Fazit der BRK-Wasserwacht: Arbeit ist schwieriger

Berchtsgadner Land - Das Klima für ehrenamtliche Arbeit ist allgemein rauer geworden, was auch die vier Ortsgruppen der BRK-Wasserwacht im Berchtesgadener Land langsam zu spüren bekommen:

Eng bemessene Finanzmittel für Fahrzeuge und Ausrüstung, fehlende Trainingsmöglichkeiten im mittleren Landkreis und langsam sinkende Mitgliederzahlen vor allem in den Jugendgruppen bedeuten zusätzliche Arbeit für die trotz allem hoch motivierten Idealisten, die neben ihren eigentlichen Hauptaufgaben im Wasserrettungsdienst und in der Schwimmausbildung auch immer mehr Zeit in Mittelbeschaffung und Spendenprojekte investieren müssen, damit benötigtes Material finanzierbar bleibt. Der Vorsitzende der Kreis-Wasserwacht, Rudolf Schierghofer, sein Technischer Leiter Siegfried Hauber und Jugendleiterin Tanja Hager blickten auf der Jahreshauptversammlung im Freilassinger Rotkreuz-Haus auf ein mit 40 SEG-Einsätzen und 153 Erste-Hilfe-Leistungen eher durchschnittliches Einsatzjahr zurück und zeichneten verdiente Mitglieder und Förderer aus.

Jahreshauptversammlung der BRK-Wasserwacht

Appell an die Spendenbereitschaft

Verschiedene Materialien, Fahrzeuge und Boote der Wasserwacht werden vom Staat finanziert. „Das klingt anfänglich sehr gut, umfasst aber bei weitem nicht alles. Unterhalt und Ausrüstung kosten jede Menge Geld. Ohne Spenden wäre vieles überhaupt nicht möglich für uns“, erklärte Hauber, der die Kosten für die persönliche Schutzausrüstung eines Wasserretters auf über 600 Euro beziffert – die, aber auch Seilmaterial und die Ausrüstung von Rettungs- und Bergungstauchern muss die Wasserwacht komplett selbst bezahlen. Hauber: „Es ist nicht einfach, unsere Arbeit in diesem finanziellen Umfeld problemlos aufrecht zu erhalten. Ich kann daher nur an die Spendenbereitschaft appellieren!“

Einsatzleiter Wasserrettungsdienst aufgewertet und gleichgestellt

Für die Wasserwacht ist es ein riesen Erfolg, dass endlich gesetzlich geregelt wurde, was sie seit langer Zeit fordert: Eine neue seit Januar 2011 gültige Ausführungsverordnung zum Bayerischen Rettungsdienstgesetz wertet den Einsatzleiter Wasserrettungsdienst auf und stellt ihn einem Einsatzleiter der Feuerwehr, der Bergwacht oder des Landrettungsdienstes gleich. „Zukünftig werden wir unsere Einsatzleiter nicht mehr mit grünen, sondern mit neongelben Westen kennzeichnen“ erklärte Hauber.

40 SEG Einsätze und 63 Rettungsbootfahrten

Die vier Schnell-Einsatz-Gruppen (SEG´n) der BRK-Wasserwacht im Landkreis mussten 2010 40 Mal zu Wasserrettungseinsätzen ausrücken. 63 Mal waren Rettungsboote im Einsatz, darunter 21 Mal bei Krankentransporten, Notarzt- und Notfalleinsätzen am Königssee. Insgesamt 26 von der Wasserwacht gerettete oder transportierte Menschen mussten 2010 durch den Landrettungsdienst zur weiteren Behandlung in eine Klinik eingeliefert werden. 80 Mal waren Rettungs- und Bergungstaucher gefordert. Ein Patient musste wiederbelebt werden.

