Erste Hubschrauberflugversuche

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Testflug am Watzmann im Berchtesgadener Land

Berchtesgaden - Funkwerk Avionics und Eurocopter Deutschland haben im November erfolgreich einen Hubschrauberflugversuch im Galileo Testbed GATE in Berchtesgaden durchgeführt.

Der Flugversuch wurde von der IFEN GmbH, dem derzeitigen GATE Ansprechpartner, begleitet. Dabei konnten erstmals die Signale des zukünftigen europäischen Satellitennavigationssystems Galileo zur Navigation in einem Hubschrauber im GATE „Virtual Satellite Mode“ verwendet werden. In der “Galileo Test und Entwicklungsumgebung“ GATE simulieren Sendeantennen auf sechs Berggipfeln die Galileo-Signale. In den vergangenen Monaten hatte das GATE Testbed einen Upgrade auf die aktuelle Galileo Signaldefinition erfahren. Der Flugversuch fand als eine von drei Demonstrationskampagnen in dem europäischen Forschungsvorhaben MAGES statt. Dabei steht MAGES für „Mature Applications of Galileo for Emergency Services“ und ist ein, von der Galileo Supervisory Authority (GSA) gefördertes Vorhaben mit dem Ziel, die zukünftigen Vorteile von EGNOS und Galileo für Rettungsdienste zu demonstrieren.

Für die Luftrettung mit Hubschraubern könnte Galileo eines Tages einen Paradigmenwechsel bedeuten, weil dann ein, vom amerikanischen Navstar GPS unabhängiges (wenngleich aber kompatibles), zusätzliches Satellitennavigationssystem zur Verfügung steht, welches im Rahmen des Safety-of-Life-Dienstes außerdem über eine Angabe zu der Zuverlässigkeit des Signals verfügt. Dies könnte in Verbindung mit genauen Gelände- und Hindernisdaten sowie hochaktuellen Verkehrsdaten die Entwicklung neuartiger Flugverfahren ermöglichen, mit denen bei Rettungshubschraubereinsätzen Landungen an Helipads bei Krankenhäusern oder sogar Außenlandungen auch bei widrigen Wetterverhältnissen durchführbar werden. Bisher sind diese nur unter Sichtflugbedingungen möglich.

Im Rahmen des Flugversuchs konnte bereits ein entsprechender „Integrity Alarm“ demonstriert werden, bei dem einer der simulierten Galileo Satelliten als ausgefallen gekennzeichnet wurde. In Zukunft wäre es mit dieser „Integrity Information“ möglich, dass ein geeignetes Navigationssystem den Piloten vor einem Weiterflug warnt wenn eine sichere Navigation mit Galileo nicht mehr gewährleistet werden kann.

Bei dem Flugversuch in Berchtesgaden wurde dem Testpiloten im Cockpit des EC145 Experimentalhubschraubers ein von Eurocopter entwickeltes Synthetic-Vision-System zur Verfügung gestellt, auf dem die Landschaft unter und um den Hubschrauber perspektivisch dargestellt wurde. Die Positionierung der synthetischen Landschaftsdarstellung erfolgte auf Basis des Galileo Satellitennavigationssystems. Als weitere Navigationshilfe wurde dem Piloten eine spezielle „Tunnel-in-the-Sky“-Symbologie für den geplanten Flugpfad zur Verfügung gestellt, die ihn sicher durch die bergige Landschaft zum Landeort führte.

