Deutscher Alpenverein bezieht Stellung

"Drohbrief" an DAV Sektion Berchtesgaden sorgt auf Facebook für Riesenwirbel

Berchtesgaden - Ein Drohbrief an einen Hüttenbetreiber, welchen der Deutsche Alpenverein Sektion Berchtesgaden für kurze Zeit veröffentlichte, sorgte am Montag, 15. Juni, auf Facebook für enorm viel Wirbel und Kritik. Darin forderte eine Reisegruppe eine Entschädigungszahlung, da vier Personen aus mehreren Hausständen in einem Zimmer einquartiert worden seien, obwohl dies in Corona-Zeiten nicht erlaubt ist. 

Weiterhin sorgt die Corona-Krise für viele Einschnitte und Einschränkungen in unserem Leben und ist für die gesamte Gesellschaft in der ganzen Welt eine Herausforderung. Die schwierige Situation und Beschränkungen sorgen vor allem in den Bergen und auf Hütten immer wieder für heftige Diskussionen


In dieser schweren Zeit müsse man zusammenhalten und dürfe nicht versuchen, die aktuelle Lage auszunutzen, forderte der DAV Sektion Berchtesgaden in einem Post auf Facebook. 

Berchtesgaden: DAV erhält "Drohbrief

Ausschlaggebend für diesen Appell ist ein Brief den ein Hüttenbetreiber von einer Reisegruppe erhalten hatte. Darin wird eine "illegale Unterbringung" in einem Zimmer während der Corona-Zeit beschrieben und eine Entschädigungszahlung gefordert. Die Urlauber versuchten also den Hirtenwirt zu erpressen und kostenfreie Leistungen zu erschleichen. Diesen besagten Brief veröffentlichte der DAV Sektion Berchtesgaden am Montagnachmittag, 15. Juni, auf Facebook. 


Wörtlich hieß es in dem "Drohbrief":

"Sehr geehrte Damen und Herren,

wie wir Ihnen bereits vor Ort mündlich unter Zeugen mitgeteilt haben, ist es nicht erlaubt derzeit vier Personen aus vier unterschiedlichen Hausständen in ein kleines Zimmer (ca.3x3m) wie wir es hatten einzuquartieren. Auf unsere Aufforderung hin, dies mit uns zu unterlassen, wollten Sie ja wegen "gnadenloser Überbuchung" nicht reagieren bzw. erst gar nicht darauf eingehen.

(...) Wir bitten Ihnen jetzt einmalig und außergerichtlich an, als Entschädigung- und Entschuldigung uns den somit illegalen Übernachtungspreis (3 Personen á 36 Euro) komplett zu erstatten."

Sollte eine Zahlung nicht eingehen, drohte die Gruppe mit einer Anzeige und weiteren Maßnahmen, wie der Meldung des Falls an das Gesundheitsamt und andere Behörden. 

Facebook-User beziehen klar Stellung: "Unverschämt"

Kurz nach der Veröffentlichung äußerten viele Facebook-User ihren Unmut und zeigten für diese Forderung kein Verständnis. "Also das ist doch wirklich unverschämt. Eigentlich ohne Worte...", schrieb zum Beispiel eine Frau. Ein anderer Mann meinte: "Jeder geht mit Eigenverantwortung in die Berge. Sich in außergewöhnlichen Situationen nicht vorab über die lokalen Gegebenheiten zu informieren ist schlicht fahrlässig. Dafür dann anderen den schwarzen Peter, sprich die Verantwortung, unterzujubeln, ist schon unverschämt!"

Der DAV Sektion Berchtesgaden meldete sich kurz darauf nochmal zu Wort und erklärte in einem Kommentar: "Uns geht es nicht darum den Verfasser bloßzustellen, nur auf die Situation aufmerksam zu machen. Der Verfasser hat seinen Fehler inzwischen eingesehen, das Schreiben zurückgezogen und die Situation hat sich geklärt." 

Im Post selbst stellte sich der DAV noch schützend vor seine Hüttenbetreiber. "Sie bewältigen den Besucheransturm bei schönem Wetter und sind trotzdem immer für euch da. Und das immer mit einem Lächeln. Sollte dennoch mal etwas nicht in Ordnung sein, dann hilft ein klärendes Gespräch.
(...) Zu unserem Schutz und dem unserer Wirte bringen wir solche Versuche (Anm. d. Red.: kostenlose Übernachtung erzwingen) ausnahmslos zur Anzeige!" 

DAV erklärt Situation

Mittlerweile wurde der Post gelöscht. "Leider war es uns nicht möglich, den Beitrag zu moderieren, da es sehr viele Kommentare gab, welche Beleidigungen und Äußerungen unter der Gürtellinie beinhalteten. Auch deshalb haben wir uns dazu entschieden, den Beitrag wieder aus dem Netz zu nehmen", erklärte Daniel Hrassky, DAV-Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit und Presse Berchtesgaden, im Gespräch mit BGLand24.de. Dem DAV sei es wichtig gewesen, das Thema anzusprechen, allerdings habe sich die betroffene Person mittlerweile gemeldet und sich entschuldigt. Die Sache sei somit geklärt und erledigt

"Das Schreiben, welches uns kommentarlos zugeschickt wurde, haben wir am Montagmorgen der Polizei übergeben. Nach der Prüfung des Briefs wurde uns bestätigt, dass ein Straftatbestand vorliegt", ergänzte Hrassy. Zuvor habe man auch mit dem Wirt und anderen Zeugen gesprochen, welche  auf Seiten des Hüttenbetreibers kein Fehlverhalten beschreiben konnten. Es sei auch offiziell Sache der Gäste selbst für die Einhaltung der Corona-Regeln zu sorgen. 

Aktuell gebe es speziell in Berchtesgaden mehrere derartige Fälle. Vereinzelte Personen sollen demnach Wirte und Hüttenbetreiber genau beobachten und würden nur auf ein "angebliches Fehlverhalten" warten. Dann würden diese Menschen versuchen durch Drohungen in Bezug auf Corona-Verstöße ein kostenloses Essen oder eine kostenlose Übernachtung herauszuschlagen.

"Speziell in dieser Zeit ist es wichtig zusammenzuhalten und andere nicht bewusst zu schädigen", schließt Hrassy ab. 

mz

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