153 Erste-Hilfe-Leistungen und eine Totenbergung

Für den Wasserrettungsdienst im Landkreis sind rund 100 ehrenamtliche Rettungsschwimmer der BRK-Wasserwacht zuständig. Insgesamt sorgen im Berchtesgadener Land vier Wasserwacht-Ortsgruppen für die Sicherheit an Seen, Flüssen und in Schwimmbädern. In Bad Reichenhall, Berchtesgaden, Freilassing und Laufen stellen die Ehrenamtlichen zudem je eine Schnell-Einsatz-Gruppe-Wasserrettung (SEG). 2010 mussten sie vor allem im Wachdienst an den Seen und in den Schwimmbädern 153 Mal Erste Hilfe leisten (2009: 221), 13 (2009: 19) Vermisstensuchen, vor allem an Bächen und Flüssen, zu 14 (2009: 12) sonstigen Einsätzen ausrücken, zwei Sachbergungen durchführen (eine 2009) sowie jeweils eine Lebensrettung (2009: 2), eine Totenbergung (2009: 7) und einen Helfer-vor-Ort-Einsatz (keiner 2009) für den Landrettungsdienst durchführen.

Neues Rettungsboot für den Königssee

Es kann bis zu 15 Personen oder sogar ein ganzes ATV transportieren, ist 7,7 Meter lang und zweieinhalb Meter breit, hat einen drei Meter langen Kabinenaufbau, eine hydraulische Bugklappe zum Einladen liegender Patienten, einen Tragentisch, umfassende notfallmedizinische Ausstattung, eine Radaranlage mit GPS-Ortung für Fahrten bei Nacht und Nebel und zwei jeweils 150 PS starke Außenbordmotoren, die eine Höchstgeschwindigkeit von rund 55 Kilometern pro Stunde ermöglichen.

Das neue rund 210.000 Euro teure Rettungsboot für den Königssee soll im Juli eingeweiht werden und trägt die Handschrift des Technischen Leiters der Ortsgruppe Berchtesgaden, Franz Kurz. Etwa 20.000 Euro muss die Ortsgruppe aus eigenen Mitteln bezahlen. Es wurde ganz spezifisch anhand der Anforderungen und jahrelangen Erfahrungen für den Königssee geplant und konstruiert, denn im Landesvergleich hat die Wasserwacht hier mit die größte Anzahl an Patiententransporten und Versorgungen, weshalb sie den über die Jahre hinweg gestiegenen Anforderungen mit dem bisherigen Rettungsboot auch nicht mehr im vollen Umfang gerecht werden konnte. Das 1995 in Dienst gestellte alte Boot ist mittlerweile in die Jahre gekommen, was sich in hohen Reparatur- und Instandhaltungskosten widerspiegelt. 2010 musste kurzfristig sogar ein Ersatzboot eingesetzt werden, da das bisherige Boot plötzlich ausfiel.

„Eine weitere Reparatur wäre mehr als unrentabel und für die knappen Kassen zu belastend gewesen“, meinte Hauber. 1995 konnte das noch niemand ahnen: Mehr als 80 Prozent der Einsätze werden mittlerweile zusammen mit dem Landrettungsdienst abgewickelt, wobei das Boot als Notarztzubringer und schwimmender Rettungswagen dient; zusätzlich wird oft eine ganze Bergwacht-Mannschaft über den See gefahren. „Dafür ist das alte Boot aber nur bedingt geeignet und oft auch zu klein“, erklärte Hauber.

Zeitintensive Ausbildung zu Spezialisten in der Wasserrettung

Hauber verzichtete in seinem Jahresrückblick bewusst auf eine ausführliche Statistik und erklärte den geladenen Gästen stattdessen die umfangreiche und zeitintensive Ausbildung bis zum voll einsatzfähigen Spezialisten im Wasserrettungsdienst: „Das Bild vom Wasserwacht-Helfer in der Badehose am Seeufer ist veraltet und spiegelt nur einen ganz kleinen Teil unserer Arbeit wider. Unsere Einsatzkräfte sind als Sanitäter, Motorbootführer, Wasserwacht-Luftretter, Rettungs- und Bergungstaucher oder Canyon-Retter ausgebildet und decken ein breites Spektrum an Aufgaben ab.“ Das seit drei Jahren bewährte Konzept zur hubschraubergestützten Wasserrettung soll laut Hauber weiter fortentwickelt werden, wobei für die mittlerweile zehn eingewiesenen Wasserretter pro Landkreis im April 2010 am Thumsee eine Übung stattfand.

