„Der DSV hat die Schnauze voll“

Bischofswiesen/Schönau am Königssee – Taktieren, das beherrschen die Herren aus der Politik für gewöhnlich. Der eine besser als der andere. „Es geht um die Zukunft des Götschen“.

Das sagt Klaus Dinzler, der eng mit seinem „Hausberg“ verbunden ist, verantwortlich für den kaufmännischen Bereich. „Wir wollen unsere Infrastruktur behalten“. Freilich geht das nur mit dem Deutschen Skiverband, gütiger Geldgeber und wesentliches Fundament im beliebten Bischofswieser Skigebiet, der dort sein Regionalzentrum Alpin und Snowboard betreibt.

Für die Belange des DSV reicht der Götschen aktuell aber nicht mehr aus, große Investitionen müssten getätigt werden, der Deutsche Skiverband wäre dazu bereit gewesen. In einem Masterplan hatte man aufgezeigt, was zu tun wäre: ein größerer Speicherteich, eine ergiebigere Beschneiungsanlage, eine eigene Trainingsstrecke für die Sportler.

In einer „historischen“ Gemeinderatssitzung entschied sich der Bischofswieser Gemeinderat gegen das Vorhaben – trotz zahlreicher Gutheißungen im Vorfeld. „Was da passiert ist, kann im Nachhinein niemand erklären“, zeigt sich Bernhard Heitauer, zweiter Bürgermeister und Vorstand des WSV Bischofswiesen, enttäuscht. Indes ist nun Schönau am Königssee am Zug, Stefan Kurz, der Bürgermeister, „der sich keine Gelegenheit entgehen lässt“, wie es ein Insider formuliert.

Anbandeln ist in vollem Gange

Das Anbandeln sei in vollem Gange, „Schönau am Königssee wird den DSV zum Jenner holen“, sagt Helmut Wegscheider, Leiter des Trainingszentrums am Götschen. Bislang übt man sich in Schweigen, auf Nachfrage bei Bürgermeister Kurz entgleitet diesem nicht mehr als ein Lächeln, eines, das sich auszahlen dürfte.

Bernhard Heitauer ist seit über 20 Jahren im WSV Bischofswiesen tätig. „Mir geht es nicht um wirtschaftliche Interessen, mir geht es um den Standort“, sagt der Bauunternehmer. Der Götschen sei ein „Erfolgsmodell“, eines, das sich über die Jahre hinweg zu einem beliebten Wintersportareal entwickelt habe. Viele Erfolge wurden hier gefeiert, Großveranstaltungen durchgeführt, „nun hatte man durch zusätzliche Investitionen die Chance, dem Skigebiet weiteren Auftrieb zu verschaffen“. 3,5 Millionen Euro waren für die Erweiterungsmaßnahmen angedacht, der Gemeindeanteil sollte sich auf einen geringen Anteil belaufen. Ein Betrag von 126.000 Euro schwebte im Raum, „nicht realistisch“, sagt nun Heitauer. Mit etwa 560.000 Euro hätte die Gemeinde Bischofswiesen rechnen müssen. „Immer noch gering angesichts des Investitionsvolumens und der sich dadurch ergebenden Wertschöpfung“.

Denn das Skigebiet Götschen sei nicht nur ein beliebtes Wintersportziel, sondern habe auch Übernachtungen generiert, von 2004 bis 2009 von einst 30.000 auf 66.000 Übernachtungen mehr als verdoppelt. Nationale und internationale Meisterschaften - „die Deutsche Apothekermeisterschaft bringt allein 900 Personen nach Bischofswiesen“, sagt Helmut Wegscheider.

Die Geschichte des Götschen

Die Geschichte des Götschen reicht in die 70er Jahre zurück: 1974 der große Schlepplift, später folgten der kleine Schlepplift sowie der Götschenlift, dann, unter Präsenz des DSV, die Errichtung der Dreier-Sesselbahn im Jahr 1998 und die Installation der Beschneiungsanlage.

„Der Trainingsstützpunkt hat dem Götschen einen Schub gegeben“, sagt Dinzler. Viele Millionen Euro sind geflossen, die finanziellen Aufwendungen für die Gemeinde – als jetziger Träger und Eigentümer - seien immer überschaubar geblieben, auch wegen des privaten Skiliftbetreibers. Eigentlich hätte die Zukunft so rosig aussehen können – zusätzliche Millionen, eine Optimierung des Götschen, die Zukunft wäre gesichert.

