BN nimmt Hotelprojekt unter die Lupe

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Beeindruckt schauen die Naturschützer zu einem der großen Findlingen auf

Schönau - Das monatliche Treffen verlegte der BN kurzerhand an den Königssee: Dort soll ein Hotelkomplex entstehen, dessen Ausmaße die Naturschützer nun genauer unter die Lupe nahmen.

Aus aktuellem Anlass fand das August-Monatstreffen der Ortsgruppe gemeinsam mit dem Kreisvorstand am Königssee statt. Die zahlreichen Naturschützer wollten sich ein genaues Bild von dem geplanten Immobilienprojekt rund um den denkmalgeschützten Bahnhof und dem angrenzenden Wald machen. Dort sind noch zahlreiche einzigartige Relikte aus der Eiszeit zu bestaunen, die zum Teil von der Baumaßnahme bedroht sind.

Kreisvorsitzende Rita Poser erläuterte, unterstützt von Ortskennern, zunächst grob anhand der Raumordnungsunterlagen die Projektgröße und die räumliche Ausdehnung beginnend am denkmalgeschützten Alten Bahnhof. Dieser soll mit einem Großteil der jetzigen Grünfläche und altem Baumbestand an die Investoren verkauft werden. Aus Grundstücksverkäufen (incl. Wölflerfeld und einem Baugrundstück) erhofft sich die Gemeinde insgesamt 2,46 Millionen Euro.

Neue Geschäftshäuser und Tiefgarage

Gegenüber dem Alten Bahnhof soll ein weiteres Geschäftshaus mit Gaststätte errichtet werden. Dadurch wird die Fläche des jetzigen Biergartens mit in Anspruch genommen. Außerdem beeinträchtigt: der Blick auf das Kehlsteinhaus und Hohen Göll. Ein weiteres Geschäftshaus soll direkt an dem Alten Bahnhof anschließen.

Nach den Unterlagen würde der Biergarten künftig auf der anderen Seite des Bahnhofs angelegt in direkter Nachbarschaft zur Tiefgarageneinfahrt des Hotels mit 130 Stellplätzen. Nach Ansicht der Teilnehmer bedeutet dies das Aus für den Biergarten und natürlich den alten Baumbestand.

Park und Bäume würden verschwinden

Hinter Bäumen versteckt – ein ganz besonders ausgeformter erratischer Block

Weiter führte der Weg durch den Park, der künftig als solcher nicht mehr existent sein würde, Richtung Abrissbauten. Hier wurde die riesige Dimension des Hotelkomplexes klar, die die gesamte Straßenbreite mitnimmt, so dass eine neue Erschließungsstraße und Parkplätze durch den Wald mit seinen verzauberten Findlingen gebaut werden muss. Von einem ist schon jetzt bekannt, dass er stört und beseitigt werden muss. Nach den Erfahrungen, die der BUND Naturschutz in den letzten Jahren in der Gemeinde gemacht hat, wird es dabei nicht bleiben. Ob Sicherheitsgründe oder Mehrbedarf an Fläche, weil Tiefgarage zu teuer (Bsp. Triftplatz), irgendein Grund wird sich finden lassen, waren sich die Naturschützer einig.

Neue Straße mit Parkplätzen statt Ensemble erratischer Blöcke

Geologe Dr. Volker Diersche informierte kurz über die besondere geologische Situation, die hier vorliegt. Die beiden Findlinge, von denen einer bei den geplanten Baumaßnahmen zerstört werden soll, gehören zu einem ganzen Ensemble von sog. erratischen Blöcken. Sie markieren hier am Nordufer des Königssees in charakteristischer und einzigartig landschaftsformender Weise die letzte Eisrandlage des ehemaligen Königssee-Gletschers aus der Würmeiszeit vor ca.12.000 Jahren. An den öffentlich zugänglichen Stellen wurden deshalb die Größten bereits zu Geotopen und Naturdenkmälern erklärt, wie z.B. Großer Stangerstein und Löwenstein. Die im Wald gelegenen Findlinge galten bisher als sicher, müssen aber nunmehr als gefährdet betrachtet werden. Die bisher ungestörte Wildheit des Geländes, die die Teilnehmer so überraschte wie faszinierte, würde durch den projektierten Hotelkomplex mit Wohntürmen und Neuanlage einer Erschließungsstraße zerstört. Dazu muss auch der kleinere Findling gesprengt und beseitigt werden.

