"Crazy"-Andi radelt für Trösterbären nach Rom

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Andreas Jansing sammelt Geld für Trösterbären, die verunfallte Kinder von den Sanitätern erhalten. Dafür radelt der Marktschellenberger im Juni bis nach Rom.
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Bischofswiesen - Andi Jansing fährt nach Rom, mit dem Rad, in sechs Etappen. Um Geld zu sammeln, für Trösterbären, die verunfallte Kinder von den Sanitätern bekommen.

Der Physiotherapeut (Geschäft in der Strub) setzt ab 21. Juni seine 2011-Tour fort, die er nach wenigen Kilometern aufgrund eines bösen Sturzes kurz vor Villach abbrechen musste. "Jetzt geht es dort weiter, Ziel ist das Kolosseum in Rom" - der 51-Jährige denkt Gladiatoren-mäßig und schmunzelt. Die nötige Form holt er sich ab 26. März rund um Manerba del Garda am Gardasee: "Das ideale Gebiet für mein Training und um sich an den Sattel zu gewöhnen". 500 Kilometer will Jansing in vier Tagen abstrampeln.

Die Aktion entwickelte Eigendynamik

2006 entstand die Idee durch diverse Zeitungsartikel und Radio-Reportagen. Damals ging's 1.130 Kilometer weit vom Königssee an die Nordsee, in seine Heimat. Pünktlich zum 70. Geburtstag seines Vaters kam Jansing in Haren-Ems im westlichen Niedersachsen an. 66 Teddybären konnte er damals davon erwerben, zur Übergabe an die BRK-Rettungsfahrzeuge kamen auch die beiden damaligen Chefärzte des Berchtesgadener Krankenhauses Dr. Reiner Hente und Dr. Thomas Kanig. "Damals spürte ich die Eigendynamik, die die Sache bekam - meine Freude an der Aktion stieg und es war rasch klar, dass sie eine Fortsetzung erfahren würde".

Seit 1985 lebt Andreas Jansing aus Liebe zu den Bergen im Berchtesgadener Land, hält seinem SV Werder Bremen die Treue und findet "Dick & Doof" super. Ein wunderbarer Humor, den man heute vergeblich sucht. Das spiegelt in gewisser Weise sein Gemüt wieder: Nicht aufgeben, weiter kämpfen, etwas abgeben und den Spaß auf gar keinen Fall zu kurz kommen lassen.

"Hallo! Ich bin Benny"

"Du brauchst ab sofort keine Angst mehr zu haben. Ich bin bei Dir und begleite Dich überall mit hin. Drück mich einfach ganz fest an Dich. Ich lass Dich nicht allein!" steht auf jedem Teddy, den Andi Jansing vom "Kleine Patienten in  Not e. V." (www.Trost-spenden.de) bezieht. Dieser setzt sich im Besonderen für die Belange der kleinen Unfallopfer ein und kümmert sich um eine kindgerechte Erstversorgung. Dazu gibt's das kleine Stofftier, das in drei Größen hergestellt wird: Andi Jansing kostet der kleine 4,50 Euro, der mittlere 7,50, der große 10,50.

10 Cent spenden seine Geschäftspartner und Sponsoren für jeden Kilometer, den Andi Jansing zurücklegt. Ab 21. Juni in sechs Etappen von Villach bis Rom, auf den Nebenstraßen bedeutet das rund 850 Kilometer. "Mir geht es dabei aber nicht darum, möglichst schnell zu sein - ich befinde mich schließlich nicht in einem Rennen", so der gebürtige Emsländer. Die sportliche Herausforderung ist dennoch gegeben: "Na ja, ich bin 51, was will man da erwarten. Natürlich bedeutet das für mich eine gewisse Anstrengung, aber das ist ja auch in Ordnung so. Ich will schließlich auch körperlich etwas für die gute Sache tun und nicht nur lapidar Geld überweisen".

"Ich bin kein Rainer Popp"

Bei der Villach - Rom-Tour wird Jansing einmal mehr von seinem Sohn Kevin im Fahrzeug begleitet. Der 22-Jährige fährt stets ein Stück voraus und wartet an noralgischen Punkten (Kreuzungen) auf seinen Vater. Die ersten drei Etappen-Hotels sind vorausgebucht, die anderen werden kurzfristig angesteuert. Bis in die "Ewige Stadt" sind sechs Etappen á zirka 140 Kilometer geplant, 25 km/h im Schnitt reichen dem 51-Jährigen: "Ich bin kein Rainer Popp", unterstreicht Jansing, der großen Respekt vor dem Schönauer Ausdauersportler hat. "Aber ich brauche es nicht mehr so extrem, diese Zeiten sind vorbei. Jetzt bin ich Antibauchsportler", schmunzelt der Familienvater (vier Kinder) aus Marktschellenberg. Als 32-Jähriger finishte Jansing 1994 beim Neusiedler See-Ironman in 12:08,47 Stunden.

Ist Rom Ende Juni erreicht, geht's mit Kevin und dem Auto zurück: "Da lassen wir uns zwei, drei Tage Zeit, machen ein wenig Urlaub". Wieder daheim folgt der schönste und angenehmste Teil der Aktion: Die Übergabe der Trösterbären an die BRK-Rettungsfahrzeuge.

Im Vorfeld werden 2.500 gesponserte Flyer verteilt, Plakate gedruckt, es gibt Autoaufkleber. Andi Jansing hat mittlerweile Bekanntheitsgrad, wird in Radio-Sendungen eingeladen, ist medial präsent und bekommt von umliegenden Firmen und Geschäften nicht unerhebliche Unterstützung für die Umsetzung seiner Projekte. "Mittlerweile muss ich gar nicht mehr groß erklären, was ich mache". Die Medienpräsenz ist ihm sicher, die Leute wissen bescheid. Wenn Andi Jansing mit seiner Bewerbermappe kommt, sind stets alle bereit, mitzumachen und ihn zu unterstützen - in welcher Form auch immer.

2015 von Turm zu Turm

Obwohl die 2013-Tour noch nicht begonnen hat, ist die Idee für die übernächste bereits im Kopf: "2015 möchte ich vom Münchner Olympiaturm bis zum Pariser Eiffelturm radeln - rund 950 Kilometer wären das. Das "lockere" Zwischentraining steigt 2014 von Berchtesgaden über den Osten bis Berlin, zu einem guten Freund. Privat macht Andi Jansing gerne Aqua-Power und bezeichnet sich selbst "schon als crazy und nicht normal".

Wer Andreas Jansing mit einer Spende unterstützen möchte (jeder Cent wird garantiert in die Trösterbären investiert): Sparkasse Berchtesgadener Land, BLZ 710 500 00, Konto-Nummer 2024 8787, Stichwort "Trösterbären".

Hans-Joachim Bittner

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