'Der Bergbrenner' - ein Langsamlesebuch

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Berchtesgaden - "Entscheidend ist nicht, wer an deinem Grab steht, sondern vielmehr wer oder was dich ins Grab bringt."

Wer den Bergbrenner Hubert 'Hubsi' Ilsanker kennt, dem sind auch seine Sprüche und Texte ein Begriff. Immerhin ist er als Musiker mit dem Oxn-Aug'n Trio in ganz Europa unterwegs. Außerdem treffen ihn in den Sommermonaten die Einheimischen und Gäste auf einer der vier Brennhütten der Enzianbrennerei Grassl an. Genau dann entstehen die Geschichten, die Hubsi in seinen Liedern und jetzt auch in einem Buch beschreibt.

"... dieser Mann schreibt bloß über sich und über Dinge, die er erlebt hat. Das ist dermaßen spannend und interessant, dass es mich total demotiviert, selbst was zu schreiben", schreibt der 'Yeti' zu Beginn des Buches. Und tatsächlich ist das Langsamlesebuch 'Der Bergbrenner' eine Art Tagebuch. "Ich habe 2004 den ganzen Sommer aufgeschrieben. Von 1. Mai bis 24. Dezember habe ich Tagebuch geführt und das war mein Gerüst für das Buch", erklärt Hubsi im BGLand24-Interview. "Jeder Sommer ist was besonderes, jeder ist ein bisschen anders. 2004 war ich auf allen vier Brennhütten. Zuerst Eggerleiten, dann auf der Wasseralm, dann am Funtensee, am Priesberg und zum Schluss wieder Eggerleiten."

Das Werk

Wir treffen den Bergbrenner in der Brennhütte Eggerleiten. Über die historische Rossfeldstraße können wir direkt hinfahren. Vor der Hütte, die eigentlich mehr ein Haus ist, hackt Hubsi Holz. Er kümmert sich in 'seinen' Brennhütten um alles selbst und trotzdem fehlt ihm nichts. "Es gibt viel, verdammt viel, was ich nicht habe, und das ist genau das, was ich nicht brauche", erklärt er das besondere an seiner Arbeit. Denn während in Eggerleiten des öfteren das Telefon klingelt, kann er am Funtensee nur über das Kärlingerhaus erreicht werden. "Und da muss man auch Glück haben, dass jemand hingeht."

Er ist also auf sich selbst gestellt, aber selten allein. Während wir noch mit ihm plaudern, fährt ein Auto vor. Zwei Männer steigen aus und bringen Semmeln, Leberkäse und Kaffee mit. "Manchmal komme ich vor lauter Besuch fast nicht zum Brennen", gibt Hubsi zu. An die Brennzeiten muss er sich aber halten, immerhin gibt es eine Zoll-Genehmigung dafür, die nur für bestimmte Tage ausgestellt wird. Doch der 42-jährige ist Profi und wird allem gerecht.

Für sein Buch hat er sich aber hin und wieder an der Nase nehmen müssen. "Du brauchst eine wahnsinnige Energie dazu, aber nach einigen Jahren hat das immer mehr Gesicht angenommen und jetzt bin ich froh, dass meine Notizen tatsächlich ein Buch geworden sind", erinnert sich der Schnapsbrenner. Dabei war vor allem die Auswahl der Geschichten und der Bilder die Schwierigkeit. "Es soll ja alles ein Gesicht machen."

Beim Hubsi in der Brennhütte

Das 'Gesicht' ist jetzt fertig und seit Samstag in den Berchtesgadener Buchhandlungen erhältlich. Für den Autor selbst war es spannend, mitzuerleben, wie ein Buch entsteht. Vom Verlag, über die Lektoren bis zum Druck. Jetzt ist er gespannt, wie sich sein Werk verkauft. "Die Einheimischen brauchen das Buch, dann kaufen es andere auch", ist seine einfache Philosophie. "Wer das Buch liest, der wird, wenn er fertig ist, ziemlich viel vom Schnaps brennen wissen, ziemlich viel von meinen Philosophien wissen, wird einige lustige Anekdoten miterleben und wird sich auch so über manches wundern und lachen, nachdenken und manchmal auch ein bisschen sinieren."

Ob es allerdings eine Fortsetzung geben wird, will er nicht versprechen: "Anekdoten und Erlebnisse werden weiter kommen, aber es werden sicher noch einige Jahre vergehen, bevor ich sag, es gibt einen zweiten Teil. Ob ich mir das ganze überhaupt nochmal antue, das weiß ich nicht."

cz

Rubriklistenbild: © cz

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