„Den Tiger entdeckt man mit den Ohren“

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Nach Ansicht des Fotografen und Tiger-Experten Jörg Edelmann ist der indische Tiger der wahre „König der Tiere“.

Berchtesgaden - Der Tierschützer und Fotograf Jörg Edelmann kennt ihn so gut wie wenige andere Menschen auf dieser Erde – den indischen Tiger.

Bei insgesamt neun Reisen nach Indien in den letzten 20 Jahren hat der gebürtige Stuttgarter rund zweieinhalb Jahre in indischen Tiger-Schutzreservaten verbracht. Dabei ist er der gestreiften Raubkatze oftmals näher gekommen, als ihm lieb war.

Im Nationalpark-Haus präsentiert der Fotograf bis zum 31. Oktober seine Fotoausstellung „Rettet den Tiger“. Die Vernissage der Foto-Ausstellung „Rettet den Tiger“ mit der Uraufführung einer neuen Tiger-Bildershow hätte mehr Besucher verdient gehabt. Selten trifft man auf derart erfahrene, rhetorisch begabte und mit einer großen Portion Engagement ausgestattete Wildtier-Experten wie Jörg Edelmann. Gerade mal eine Handvoll interessierter Besucher lauschte bei der Eröffnung seiner Ausstellung im Nationalpark-Haus Berchtesgaden den Ausführungen des Artenschützers.

In seiner neuen Tiger-Bildershow zeigte der Fotograf rund 250 einzigartige Aufnahmen aus den Lebensräumen des indischen Tigers. „Indien und den indischen Tiger entdeckt man mit den Ohren“, verrät der Experte. Und er ergänzt: „Im indischen Urwald sind meine Sinne zugleich meine Lebensversicherung. Hier muss man langsam und wachsam sein, damit einem nichts entgeht.“

In der rund zweistündigen Show erfahren die Zuhörer, dass das Schutzprogramm „Project Tiger India“ im Jahre 1972 von der damaligen Prime-Ministerin Indira Ghandi ins Leben gerufen wurde. Heute existieren in Indien 38 Tigerreservate mit einer nutzungsfreien Kernzonen-Fläche von insgesamt rund 32.000 Quadratkilometern. Dennoch sinken die Tiger-Bestände: Heute leben in Indien nur noch rund 1300 Tiger, weltweit sind es nur 2500 bis 3000 Tiere. „Die Gründe dafür sind vor allem der Verlust seines Lebensraumes sowie die unkontrollierte Wilderei, auch in den Schutzgebieten“, erläutert der Experte.

Nationalpark-Mitarbeiter und Zoologe Ulrich Brendel (l.) eröffnete kürzlich die neue Fotoausstellung „Rettet den Tiger“ im Nationalpark-Haus Berchtesgaden. Fotograf und Artenschützer Jörg Edelmann präsentiert hier noch bis zum 31. Oktober 2010 insgesamt 39 großformatige Fotografien aus den Lebensräumen des indischen Tigers.

Fast ein wenig verzweifelt klingt er, als er die Zustände in verschiedenen Tiger-Reservaten schildert. „In Indien spielen Korruption und Bestechung eine große Rolle, sogar einige Mitarbeiter von Schutzgebieten sind in Wilderei und den Handel mit Tigerprodukten verstrickt.“ Im 940 Quadratkilometer großen Kanha-Nationalpark fielen im Jahr 2009 insgesamt 16 Tiger der Wilderei zum Opfer, sechs davon waren sogar mit einem Senderhalsband der Tigerforscher versehen. Auf dem Schwarzmarkt bringt ein ausgewachsener, männlicher Tiger rund 50.000 Euro.

„Tigerprodukte spielen in der chinesischen und taiwanesischen Heilkunde nach wie vor eine große Rolle, auch wenn die Heilwirkung von Knochenmehl, Tigerpenissen und Tigerblut keinesfalls wissenschaftlich erwiesen ist“, ärgert sich der Naturschützer. „Ganz im Gegenteil hat eine Studie des WWF gezeigt, dass von den in der traditionellen Medizin so geschätzten Produkten keinerlei Heilwirkung ausgeht“.

Doch die Wilderei ist nicht die einzige Bedrohung für die Raubkatze: Auch die Rodung der Urwälder und der damit verbundene Verlust seines Lebensraumes machen dem indischen Tiger zu schaffen. Ein Großteil der indischen Bevölkerung ist arm und heizt und kocht mit Holz. Aufgrund des großen Energiebedarfs und der Notwendigkeit neuer Siedlungen für die ständig wachsende Bevölkerung Indiens werden Wälder unkontrolliert abgeholzt. Hinzu kommen große Herden von Kühen und Ziegen, die das karge Weideland durch Überweidung zusätzlich belasten. Edelmann erklärt: „Die Kuh ist in Indien heilig und darf nicht getötet werden. Die Tiere vermehren sich unkontrolliert und die Folgen für das Weideland kann man sich vorstellen.“

Auch aus diesem Grund werden die Lebensräume der Tiger immer kleiner, in Folge kommt es zu immer größeren Konflikten zwischen Tigern und Menschen. „Sie kommen sich gezwungenermaßen vielerorts zu nahe“, bedauert Edelmann. Doch der Tiger-Experte sieht auch eine Chance für Indiens größte Raubkatze: den Ökotourismus. Bereits heute können interessierte Urlauber in indischen Tiger-Reservaten Safaris buchen. Das zahlungskräftige Publikum stellt einen wachsenden Wirtschaftsfaktor dar. „Die Gäste kommen natürlich nur dann, wenn sie eine reelle Chance haben, Tiger zu sehen“, frohlockt Edelmann. „Dazu braucht man ausreichend große Bestände und einen funktionierenden Tigerschutz.“

Die Foto-Ausstellung „Rettet den Tiger“ im Nationalpark-Haus zeigt 39 großformatige Aufnahmen aus den Lebensräumen des indischen Tigers und ist noch bis zum 31. Oktober 2010 zu sehen. Das Nationalpark-Haus am Franziskanerplatz in Berchtesgaden ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.

Pressemitteilung Nationalpark Berchtesgaden

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