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Unterstützung aus Bischofswiesen für Kriegsflüchtlinge

Aktion teils „als Müllablagerung missbraucht“ – Gruppe sammelt 65 Tonnen Hilfsgüter

Hilfe für die Flüchtenden aus der Ukraine in Bischofswiesen
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Hinter Sabine Bottländer (rechts) liegen kräftezehrende Wochen. Aber das Sammeln soll weitergehen. In Bischofswiesen helfen auch Bewohner der Asylunterkunft beim Einladen der Feldbetten für Ukraineflüchtlinge.

Fünf gefüllte Lkw mit 65 Tonnen Waren: Dieses Fazit zieht die Berchtesgadenerin Sabine Bottländer, die mit zwei Mitstreiterinnen seit zweieinhalb Wochen Waren für Hilfslieferungen für die Ukraine gesammelt hat. Die Spendenbereitschaft ist weiterhin enorm. Allerdings ist nicht alles, was gespendet wird, noch brauchbar.

Bischofswiesen – Die vergangenen Wochen waren arbeitsintensiv, sagt Sabine Bottländer. Fast täglich hat sie gemeinsam mit Anja Edel und Kati Butnaru daran gearbeitet, so viel Hilfe wie nur möglich auf die Beine zu stellen. Den drei privat engagierten Frauen ist es dabei gelungen, fünf Hilfstransporte auf den Weg zu bringen. „Das ist eine ganze Menge“, sagt Sabine Bottländer. Möglich war das alles nur, weil so viele Bürger ihrem Aufruf in sozialen Medien gefolgt waren und die Aktionsgruppe mit allerlei Waren unterstützten.

Wie ein Lauffeuer hatte sich die Gründung der Aktionsgruppe im Internet herumgesprochen. Drei Tage nach Kriegsbeginn war der erste 7,5-Tonner voll. Höhepunkt war ein 40-Tonner, den die drei Unterstützerinnen mithilfe weiterer Freiwilliger füllten. Anfangs war es vor allem Kleidung, die gesammelt wurde, mittlerweile konzentrieren sich die drei Frauen insbesondere auf Finger-Food, auf Babynahrung, vor allem Hygieneartikel und Tierfutter, das in großen Mengen vor Ort benötigt werde. Der Strom an Flüchtlingen reißt indes nicht ab. Eine dreistellige Zahl an Flüchtlingen ist mittlerweile im Berchtesgadener Land angekommen. Sabine Bottländer weiß: „An der rumänisch-ukrainischen Grenze, dort, wo wir hinfahren, gibt es noch immer jede Menge zu tun.”

Der vor zwei Wochen getätigte Aufruf, ein Spendenkonto einrichten zu wollen, stieß beim Diakonieverein Berchtesgaden auf Gehör. Seitdem hat das Trio tausende Euro gesammelt. Die nächsten Hilfslieferungen ins Ausland seien gesichert, sagt die 52-Jährige. Mehrere Apotheken im Berchtesgadener Land hatten bereits einen großen Hilfstransport veranlasst, auch in Bischofswiesen wurden bereits enorme Mengen an medizinischen Produkten gesammelt - von Medikamenten und Schnelltests bis hin zum Verbandsmaterial.

60 Feldbetten von der Regierung Oberbayern: Asylbewerber packen in Bischofswiesen mit an

Die Regierung von Oberbayern hat den drei Frauen zudem 60 Feldbetten zugesichert, die in einer Bischofswieser Gemeinschaftsunterkunft nicht mehr benötigt worden waren. Weitere 17 Kinderbetten konnte die Aktionsgruppe zu den Notleidenden transportieren.

„Da haben selbst die Asylbewerber der Unterkunft mit angepackt und geholfen, unseren Lkw zu befüllen”, sagt Sabine Bottländer und freut sich über die Rückendeckung von allen Seiten. Eine rumänische Kinderärztin koordiniert die Hilfstransporte aus Bischofswiesen. Jede Lieferung wird fotografisch festgehalten. „Alles kommt sicher bei den Bedürftigen an”, verspricht Sabine Bottländer.

Etwas enttäuscht ist sie, dass seitens der Gemeindeverwaltungen nur wenig Hilfe erfolgt war. „Wir haben zwar ein Lager für Hilfsgüter zur Verfügung gestellt bekommen.” Aktive Hilfe? Die werde schmerzlich vermisst. Nur dank unzähliger Privatpersonen und privat organisierter Netzwerke, „deren Teilnehmer einen großen Teil ihrer Freizeit opfern”, sei das alles möglich. Seitdem bekannt ist, dass sich das Warenlager im Bachhäusl an der Hauptstraße in Bischofswiesen befindet, werden Spenden auch unangekündigt abgeladen.

„Leider wird die Stelle von manchen wenigen als Müllablagerung missbraucht”, sagt Sabine Bottländer. „Kein Mensch kleidet sich mit löchrigen oder übel müffelnden Klamotten.” Phasenweise musste das Trio Unrat abends beseitigen und eigenständig entsorgen lassen.

Beschweren wollen sich die rührigen Helferinnen aber keineswegs. „Die Unterstützung ist weiterhin enorm”, sagt Bottländer. Aktuell gönnen sich die drei Frauen eine kurze Verschnaufpause, da die vergangenen Tage und Wochen kräftezehrend waren. Schon in wenigen Tagen wollen sie aber wieder mit dem Sammeln starten, „solange der Beistand erforderlich ist”. 

kp

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