„Ein Paradebeispiel für Bürgernähe“

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25 interessiere Bürger waren der Einladung von Roland Baier (l.), stellvertretender Leiter des Nationalparks Berchtesgaden, gefolgt. Unter dem Titel „Schutzwaldsanierung und Borkenkäferbekämpfung im Nationalpark Berchtesgaden“ stellte der Forstwissenschaftler öffentlich die Maßnahmen zur Bekämpfung des Borkenkäfers sowie Konzepte zum Waldumbau im Nationalpark vor.

Ramsau - Er verändert das Waldbild nicht nur im Nationalpark Berchtesgaden: Der Borkenkäfer war in diesem Sommer das Thema Nummer eins...

... nicht nur im Nationalpark Berchtesgaden, sondern auch bei den Forstbetrieben und zahlreichen Privatwaldbesitzern.

Dr. Roland Baier, stellvertretender Leiter des Nationalparks Berchtesgaden, kennt die Brisanz des kleinen, schwarzbraunen Käfers und seiner Machenschaften genau. Daher haben öffentliche Informationen über die Maßnahmen des Nationalparks zur Bekämpfung des Käfers hohe Priorität.

25 interessierte Bürger waren der Einladung des Forstwissenschaftlers zu einer Exkursion in der Gemeinde Ramsau gefolgt. „Solche Veranstaltungen sind ein Paradebeispiel für Bürgernähe“, freut sich ein Ramsauer Bürger über die öffentliche Einladung des Nationalparks Berchtesgaden zum Thema: „Schutzwaldsanierung und Borkenkäferbekämpfung im Nationalpark Berchtesgaden“.

Am Beispiel des Steinbergers in der Gemeinde Ramsau erläuterte Dr. Baier die umfangreichen Maßnahmen zur Bekämpfung des Borkenkäfers im Schutzgebiet. So kamen in den vergangenen Monaten sowohl Hubschrauber als auch Seilkräne und Forstschlepper zum Einsatz, um die befallenen Fichten aus der Borkenkäfer-Bekämpfungszone zu entfernen.

Insgesamt wurden im Jahr 2010 bislang rund 10.000 Festmeter Käferholz aus dem Nationalpark entfernt. Doch die Aktivitäten des Nationalparks gehen weit über die reine Käferbekämpfung hinaus: „Gerade in Hinblick auf den Klimawandel betreiben wir im Nationalpark seit Jahren einen intensiven, vorsorgenden Waldumbau“, erklärt Dr. Baier. „Wissenschaftliche Studien belegen, dass die Fichte als großer Verlierer des Klimawandels hervorgehen wird. Mit steigenden Temperaturen kommt dieser Nadelbaum deutlich schlechter zurecht als andere, standorttypische Baumarten.“

Zum Erhalt und zur Verbesserung der Schutzwälder im Bereich Steinberg hat der Nationalpark zahlreiche Buchen und Tannen gepflanzt, die dem Klimawandel deutlich mehr entgegen zu setzen haben als die Fichte. Die rund 550 Hektar große Fläche oberhalb der Gemeinde Ramsau beinhaltet rund 17% der Waldfläche der gesamten Pflegezone des Nationalparks. Dennoch wurden in diesem vergleichsweise kleinen Pflegezonen-Anteil am Steinberg seit dem Jahr 1989 rund 40% aller Pflanzungen im Nationalpark durchgeführt.

„Dass der Steinberg als Sanierungsschwerpunkt größte Priorität hat, zeigt auch die Ausweisung dieses Bereiches als Schwerpunkt-Jagdgebiet“, unterstreicht Revierleiter Hans Neubauer. Eine intensive Bejagung soll verhindern, dass die Pflanzungen vom Wild verbissen werden und damit die Verjüngung des Schutzwaldes behindert wird. Mit allen verfügbaren personellen und finanziellen Mitteln arbeitet der Nationalpark Berchtesgaden daran, den Schutzwald am Steinberg zu erhalten und für die Zukunft zu rüsten. Junge, üppige Mischwälder auf ehemaligen Fichten-Windwurfflächen am Steinberg zeugen davon, dass das Konzept des Nationalparks aufgeht.

Auch Franz Schwab von der Waldbesitzervereinigung Ramsau erkennt die Leistungen des Nationalparks an: „Es freut mich sehr, diese Waldbilder zu sehen. Hier ist wirklich etwas sehr Schönes entstanden“. Dennoch müssten die Privatwaldbesitzer nach Ansicht des Waldwartes der Gemeinde Ramsau ihr Augenmerk auf die Wirtschaftlichkeit ihrer Wälder richten, was sich nicht immer mit den Strategien des Nationalparks vereinbaren ließe.

Kritik äußerten insbesondere Vertreter des Tourismus an den zahlreichen Hubschrauberflügen sowie an den teilweise kurzfristigen Sperrungen von Wanderwegen in der Hauptsaison. Dr. Baier bedauerte die Beeinträchtigungen für die Urlaubsgäste, „dennoch ist bei der Bekämpfung des Borkenkäfers große Eile geboten, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Hier darf man keinen Tag verlieren“. Dass eine Verbesserung des Rückewege-Netzes im Nationalpark dabei keine Alternative sei, unterstrich Revierleiter Hans Neubauer: „Der Bau von Anfahrtswegen für die nur kurze Zeit des Abtransportes der Fichten wäre nicht rentabel, würde viel zu lange dauern und auch die Schutzfunktion des Waldes in diesem sensiblen Bereich erheblich beeinträchtigen.“

Am Schluss der rund fünfstündigen Veranstaltung appelliert Dr. Baier an die anwesenden Teilnehmer der Exkursion: „Die effektive Bekämpfung des Borkenkäfers ist Sache von uns allen. Schuldzuweisungen, wer die Verantwortung für diese so genannte Plage trägt, führen uns nicht weiter“. Der Leiter des Sachgebiets Parkmanagement des Nationalparks schlägt vor, das Thema auch künftig offen und kritisch anzugehen. Nur das Verständnis der Bürger und Urlaubsgäste für die Aufgaben und Ziele eines Nationalparks könne hier langfristig weiterhelfen.

Pressemitteilung Nationalpark Berchtesgaden

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