Felssturz im Frühjahr und Wohntürme

Ein großer Findling war ins Tal gestürzt und zerbrochen

Im Geo-Fachdaten-Atlas (BIS) des Bayerischen Landesamtes für Umwelt ist eine Fläche am Ostrand des Hotelgeländes als besonderes "Geo-Risk Gebiet" ausgewiesen. Und tatsächlich, im Frühjahr ereignete sich nahe dem Hotelgebiet ein Felssturz unter Zerstörung mehrerer ausgewachsener Bäume. Die Gefahrenzone, so der Geologe weiter, dürfte aber auch den Bereich um den von der Zerstörung bedrohten Findling umfassen. Beide liegen weitgehend auf einer wasserhaltigen Grundmoräne, die bei seitlicher Angrabung zu Rutschung neigt, was zum Absturz insbesondere des größeren Findlings führen könnte. Auch sollen dort weitere Parkplätze entstehen.

In diesem Bereich am Waldrand Richtung Naturdenkmal ‚Löwenstein’ sollen die drei Wohntürme platziert werden, die als Anschubfinanzierung für das Parkhotel – ohne Park - notwendig sind. Auch die Geschäftshäuser sind aus Renditegründen erforderlich. Direkt neben dem Naturdenkmal würde der Erweiterungsbau des Hotels Königssee in Form eines Querriegels enden. Jetzt stehen neben dem Naturdenkmal zahlreiche offene Abfallcontainer.

Pletzgraben

Stört beim Straßenbau - der kleinere Findling müsste der künftigen Straße weichen. Zwischen den Blöcken: Der Pletzgraben

Der Pletzgraben wird hinter den Häusern - kurz nach den Findlingen - in die Verrohrung geführt und bei Starkregenkommt es trotz Rückhaltebecken immer wieder zu Überschwemmungen. Direkt neben dem Hotel Königssee führt die Verrohrung dann in den Königssee. Auch wenn der Graben nicht immer Wasser führt, so sollte er aus Sicht der Naturschützer als Naturelement zur Geltung kommen und nicht in einem Rohr versteckt werden. Die dem Hotel Königssee gegenüberliegenden Gebäude, die dringend saniert werden müssten, liegen außerhalb des Bebauungsplans. Wenig ansehnlich auch die Situation an der Seelände. Da wo früher alte Kastanienbäume Schatten spendeten, wurde inzwischen eine bunte Mischung von Sonnenschirmen aufgestellt.

Hotelauslastung 40%

Das neue Geschäftshaus mit Gaststätte würde den Blick auf den Alten Bahnhof aber auch Kehlsteinhaus und Hohen Göll verstellen

In der anschließenden Diskussion wurde schnell klar, wie wichtig diese Führung war. Keiner der Anwesenden hatte sich einen derart massiven Bauumfang vorstellen können, der wieder in einzigartige Naturräume eingreifen und zerstören würde. Poser informierte über weitere Daten aus den Raumordnungsunterlagen. Danach liegt die Hotelauslastung in der Gemeinde bei 40%. Das dürfte die Erklärung für den immer wieder beklagten Bettenabbau von 5000 Stück sein – also fehlende Nachfrage wie beim Hotel Königssee mit seinen umfangreichen Leerständen, die später als Asylantenunterkunft genutzt wurden. Und ein Weiteres hat die Begehung gezeigt – es muss dringend in Aufenthaltsqualität investiert werden, Müllcontainer in großer Anzahl öffentlich präsentiert schaden dem Image genauso wie fehlende Bäume als Schattenspender an heißen Tagen mit besonders hohem Besucherandrang.

Aus Sicht der Naturschützer ist es dringend notwendig, die verrümpelten Ecken insgesamt und nicht wie jetzt vorgesehen nur teilweise zu beseitigen sowie die besonderen und Gäste faszinierenden Naturschönheiten herauszuheben. Schließlich gehört der Königssee Deutschlandweit zu den herausragenden Tourismuszielen.

Diese Planungsaufgabe muss die Gemeinde einem Städteplaner übertragen und nicht einem international tätigen Immobilienentwickler wie Nuesch Development in der Schweiz, den Fedor Radmann vermittelte.

Bund Naturschutz Bayern

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