. Einblicke in ein seltenes Berufsfeld.

Die Pferde müssten Ihnen zu Füßen liegen! Als geprüfte und zertifizierte Pferdephysiotherapeutin und Pferdeosteosacraltherapeutin legen Sie Hand an, wenn es beim Vierbeiner Schwierigkeiten gibt. Was machen Sie genau?

Melanie Obermayr: Zu meinen Füßen gelegen ist Gott sei Dank noch kein Pferd – auf meinen Füßen gestanden allerdings schon mehrere – doch dank Stahlkappenschuhen sind auch 700-Kilo-Tiere auf meinen Füßen kein Problem.

Ich behandle Pferde mit jeglicher Art von Bewegungsauffälligkeit beziehungsweise -einschränkung. Diese Beeinträchtigungen in der Bewegung werden vom Besitzer entweder beim Reiten bemerkt oder äußern sich durch plötzliche Verhaltensänderungen und Probleme im Umgang. Die Pferde beginnen sich zu widersetzen und können Lektionen, die beherrscht wurden, plötzlich nicht mehr wie gewünscht ausführen oder reagieren im Allgemeinen mit für sie nicht typischem Verhalten.

Ein weiteres Aufgabengebiet ist die Unterstützung und Beschleunigung der Rehabilitation nach Verletzungen aber natürlich auch die dopingfreie physiotherapeutische Leistungssteigerung von Sportpferden. Auch chronische Erkrankungen - wie beispielsweise Arthrosen - können durch geeignete Therapiemethoden gelindert werden. Hier stehen vor allem die Entschmerzung und die Verbesserung der Gelenksbeweglichkeit im Vordergrund.

Des Weiteren biete ich auch langfristige Betreuung wie saisonale Sportpferdebetreuung, Turnierbegleitung und – vorbereitung sowie die Pferdekaufbetreuung oder günstige Behandlungs-Kombipaketean. Nicht zu meinem Tätigkeitsbereich gehören alle akuten Verletzungen, ungeklärte Lahmheiten oder generelle organische Erkrankungen. Bei jeder Unsicherheit und bei jedem Verdacht auf eine Erkrankung des Pferdes ist vorerst immer ein kompetenter Tierarzt zu Rate zu ziehen. Sollte mir ein Pferd also wirklich mal zu Füßen liegen, so konsultiere auch ich sofort den Tierarzt.

Auch bei Rittigkeitsproblemen und Bewegungseinschränkungen hilft die Pferdetherapie – was versteht man unter dieser im Allgemeinen?

Pferdetherapie ist alles was äußerlich, also nicht invasiv am Bewegungsapparat des Pferdes vorgenommen wird, um Schmerzen zu lindern und Beweglichkeit in Muskeln, Gelenken, Faszien wiederherzustellen, zu verbessern oder zu erhalten. Dabei versteht sich die Pferdetherapie als ganzheitliches Behandlungskonzept – es geht um die Erforschung der Ursache und niemals nur um reine Symptombehandlung. Es soll dem Pferd ja schließlich auf Dauer geholfen werden.

In der Therapie arbeite ich einerseits manuell, um Gelenksblockaden zu lösen und andererseits, vor allem für die Therapie von muskulären Problemen, auch mit unterschiedlichen physiotherapeutischen Geräten.

Wie schaut ein typischer Arbeitsalltag einer Pferdeosteosacraltherapeutin aus?

Sehr viel Zeit verbringt man bei diesem mobilen Job natürlich im Auto. Für die Anfahrten verstreicht im Normalfall mindestens genau so viel Zeit wie für die Behandlungen selbst. Wenn man wirklich auf die Pferde und deren Besitzer eingehen will und qualitativ gute Arbeit leisten will, kann man pro Tag maximal fünf Pferde behandeln. Nach so vielen Patienten ist man an seiner körperlichen Leistungsgrenze angelangt und auch die Konzentration lässt nach.

In der Regel gleicht kein Tag dem anderen – man trifft bei jedem „Fall“ auf eine andere Problematik mit eigenem Hintergrund. Beim ersten Besuch wird immer ein allgemeiner Check durchgeführt, der mindestens eine Stunde Zeit in Anspruch nimmt. Bei dieser genauen Untersuchung wird das Pferd auf Blockaden, Verspannungen und Auffälligkeiten jeglicher Art untersucht. Auch die gesamte Vergangenheit wird in einem Diagnosebogen festgehalten. Auf dieser Grundlage wird dann der Therapieplan erstellt. Erst durch die Betrachtung des Pferdes in seiner Gesamtheit kann auf Zusammenhänge geschlossen werden.

