Deutliche Worte bei den Waldbesitzern

2. Vorstand der Waldbesitzervereinigung Laufen-Berchtesgaden w. V., Ludwig Hinterbrandner schoss verbal: „Keine geistigen Fäkalien verbreiten“.

Berchtesgaden – Zur Bezirksversammlung in das Bräustüberl in Berchtesgaden hat die Waldbesitzervereinigung Laufen-Berchtesgaden w. V. eingeladen.

Neben dem Rückblick auf das vergangene Jahr war es das neue in Schönau am Königssee befindliche Hackschnitzel-Heizkraftwerk, das Anlass zum Dialog bot. In enger Zusammenarbeit mit diesem könne auch die Waldbesitzervereinigung einen Beitrag leisten, um den Bedarf an Holz abzudecken.

Klare Worte fand der zweite Vorstand Ludwig Hinterbrandner für den Bund Naturschutz. „Die Frage bleibt, warum sich dieser in alle Angelegenheiten einmischen muss“, so Hinterbrandner. So sehe es der Bund Naturschutz etwa nicht ein, warum ein Waldbesitzer Holz schlage und dieses wirtschaftlich verwerte. „Vom Eigentumsrecht haben die wohl noch nie etwas gehört“, schimpfte der zweite Vorstand, der nun verbal auch gegen den Nationalpark Berchtesgaden schoss.

Die Borkenkäfersuche und dessen Bekämpfung sei eine Sache – „nicht gefallen hat mir aber, dass in dieser Hinsicht der Finger zu deutlich auf den Privatwaldbesitzer gerichtet wurde“. Eine derartig kostspielige Bekämpfung, wie es sich etwa der Nationalpark leisten könne, „wäre bei uns nicht möglich“, sagte Hinterbrandner. Hubert Weinzierl, ein bekannter deutscher Natur- und Umweltschützer, der die Borkenkäfer-Problematik bewusst missinterpretiert hätte, so Hinterbrandner, müsse Vorsicht walten lassen, wenn er seine „geistige Fäkalien in die Welt setzt“. Den zweiten Vorstand nerve es, wenn „Kopfgesteuerte“ meinten, sie hätten die Heimat erfunden und müssten diese jetzt „gegen uns dekadente Eingeborene verteidigen“.

Zur Versammlung der Waldbesitzervereinigung Laufen-Berchtesgaden w. V. ins Bräustüberl kamen (v. l.): Arnold Fellinger, Geschäftsführer der Bioenergie Berchtesgadener Land GmbH, FB Anton Resch vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein, 1. Vorstand Franz Käsmeier, Geschäftsführer Tobias Glück, 2. Vorstand Ludwig Hinterbrandner sowie Revierleiter Otto Ertl.

Auf ein bewegtes vergangenes Jahr blickte dann der Vorsitzende der Waldbesitzervereinigung Laufen-Berchtesgaden w. V., Franz Käsmeier, zurück. So sei man im laufenden Jahr zu insgesamt acht Gebietsversammlungen zusammengekommen, habe sich an Ausflügen mit Waldwarten zu Sägewerken beteiligt, dem Hackschnitzelwerk in Fridolfing einen Besuch abgestattet, Waldführungen zur Dauerwaldbewirtschaftung unternommen und zusammen mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Beratungskonzepte erarbeitet.

Derzeit gestalte sich der Holzpreis überaus positiv. Nicht davon ausgehen solle man aber, dass dieser noch weiter in die Höhe schnelle: „Der nächste Sturm oder Käferbefall kommt bestimmt. Dann sieht die Sache schon wieder ganz anders aus“, ist sich Käsmeier sicher.

Einen Gastbeitrag über das Heizkraftwerk in Schönau am Königssee lieferte Arnold Fellinger, Geschäftsführer der Bioenergie Berchtesgadener Land GmbH. Eine steigende Nachfrage nach Hackschnitzeln sei zu verzeichnen. Der Brennstoff, der im Werk benötigt werde, dürfe aber nicht zu trocken sein, „wir brauchen waldfrischen Brennstoff“, so seine Bitte an die Waldbesitzer, die sich melden sollten, wenn sie Holz zu verkaufen hätten. „Wir benötigen im Jahr etwa 85.000 Schüttraummeter Biomasse, im Idealfall Waldhackgut mit 50 Prozent Festanteil.“ Derzeit befinde man sich noch auf der Suche nach einem externen Lagerplatz, wo auch ungehacktes Material lagern könnte. „Ein Hackdienstleister würde dies dann dort hacken“, klärte Fellinger auf.

Tobias Glück, Geschäftsführer der WBV Laufen-Berchtesgaden w. V., gab im Folgenden einen Überblick über die Entwicklungen am Holzmarkt: „Wir haben einen Holzpreis, so gut wie die letzten 20 Jahre nicht mehr“. Seit Spätsommer habe sich dieser auf einen Spitzenpreis von 90 bis 94 Euro pro Festmeter eingependelt. Das gesamte Jahr über war ein permanenter Preisanstieg zu beobachten. Vergleiche man die aktuelle Situation mit der des vergangenen Jahres, stelle man fest, dass der Spitzenpreis in 2009 bei 77 Euro lag. Zum Vergleich: Im Kyrill-Jahr 2007 lag der Holzpreis bei 60 Euro pro Festmeter.

Zurück zur Übersicht: Region Berchtesgaden

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser