Der Dreh mit dem Flug

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Beamte der Bundespolizei-Fliegergruppe kommen als Piloten auch bei „Christoph 14“ zum Einsatz. Den modernen Hubschrauber vom Typ EC135T2i stellt das Bundesinnenministerium über das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zur Verfügung.

Berchtesgaden/Schönau - Ein nicht angemeldeter Einsatz der Bundespolizei und eine fehlende Drehgenehmigung eines ZDF-Fernsehteams sorgen im Nationalpark für erregte Gemüter.

Als die beiden Hubschrauber der Bundespolizei mit einem Filmteam auf St. Bartholomä am Königssee, mitten im Nationalpark Berchtesgaden gelegen, landeten, beobachtete die Situation ein Nationalpark-Ranger. Tage später gingen auch schriftliche „Beschwerden“ ein, die zwischenzeitlich dem Bayerischen Umweltministerium vorliegen, so ein Sprecher. Wind ist in die Sache gekommen, denn weder hatte die Bundespolizei, wie sonst üblich, den Flug beim Nationalpark angekündigt, noch hatte das Filmteam, das im Auftrag des ZDF vor Ort war, eine Drehgenehmigung. Ein Vertreter des TV-Produktionsteams sagt, man habe alles richtig gemacht. „Im Laufe des Novembers wird es Gespräche zwischen Nationalpark und Bundespolizei geben“, so ein Umweltministeriumssprecher: „Um zu klären, was da los gewesen ist.“

„So eine Situation ist neu für uns“, sagt Carolin Scheiter vom Sachgebiet Kommunikation im Nationalpark Berchtesgaden. Jeder Flug der Bundespolizei, die ein Trainingszentrum auf der Kühroint betreibt, sei in der Regel angekündigt. Ein Abkommen zwischen Nationalpark Berchtesgaden und der Polizeibehörde regelten das. Bei Einsätzen im Gebirge, etwa wenn die menschliche Gesundheit gefährdet ist, sind Anmeldungen seitens der Bundespolizei grundsätzlich aber nicht notwendig. Als sich der Vorfall auf St. Bartholomä am 12. Oktober ereignet, handelte es sich aber nur um eine Übung mit dem Rettungstau in der Watzmann Ostwand. Das bestätigt Rainer Walter, Flugeinsatzleiter der Fliegerstaffel Süd aus Oberschleißheim, auf Anfrage. „Übungen sind notwendig und wir müssen für den Ernstfall regelmäßig trainieren“, sagt er.

16 Hubschrauber befinden sich in Oberschleißheim. Hubschrauber wie der in Kempten stationierte Christoph 17 und der in Traunstein stationierte Christoph 14, fallen auch unter sein Einsatzgebiet. Ein Blick in seine Flugeinsatzprotokolle klärt auf: „Ja, bei diesem Flug ist die Anmeldung unterlassen worden“, sagt er überrascht, kann sich dies aber nicht erklären. „Das ist nicht in Ordnung.“ Ein „administrativer Fehler“. Die Zusammenarbeit mit dem Nationalpark sei immerzu gut, bestätigt er. Warum der Flug nicht angemeldet wurde, kann sich Carolin Scheiter vom Nationalpark auch nicht erklären. „Die Sache liegt zwischenzeitlich beim Umweltministerium.“ Eine Klärung solle nun herbeigeführt werden. Immerhin gehe es hier um „hochsensible Örtlichkeiten“, in welchen geflogen wurde. Und nicht nur der nicht angemeldete Flug muss hinterfragt werden, sondern auch der Filmdreh, eine Produktion, die im „April 2012 im ZDF ausgestrahlt wird.“ Bei der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH, die häufig bei Drehanfragen kontaktiert wird, weiß man von einem solchen nichts und auch beim Nationalpark lagen dafür keine Anfragen vor. Von Seiten des Landratsamts Berchtesgadener Land äußerte man sich auf Nachfrage nicht. Michaela Künzl, die beim Nationalpark für das Sachgebiet Naturschutz und Planung verantwortlich zeichnet, sagt, ein Fall wieder dieser sei auch ihr nicht bekannt.

Drehvorhaben, die angemeldet werden, würden häufig mit Auflagen bedacht. Nicht zwangsweise müsse man, nur um des Ortes Willen, auf St. Bartholomä drehen. Alternativdrehorte sind die Regel. Demnach hätte das Filmteam, wenn es nach dem Nationalpark geht, wohl auch keine Zusage für St. Bartholomä bekommen. Blieb deshalb die Anfrage aus, weil man es ahnte? Ein Vertreter der im Auftrag des ZDF arbeitenden Produktionsfirma „Studio Hamburg“ äußert sich auf Nachfrage so: „Da wir mit der Bundespolizei mitgeflogen sind, mussten wir uns nicht eigens anmelden.“ Die Verwaltung des Nationalparks sieht das aber anders. Zwar liegt es im Bereich des Möglichen, dass Journalisten und Filmteams im Zuge der Öffentlichkeitsarbeit bei der Bundespolizei mitfliegen, Dreh-Genehmigungen bedarf es dann aber immer noch.

Rainer Walter von der Fliegerstaffel Süd bestätigt, dass über den Ministerienweg eine Anfrage eingeleitet wurde, ob es möglich sei, das Filmteam aus Hamburg mit der Bundespolizei zur Rettungstau-Übung mitzunehmen. Grundsätzlich sei das auch kein Problem. „Um eine Drehgenehmigung müssen die sich selbst kümmern“, sagt er. Die Pressestelle des ZDF in Mainz sagt, die Produktionsfirma sei für die Dreharbeiten verantwortlich – man wisse nichts von einer Genehmigung. Und so dreht man sich bei den Beteiligten im Kreis. „Rechtliche Konsequenzen sind theoretisch möglich“, sagt Michaela Künzl vom Nationalpark. Verstöße gegen Vorgaben der Nationalpark-Verordnung würden von den entsprechenden Naturschutzbehörden vollzogen – hoheitliche Maßnahmen, ein Ordnungswidrigkeitsverfahren, ist denkbar. Zuvor wartet man aber die Anhörung der Bundespolizei-Vertreter im November ab und auch ein Gespräch mit der Produktionsfirma ist geplant. „Wir wollen auch weiterhin gut mit der Nationalpark-Verwaltung zusammenarbeiten“, beschwichtigt Rainer Walter die Gemüter.“ Fehler seien menschlich, sagt er. „In diesem Fall dürfen sie aber nicht passieren.“

kp

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