Hier sind genaue Kenntnisse über die Anatomie und die gesamte funktionelle Biomechanik unabdingbar. Therapieerfahrung und ständige Weiterbildung sind in meinem Job der Schlüssel zum Erfolg. Der Arbeitsalltag ist interessant und abwechslungsreich, aber wie gesagt auch körperlich belastend und im Hochsommer oder bei winterlichen Minusgraden oft eine kleine Herausforderung.

Ihr Leistungsangebot ist vielfältig. Was dürfen Pferdebesitzer bei Ihnen erwarten?

Pferdebesitzer erhalten bei mir neben der Therapie vor allem auch kompetente Beratung und ausführliche Erklärungen. Wichtig ist mir, dass die Besitzer verstehen woher das Problem kommt und warum es sich in der vorliegenden Art und Weise äußert. Die Behandlungen selbst sind immer vom jeweiligen Pferd abhängig und reichen von manueller Therapie, also osteopathischen und physiotherapeutischen Behandlungstechniken, bis hin zur Anwendung von verschiedensten Geräten, Blutegeltherapien und in Zukunft auch flexiblem Pferdetaping, welches beim Menschen in der Physiotherapie gerade sehr erfolgreich angewandt wird.

Ich bleibe aber auch nach Abschluss der Behandlungen in Kontakt mit meinen Kunden beziehungsweise deren Besitzern. Ich frage regelmäßig nach, wie es dem Pferd geht und die Besitzer können sich jederzeit mit Anliegen und Fragen an mich wenden. Dieser starke Kundenkontakt ist Teil meiner Philosophie.

Wann haben Sie Ihre Leidenschaft zu Pferden entdeckt? Hat das Reiten den Ausschlag gegeben?

Ich habe die Leidenschaft nie entdecken müssen – sie wurde mir durch meinen Vater, damals selbst Pferdebesitzer, in die Wiege gelegt. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals ein ernsthaftes Interesse an einem anderen Sport oder Hobby hatte. Auch wenn mich meine Eltern aus finanziellen Motiven wohl öfters lieber Tennis oder Gitarre spielen gesehen hätten.

Ein eigenes Pferd war in meiner Kindheit leider nicht möglich, aber als ich neben dem Studium mein erstes eigenes Geld verdiente, kaufte ich mir sofort ein Pferd. Führerschein und Auto wurden dafür hintangestellt. Ein Leben ohne Pferd wäre für mich wie ein Leben ohne Freunde. Jeder, der einmal eine Beziehung zu einem Pferd aufgebaut hat und das Reiten für sich entdeckt hat, weiß, wovon ich spreche.

Hinter einem Pferd steht meist auch ein menschlicher Besitzer. Leidet dieser mit, wenn das Pferd zum Patienten wird? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Jedem Pferdebesitzer, der mich ruft, liegt etwas an seinem Pferd – auch wenn manchmal in Ausnahmefällen der sportliche Ehrgeiz im Vordergrund steht. Die Besitzer sind generell sehr interessiert, offen und dankbar für jede Information, die man ihnen zu ihrem Pferd geben kann. Ich versuche immer alles so anschaulich und klar wie nur möglich zu erklären – die Besitzer bekommen dadurch oft zum ersten Mal eine Antwort auf die Frage, warum sich das Pferd in der jeweiligen Art und Weise verhält. Viele Pferde und ihre Besitzer haben schon einen längeren Leidensweg hinter sich und auf der Suche nach Lösungen schon alles Mögliche ausprobiert.

Für die meisten Besitzer ist das Pferd ein Familienmitglied – für viele auch Familienersatz. Was sehr oft bei Pferdebesitzern vorkommt, ist die Tatsache, dass sie selbst körperliche Probleme haben, aber trotz allem zuerst das Geld in die Behandlung ihres Pferdes investieren. So etwas verstehen nur Pferdemenschen, ich glaube für viele Außenstehende ist die enge Beziehung zwischen Reiter und Pferd nicht nachvollziehbar.

„Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals ein ernsthaftes Interesse an einem anderen Sport oder Hobby hatte.“

Infos bei Melanie Obermayr unter Telefon  0172/7598418  .

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