Zukunft Bundeswehr: unbesetzte Stellen, überalterte Truppe?

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Oberst Peter Utsch sieht den derzeitigen Umbruch in der Bundeswehr als nötig, aber kritisch an.

Bad Reichenhall - Über 50 Prozent des Nachwuchses hat die Bundeswehr bisher aus Grundwehrdienstleistenden gewonnen. Diese fallen jetzt weg. Wie geht es also auch in Bischofswiesen und Bad Reichenhall weiter?

Eine Frage, der sich der stellvertretende Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23, Oberst Peter Utsch, am Dienstagabend bei einer Diskussionsveranstaltung gestellt hat. "Die Aussetzung der Wehrpflicht wird bereits ab dem 1. April an den heimischen Standorten deutlich zu spüren sein", gab Utsch zu. 74 Freiwillige haben sich zu diesem Datum gemeldet, auf 410 hätten die Gebirgsjäger gehofft. Über 300 Soldaten weniger können auch auf die Aufgaben der heimischen Truppen Auswirkungen haben.

"Es sind bereits zu diesem Zeitpunkt nicht mehr alle 3300 Dienstposten in den Kasernen in Bad Reichenhall und Bischofswiesen besetzt", erklärte der Oberst das Problem. "Wenn nicht mehr Nachwuchs kommt, kann es zu leerstehenden Unterkunftsgebäuden und zur Überalterung der Truppe kommen. Auch unserer Einsatzverpflichtung können wir dann nicht mehr nachkommen." Zum derzeitigen Zeitpunkt - direkt nach dem Afghanistan-Einsatz - hätte man noch genug Soldaten für den Auslandseinsatz zur Verfügung, so Utsch. Allerdings müsste man auch hier bereits an Weiterverpflichtungen einiger Soldaten denken, um es leisten zu können.

Doch genau diese Weiterverpflichtung sei derzeit nicht unbedingt attraktiv, so der Oberst weiter. "Für Mannschaften gibt es nur eingeschränkte zivilberufliche Qualifikation während ihres Dienstes bei der Bundeswehr." Das bedeutet, ein Soldat, der nach seiner Lehre zur Bundeswehr geht, kommt nach zwei, vier oder acht Jahren wieder in die freie Wirtschaft und hat in dieser Zeit nicht in seinem Beruf gearbeitet und sich kaum weiterbilden können. "Außerdem können wir zum jetzigen Zeitpunkt keinem Soldaten eine Standortsicherheit zusagen", bedauerte Utsch. Denn erst Ende diesen Jahres rechnet der stellvertretende Brigadekommandeur mit einer Entscheidung, welche Standorte bestehen bleiben.

"In gut einem Jahr wissen wir mehr", resümierte er. Dann könne man die Auswirkungen der ausgesetzten Wehrpflicht und der kompletten Bundeswehrreform an den heimischen Standorten abschätzen.

Vorher müsse aber die Bundeswehr aktiv werden. "Es sind dringend Einzelmassnahmen erforderlich, um den Arbeitgeber Bundeswehr attraktiver zu machen", weiß Utsch. "Vor allem die Nachwuchswerbung im zivilen Umfeld muss verbessert werden." Bisher ist es den einzelnen Bundeswehrstandorten nicht erlaubt, selbst Werbung für die Arbeit bei der Bundeswehr zu machen. "Das ist Aufgabe des Kreiswehrersatzamtes."

Utsch ist sich aber sicher, dass neue Soldaten nur von Soldaten geworben werden können. "Lieber eine Messe mehr besucht, als einen Truppenübungsplatz." So sieht in naher Zukunft wohl die Arbeit der heimischen Gebirgsjäger aus - bundesweit.

Christine Zigon

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