"Der klassische Buchmarkt hat Zukunft"

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Franz Machata setzt auch weiterhin auf das klassische Buch. Wenngleich die elektronische Konkurrenz stark in den Markt drängt.

Berchtesgaden - Klassisch oder Digital? Das moderne Leseerlebnis findet Aufschwung in der traditionell bayrischen Kultur. Doch das klassische Buch bleibt etwas einzigartiges.

Im Weihnachtsgeschäft waren elektronische Bücher der große Renner. In Berchtesgaden sind eBooks noch nicht so weit verbreitet. „Sie sind aber auf dem Vormarsch“, sagt Buchhändler Franz Machata, der ein breites Spektrum an Literatur führt. „Wir können uns dem Trend nicht verschließen“, sagt er. Deshalb gibt es bei ihm seit Kurzem auch digitale Bücher im Angebot. Einem Ende des klassischen Buchmarkts sieht Machata aber nicht entgegen.

Lesegeräte wie dieser „iRiver“ fassen den Inhalt von weit über 1000 Büchern – und sind erweiterbar.

Das Weihnachtsgeschäft war stabil. So zumindest fällt der Rückblick des Buchhändlers aus. Ein Aufschwung im Buchsektor? Davon kann keine Rede sein. „Wir halten uns auf dem Vorjahresniveau“, sagt er. Und stellt aber fest, dass elektronische Lesegeräte deutlich in der Gunst der Käufer zulegen. Erst im Dezember sind die Buchhändler auf den Zug aufgesprungen. Seit kurz vor Weihnachten führt auch Franz Machata Lesegeräte der neuesten Generation im Angebot. Die Leute seien bereit, dafür Geld auszugeben. Nicht nur junge Nutzer, sondern auch ältere Leser, die sich an das moderne Leseerlebnis wagen.

„Ein klassisches Buch bleibt aber etwas Einzigartiges“, sagt Machata. Die Haptik, das Gefühl, etwas Wertiges in der Hand liegen zu haben, seien wesentliche Kennzeichen. Trotzdem erkennt er in den elektronischen Lesegeräten den praktischen Nutzen. „Es passen weit über 1000 Bücher auf einen eReader“, sagt er. Per Speicherkarte kann der Platz deutlich erweitert werden. eReader nennen sich die Lesegeräte, auf welchen man über einen elektronischen Bildschirm ein Buch nach Wahl lesen kann. Unhandliche, schwere Bücher gehören dann der Vergangenheit an. Das Weihnachtsgeschäft in Sachen eReader sei gut verlaufen, auch Online-Bücher hat Machata in guter Stückzahl verkauft. Vorteil der Lesegeräte: Die Akkulaufzeit ist bei den Schwarz-Weiß-Gerätschaften enorm. Außerdem lässt sich die Schriftgröße beliebig einstellen. Die Bedienung sei einfach. Ohnehin seien viele Komfort-Möglichkeiten enthalten, die auch für den Kunden von Vorteil sind.

Wer stöbern möchte, findet beim Buchhändler von nebenan wie gewohnt das klassische Buch. 

Der Fokus liegt bei Machata aber dennoch weiterhin auf dem klassischen Papierbuch. „Ich gehe zwar davon aus, dass das elektronische Segment anziehen wird, das Ende des Buchmarkts sehe ich aber nicht.“ Vor allem mittelgroße und große Händler würden sich derzeit schwer tun, sich am Markt zu behaupten. Der US-Konzern Amazon, der mit dem „Kindle“ einen eigenen eReader erfolgreich auf dem weltweiten Markt platziert hat, ist eine starke Konkurrenz. „Nicht nur im Online-Buch-Markt, sondern auch beim Verkauf klassischer Bücher“, sagt Franz Machata. Als kleiner Händler habe er aber den Vorteil, durch Kundennähe zu glänzen. „Das persönliche Gespräch wird stark gewünscht. In dieser Hinsicht können wir uns abheben“, weiß er. Kleine Buchhändler vor Ort kaufen für ihre Kunden ein: „Wir wissen ungefähr, was unsere Kunden lesen wollen und haben dementsprechend vorgesorgt“, sagt er und zeigt in Richtung eines Tisches, auf dem die neuesten Werke verschiedenster Autoren liegen. Zwar würde sich die Konkurrenz mit den eReadern in Zukunft noch deutlich verschärfen, eben auch, weil viel lizenzfreie Ware im Internet angeboten wird. „Viele Klassiker, etwa von Goethe, können kostenlos über das Internet auf das Lesegerät geladen werden.“ Die Frage bleibt, ob der Lesespaß der gleiche ist. „Das entscheidet jeder für sich.

Der Buchhandel versucht in jedem Fall, am Ball zu bleiben.“ Und neben dem klassischen Buch, neben dem in der Gunst der Käufer immer beliebteren Hörbuch auch das eBook anzubieten. „Wir stehen da erst am Anfang“, weiß Machata. Dann kommt Kundschaft. Eine ältere Dame mit ihrem Ehemann. „Wir haben Interesse an so etwas“, sagt sie und zeigt auf einen eReader. Machata lächelt - und beginnt mit der Kundenberatung.

kp

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