Immer weniger Freischwimmer und Rettungsschwimmer

Im Kampf gegen den Ertrinkungstod spielt die Breitenausbildung der BRK-Wasserwacht mit Anfänger- und Rettungsschwimmkursen eine entscheidende Rolle, denn wenn Kinder früh und gut schwimmen lernen und Jugendliche und Erwachsene im Training lernen, wie sie andere retten können, passiert auch weniger. Seit mittlerweile 50 Jahren organisiert die BRK-Wasserwacht deshalb neben ihren Freischwimmerkursen auch den Schulschwimmwettbewerb in Bayern; anlässlich des runden Jubiläums wurden die Gewinnerklassen im Landkreis durch Landrat-Stellvertreter Rudolf Schaupp ausgezeichnet.

Wie bereits die Jahre zuvor trug die Motivationskraft von Lehrern und Wasserwacht Früchte, da zu großen Teilen nur Klassen aus dem Landkreis die vorderen Plätze auf Landesebene belegten; die besten Schwimmer im Schuljahr 2009/2010 kommen aus Schönau, Freilassing, Berchtesgaden und Bischofswiesen. „Aufgrund der nach wie vor fehlenden Schwimmhalle in Bad Reichenhall konnten die ehemals sehr erfolgreichen Schulen des mittleren Landkreises nicht mehr am Wettbewerb teilnehmen. Leider ging auch die Bereitschaft zum Erwerb der Rettungsschwimmscheine aufgrund der gestiegenen Anforderungen und des großen zeitlichen Aufwands deutlich zurück“, bedauerte Schierghofer. Immer mehr Schwimmbäder würden geschlossen und durch Spaßbäder oder Thermen ersetzt, weshalb auch immer weniger Kinder richtig schwimmen könnten.

Sinkende Mitgliederzahlen in den Jugendgruppen

Mit einem abwechslungsreichen Programm engagiert sich die BRK-Wasserwacht seit Jahrzehnten auch in der Jugendarbeit und begeistert den Nachwuchs für den Schwimmsport und die Wasserrettung: 2010 waren insgesamt 150 Kinder und Jugendliche Mitglied in den vier Wasserwacht-Ortsgruppen des Landkreises; das sind 38 weniger als 2009. Jugendleiterin Tanja Hager berichtete von den zahlreichen Aktivitäten der Sechs- bis 16-Jährigen, die von Hüttenwochenenden über Zeltlager und Schlauchbootfahrten bis hin zum aktiven Dienst an der Seite erfahrener Wasserretter an den Wachstationen reichten. Bei eigenen Fortbildungsterminen trainierte der Nachwuchs unter fachkundiger Anleitung regelmäßig Schwimmtechnik und Kondition, den Umgang mit der Basisausrüstung für Sporttaucher, Knotenkunde sowie Inhalte aus dem Naturschutz und der Ersten Hilfe.

Verdiente Mitglieder und Förderer ausgezeichnet

Kreis-Wasserwacht-Chef Rudolf Schierghofer zeichnete mehrere aktive Mitglieder und Unterstützer der Wasserwacht für ihre besonderen Verdienste aus: Seine Stellvertreterin Christl Wagner bekam das silberne BRK-Ehrenzeichen verliehen; der Freilassinger Ortsgruppenvorsitzende Peter Graf wurde mit der Wasserwacht-Medaille in Gold ausgezeichnet; der Rektor der Grundschule Freilassing, Josef Ufertinger wurde für seine Verdienste beim Schulschwimmwettbewerb mit der bronzenen Wasserwacht-Medaille geehrt. Für ihren langjährigen aktiven Dienst wurden Carmen Heckel (zehn Jahre), Erwin Schreiner (50 Jahre) und Alfons Kandler (65 Jahre) ausgezeichnet.

Dr. Christian Wagner hat die Nachwuchsarbeit der Wasserwacht-Ortsgruppe Freilassing mit einem großzügigen Geldbetrag unterstützt, wobei er unter anderem sein komplettes Honorar als Leitender Notarzt beim Gefahrguteinsatz auf der B20 spendete. Landrat-Stellvertreter Rudolf Schaupp, Freilassings Bürgermeister Josef Flatscher, August Hacker von der DLRG Teisendorf und der stellvertretende THW-Ortsbeauftragte Wolfgang Schwarz drückten in ihren Grußworten ihre Bewunderung für die oft schwierige Arbeit der Wasserwacht aus. „Wir wissen zu schätzen, was wir an euch haben!“, lobte Flatscher.

Pressemitteilung BRK Kreisverband Berchtesgaden

Rubriklistenbild: © BRK Kreisverband Berchtesgaden

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