Die Verträge mit dem DSV laufen bis in das Jahr 2023, nun, „da der DSV die Schnauze voll hat“, dürfte sich dieser nach und nach entfernen, langsam aber sicher seine Zuwendungen einstellen. „Das Problem ist, dass Bürgermeister Altkofer keinerlei Signale von sich gibt“. Die Causa Götschen interessiere ihn einfach nicht, so ein Mitglied des Bischofswieser Gemeinderates. Auch Heitauer versteht dieses Verhalten nicht, „das Thema Götschen kommt zu einem falschen Zeitpunkt“. In ein paar Jahren sähe die Sache schon ganz anders aus.

In ein paar Jahren? Mit einem neuen Bürgermeister. Ein solcher „würde wenigstens hin und wieder mit dem DSV telefonieren, verhandeln, sein Interesse bekunden“. Vielleicht hätte man dann noch etwas machen können. „Die Sache ist so gut wie in trockenen Tüchern“, sagt Helmut Wegscheider, der Leiter des Trainingszentrums, der zukünftig seinen Arbeitsplatz in Schönau am Königssee haben dürfte, dann, wenn es im Jahr 2012 mit den Baumaßnahmen los gehen soll.

Ohne DSV geht der Götschen ein

Die Verhandlungen zwischen DSV und Schönau am Königssee laufen nicht erst seit ein paar Tagen. Wäre das Verhältnis zwischen DSV und Gemeinde Bischofswiesen ein partnerschaftliches gewesen, wären die Aussichten besser gewesen. „So war die Gemeinde der Totengräber des Götschen“, sagt Wegscheider. Denn Fakt ist: Ohne den DSV wird der Götschen zwar noch weiter bestehen, sukzessive werde aber ein schleichender Rückbau stattfinden, die Rahmenbedingungen seien nicht mehr ideal, so dass sogar in steter Regelmäßigkeit Trainingseinheiten in Österreich abgehalten werden mussten.

Der Götschen entsprach den Anforderungen nicht mehr, die der DSV mit seinem Masterplan aber verwirklichen wollte. Allerdings wurden diese vom Gemeinderat abgewiesen. „Die in Zukunft entstehenden Kosten werden an der Gemeinde hängenbleiben“, ist sich Klaus Dinzler sicher. Hinzu kommt – der DSV werde sich nach und nach zurückziehen, den Fokus auf den Jenner richten, „mit wesentlich höheren Kosten“, so Wegscheider. Infrastrukturell sei dort noch einiges zu bewerkstelligen. „Der Jenner wird einen Vierer-Sessellift“ erhalten, weiß der Götschen-Mann. Was allein fehlt, ist die Transparenz in Bezug auf die Öffentlichkeit. Derweil hätte die es verdient, sind sich die Götschen-Befürworter sicher.

Nach der Entscheidung im Gemeinderat in Bischofswiesen habe zunächst blankes Entsetzen geherrscht, auch in Reihen derer, die sich zwar zuvor noch positiv über den Götschen als solches eingesetzt, schlussendlich aber gegen das Projekt gestimmt hatten. Den Gemeinderäten sei zum jetzigen Zeitpunkt noch immer nicht klar, was ist, wenn der DSV den Trainingsberg verlassen wird. „Altkofer sitzt die Situation jetzt aus, Stefan Kurz aus Schönau am Königssee ist der aktive Part, der handelt“, sagt Wegscheider.

Indes wird der 15. November ein bedeutsamer Tag – für die Zukunft des Götschen, für die des Jenner, für die Gemeinde Bischofswiesen, aber auch für Schönau am Königssee. Dann nämlich kommen die hohen Herren von DSV, DOSB (Deutscher Olympischer Sport Bund) und BMI (Bundesministerium des Innern) zusammen, beratschlagen über Für und Wider, „verschiedene Entscheidungen sind möglich“, weiß Wegscheider. Die Zukunft für den Götschen scheint düster, ohne den DSV „gibt es nur Nachteile“. Ein Gemeinderatsmitglied prognostiziert: „Auf lange Sicht ist der Götschen weg vom Fenster“.

Rubriklistenbild: © Berchtesgadener Bergbahn AG/Manfred Kern, München

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