Sicherer Standort für Gebirgsjäger

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MdB Dr. Bärbel Kofler im Gespräch mit einer jungen Soldatin. Rechts ihr Bataillonskommandeur Oberstleutnant Borg und links der Kompaniechef Hauptmann Hellmes. Neben Dr. Bärbel Kofler von links: der Schönauer SPD-Sprecher Wolfgang Grimm, der Kreisvorsitzende der SPD und Kreisrat Roman Niederberger, Kresis- und Gemeinderat Bartl Mittner sowie Kreis- und Gemeinderat Hans Metzenleitner

Bischofswiesen - Gestern besuchten SPD-Kommunalpolitiker, angeführt von Dr. Bärbel Kofler die Jägerkaserne. Aus der gibt es gute und schlechte Nachrichten:

Wie in jedem Jahr besuchte die hiesige Bundestagsabgeordnete Dr. Bärbel Kofler begleitet von SPD-Kommunalpolitikern aus dem südlichen Landkreis auch heuer wieder das Gebirgsjägerbataillon 232 in der Strub. Zunächst gab der Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Dirk Borg, seinen Besuchern in seinem Lagevortrag einen Überblick über die aktuelle Lage des Bataillons. Üblicherweise lautete in den zurückliegenden Jahren der Tenor des Vortrags immer. „Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz!“ Denn das Bataillon war im regelmäßigen Zweijahresrhythmus im Afghanistaneinsatz gewesen. Nun wird es zwar in diesem und auch im nächsten Jahr durch Ausbildungseinsätze gebunden sein, um andere Truppenteile für deren Einsätze in Afghanistan und in Mali auszubilden, es wird aber zunächst selbst nicht durch einen Einsatzauftrag gefordert sein.

Personalmangel bei Mannschaften

Eigentlich wären dies gute Voraussetzungen, um die Struber Jager wieder in ihren Kernfähigkeiten des Gebirgskampfes fit zu machen. Doch es gibt Gründe dafür, dass dies nicht ganz so einfach ist. Diese sind der Fremdausbildungsauftrag für die Auslandseinsätze anderer Truppenteile und der Personalmangel bei den Mannschaftsdienstgraden. Das Bataillon hat eine Sollstärke von 1101 Soldaten, verfügt aber tatsächlich nur über 667 Soldaten. Dabei ist die Personallage bei den Unteroffizieren und Offizieren relativ gut, bei den Mannschaften fehlen aber von den nötigen 715 Soldaten ziemlich genau 50 Prozent. Dies ermöglicht nur schwer eine fordernde Ausbildungsgestaltung und bindet z.B. auch unverhältnismäßig viel Personal für Aufgaben der Materialerhaltung. Jede zusätzliche Personalabstellung für Fremdausbidung oder auch Wachdienst wird zum Problem und ganze Teileinheiten können nicht besetzt werden. Dennoch, so das Fazit von Oberstleutnant Borg, ist die Motivation der Soldaten noch hoch.

Nachwuchsgewinnung ist problematisch

Auf Nachfrage von Kreis- und Gemeinderat Hans Metzenleitner aus Bischofswiesen bestätigte der Bataillonskommandeur, dass die Nachwuchsgewinnung für die Truppe besonders im Berchtesgadener Land problematisch ist. Dies liegt u.a. an der Grenzlage, aber auch an der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt. Dr. Bärbel Kofler wollte dazu bei dem folgenden Gespräch mit Soldaten aller Dienstgrade wissen, ob dies auch an weiteren Randbedingungen des Standortes liegen kann, wie z.B. fehlendem Wohnraum oder Mangel an Kinderbetreuungsplätzen. Grundsätzlich, so ergab sich das aus den Beiträgen der Soldaten, ist sowohl bei Wohnungen, wie auch bei Kinderbetreuungsplätzen das Angebot vorhanden. Bei Wohnungen ist das Mietniveau allerdings so hoch, dass es für die meisten Soldaten nicht bezahlbar ist und bei den Kinderbetreuungsplätzen fehlt es vor allem an der dem soldatischen Dienst angepassten Flexibilität des Angebots. Daraus resultiert dann für die Truppe ein weiteres Problem: rund 60 Prozent der Soldaten des Bataillons sind Wochendpendler, deren Wohnsitz z.T. mehr als 500 km entfernt liegt. Dies ist ein Zustand, der Neu- und Weiterverpflichtungen hemmt und auch zum Personalverlust durch Versetzungen führt. Kreis- und Gemeinderat Bartl Mittner aus Berchtesgaden brachte das Problem auf den Punkt, indem er feststellte, dass diese Entwicklung langfristig auch das k.o. für den Standort bedeuten könnte. Der Kreisvorsitzende der SPD und Kreisrat, Roman Niederberger, betonte, dass die SPD die Problematik bezahlbaren Wohnraums für junge Familien im Landkreis bereits erkannt hat und an Konzepten für eine Verbesserung der Lage arbeitet.

Der Standort ist sicher

Oberstleutnant Borg betonte, dass trotz der geschilderten Schwierigkeiten, der Standort Strub als Standort der Gebirgstruppe auf absehbare Zeit sicher ist. Die Gebirgstruppe hat bei den zurückliegenden Strukturentscheidungen für das deutsche Heer insgesamt dazu gewonnen. Die Voraussetzungen für den Fortbestand des Standortes sind auch infrastrukturell optimal. Dies bestätigte dann auch ein Vortrag des Kasernenfeldwebels, Stabsfeldwebel Alfred Ecker, aus dem hervorging, dass 70 Prozent der für den Standort geplanten Infrastrukturmaßnahmen in einem Gesamtumfang von 81 Millionen Euro abgeschlossen sind. Die Kaserne ist damit weitgehend bereits auf einem optimalen Ausbaustand. Der noch fehlende Aus- und Umbau der Standortschießanlage mit den zugehörigen Schallschutzmaßnahmen ist jetzt für den Zeitraum 2016 – 2018 geplant und wird

12 Millionen Euro kosten.

„Berufserfahrung Gebirgsjäger“

Die SPD-Politiker bekamen auch Gelegenheit zu einem kurzen Besuch in der Grundausbildungskompanie des Bataillons und konnten dort eine junge Soldatin und einen Soldaten nach ihren ersten Erfahrungen zum Dienst bei der Gebirgstruppe befragen. Beide Soldaten haben noch keine Berufsausbildung und haben sich unmittelbar nach dem Abitur zum Dienst bei der Truppe verpflichtet. Es war spürbar, dass ihnen die Erfahrung des Soldatenalltags trotz aller Herausforderungen bisher viel Freude bereitet hat und dass sie bis in die Haarspitzen motiviert sind. Die Unterkünfte sind auf einem modernen Stand und in den großen Mannschaftsstuben sind 3 – 4 Soldaten großzügig untergebracht. Aber auch hier war die problematische Nachwuchslage erkennbar, denn in der Kompanie sind augenblicklich nicht mehr als 47 Soldatinnen und Soldaten in der Grundausbildung. Dr. Bärbel Kofler bedankte sich im Namen ihrer Besuchergruppe bei Oberstleutnant Dirk Borg und seinen Soldaten für die informative Veranstaltung und versprach, dass sowohl sie, wie auch die Kommunalpolitiker der SPD die Probleme des Bataillons mitnehmen werden und im Rahmen ihrer Möglichkeiten mithelfen werden, um Lösungen zu finden.

Pressemitteilung des Gebirgsjägerbataillon 232

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