Während des Testflugs konnte auch noch eine weitere, innovative Problemlösung demonstriert werden: ein „verletzter“ Feuerwehrmann konnte von der Hubschrauberbesatzung direkt angeflogen und „gerettet“ werden, da dieser mit einem akkubetriebenen Transponder ausgerüstet war und seine Position unmittelbar auf dem Navigationsdisplay des Hubschraubers angezeigt wurde. Das hier demonstrierte System basiert auf der Transponder Technologie von Funkwerk Avionics. Dabei bestimmt der ADS-B Transponder via GPS seinen aktuellen Standort und sendet diese Information kontinuierlich aus („ADS-B out“). Der an Bord des Hubschrauber befindliche Empfänger empfängt diese Signale („ADS-B in“) und leitet diese an das Navigationssystem des Hubschraubers weiter, auf dem die empfangenen Positionen dargestellt werden. In einem nächsten Schritt könnten diese Signale dann noch an eine Bodenstation weitergeleitet werden, was hier aber nicht demonstriert wurde. Der große Vorteil des Systems liegt darin, dass es ohne jede Bodeninfrastruktur wie z. B. einem GSM-Netz funktioniert; denn diese sind erstens nicht überall vorhanden (z. B. bei Waldbränden in entlegenen Gebieten) oder möglicherweise durch das Ereignis selbst zerstört. Das System ADS-B wurde ursprünglich zu Zwecken der Luftraumüberwachung entwickelt, hat sich aber bereits in verschiedenen Projekten auch für die Überwachung von Bodenfahrzeugen (z. B. auf Flughäfen) bewährt.

Regionaler Ansatz „Initiative Satellitennavigation Berchtesgadener Land“

Vor dem Hintergrund des Aufbaus des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo, wird die Entwicklung von Anwendungen basierend auf Galileo immer wichtiger. Mit der "Galileo Test- und Entwicklungsumgebung" GATE existiert nun eine bodengebundene realistische Testumgebung. Sie dient dazu, speziell die Empfänger- und Anwendungsentwickler bei der Entwicklung ihrer Produkte für Galileo zu unterstützen. GATE-Anwendungsgebiete umfassen die Testumgebung für die GALILEO Signaldefinition und Empfängerentwicklung sowie eine Testumgebung für GALILEO/GPS Anwendungsentwicklungen und eine individuell angepasste Testumgebung für LBS-Dienste und spezielle Erweiterungen.

Zur Entwicklung von Innovationen können Unternehmer und Forscher aus der ganzen Welt GATE in Berchtesgaden nutzen: Sendeantennen auf sechs Berggipfeln simulieren dort die Galileo-Signale. Diese Signale können mit bereits verfügbaren Satelliten-Navigationssystemen wie dem amerikanischen GPS kombiniert und zusätzlich mit Signalen zur Fehlerabschätzung und -korrektur verrechnet werden.

Die Funkwerk Avionics GmbH mit Sitz in Waal/Bayern und einer Hauptniederlassung in Ulm/Donau ist zugelassener Herstellbetrieb für Luftfahrtgeräte (EASA Part 21G) und entwickelt, produziert und vermarktet Avionikgeräte und Avioniksystemlösungen in den Bereichen Kommunikation, Navigation und Anzeige. Für den Markt der Allgemeinen Luftfahrt bietet das Unternehmen die Filser-Produktreihen TRT (Mode-S Transponder) und ATR (Funkgeräte) an. Die Lieferungen dieser Produkte erfolgt direkt an europäische Flugzeughersteller sowie über ein umfangreiches europaweites Händlernetz. Kundenspezifische Avionikgeräte und Systemlösungen werden im Auftrag namhafter Systemfirmen wie Airbus Deutschland oder EADS Deutschland sowie für öffentliche Auftraggeber wie Eurocontrol oder die European Space Agency (ESA) realisiert. Die Funkwerk Avionics GmbH ist ein Tochterunternehmen der Funkwerk Dabendorf GmbH innerhalb der Funkwerk AG. Weitere Informationen zur Funkwerk AG erhalten Sie unter www.funkwerk.com.

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berchtesgadener Land berät Unternehmen in Fragen rund um Existenzgründung, Fördermöglichkeiten, Standortmarketing sowie bei Genehmigungsverfahren oder der Suche nach geeigneten Gewerbegrundstücken. Als Einrichtung des Landkreises bietet die WFG BGL ihre Leistungen mit Unterstützung der Sparkasse BGL kostenlos an. Nähere Informationen bietet die Internetseite www.wfg-bgl.info oder das Freilassinger Büro der WFG BGL in der Sägewerkstraße 3 (Techno-Z) unter Telefon 08654 / 77500.

Pressemitteilung Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berchtesgadener Land GmbH

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