„Der Dreck muss weg“

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Vorsicht, wo man hintritt! Alexander, der Wahl-Schönauer, ist leidenschaftlicher Spaziergänger. Hunde-Ausscheidungen und Abfall am Rand der Fußgängerwege missfallen ihm.

Schönau am Königssee - Der Frühling kommt und offenbart so einiges an Unrat. Am Wegesrand des Königssees kommen Abfallberge zum Vorschein. Für Alexander Milutin ein Tourismuskiller.

„Für einen Naturfreund ist das alles andere als schön“, sagt Alexander aus Schönau am Königssee. Er deutet auf den Seitenrand des Fußgängerweges, wo eine zerbrochene Bierflasche neben einer aufgedunsenen Zigarettenschachtel und einigen Lagen Plastikfolie liegt. Er trägt eine Mütze, einen dicken Winteranorak, eigentlich zu warm für diese Jahreszeit, und ist zu Fuß zum vereinbarten Treffpunkt gekommen.

„Ich habe gar kein Auto“, sagt Alexander, 46 Jahre alt - „aber ich fühle mich viel jünger“. Alexander ist „Naturschützer im Geiste“, ein ehrenwerter Grundgedanke, weniger handfest denn visionär. „So, wie es hier nach dem Schmelzen des Schnees aussieht, muss schnell etwas getan werden. Wir sind eine Tourismusregion und können uns so viel Müll nicht erlauben.“

„Glasscherben am Wegesrand – ein No-Go“, sagt Alexander.

Alexander ist Naturliebhaber, „eigentlich Landschaftsliebhaber“. Einer, aus dem Norden stammend, nun zurückgekehrt zu seinen Wurzeln. „Ich bin in Bad Reichenhall geboren“, sagt er. Der Vater sei in der Bundeswehr gewesen, in der Strub. Das Berchtesgadener Land verließ die Familie alsbald wieder in Richtung Nordrhein-Westfalen, nun, vor einem Jahr, kam Alexander zurück in den Talkessel, nach Schönau am Königssee. „Leider erst jetzt - so spät“, gibt er sich betrübt. Alexander ist gelernter Fotograf, hat später, als sein Betrieb in die Insolvenz ging, umgeschult zum Tischler. „Derzeit bin ich arbeitslos“, sagt er, gesundheitlich eingeschränkt. Auf der Suche nach Arbeit sei er dennoch, ein wenig aussichtslos scheint seine Lage, wenn man seinen Erzählungen folgt. In seiner Freizeit, wovon er nach eigenem Bekunden ausreichend hat, geht er gern wandern, viel spazieren.

Berchtesgadens Landschaften faszinieren den Mittvierziger, deshalb versteht er es nicht, dass auf den Gehwegen, „egal wohin man schaut“, so viel Müll zu finden ist. „Die Gemeinden sind gefragt“, sagt er, „oder die Bürger“. In einer Gemeinschaftsaktion könnte man den Müll doch beiseiteschaffen, die Wege reinigen. Man müsste nur den Anstoß liefern. Da ist er wieder, der „Naturschützer im Geiste“, der sich gerne aktiver einbringen und einer Naturschutzorganisation beitreten möchte. „Schauen Sie, dort drüben, da ist der ganze Hang voll mit Müll“, sagt er und reckt seinen Arm in Richtung Königsseer Fußweg.

Von Müll befallene Fleckchen gebe es im Talkessel derzeit ausreichend, zu viele, insbesondere wegen des momentan wegschmelzenden Schnees, der das ganze Landschaftsleid offenbart – Schrott, Unrat, Abfälle: „Die Leute achten nicht drauf, ihre Abfälle wieder mit nach Hause zu nehmen“, sagt Alexander, der darüber klagt, dass es viele Autofahrer gibt, die ihren Unrat aus dem Fenster werfen. „In der Königsseer Straße kann man sich davon ein Bild machen“. Unverständnis äußert er auch über die fehlenden Müllbehälter, sonst am Wegesrand zu finden, die während der Winterjahreszeit aber abmontiert werden. „Überall Dreck und Kot“. Der Zustand versetzt den Wahl-Schönauer ein wenig in Rage, keine Aussicht auf Besserung. „Hoffentlich setzen die Gemeinden zum großen Frühjahrsputz an“, sagt er.

Zugemüllte Stellen gibt es einige. Jetzt, nachdem der Schnee langsam wegtaut, offenbaren sich unschöne Bereiche.

Dringend notwendig sei dieser, zumal die Touristen bald wiederkämen, der Abfall bis dahin beseitigt sein sollte. Es ist nicht nur der Abfall, an dem sich Alexander stört. Zunehmend sind es die Ausscheidungen der Hunde, die, auf dem Schnee drapiert, zum unfreiwilligen Hingucker werden, zum stinkenden. „Anscheinend gibt es zu viele Hunde im Talkessel“, sagt der Tierfreund. Oder aber: Das Herrchen und das Frauchen müssen sich selbst am Riemen reißen, eine Plastiktüte mitnehmen und die Ausscheidung einsammeln. „Natürlich ist das nicht gut, wenn die entsprechenden Mülleimer zur Entsorgung dann fehlen“, weiß er. Ein Teufelskreis. Und doch ist er zuversichtlich, dass bis zum Frühjahr noch einiges passieren wird, die Wege sauberer werden. „Das sind wir unserer Heimat schuldig“.

kp

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