Starkbieranstich: Ramsauer verteidigt Islam

+
  • schließen

Bischofswiesen - Dass bei einem Starkbieranstich harte Worte gegen "Schwachbrustländer mit sozialistischem Schlendrian" fallen, konnte man erwarten. Aber dass auch der Islam verteidigt wird?

"18 Prozent Stammwürze, süffig und stark in der Wirkung" - war das frisch gezapfte Starkbier der Grund, dass es im Brenner Bräu am Freitag gesteckt voll war oder doch der Auftritt von Peter Ramsauer? Sei's drum. Fest steht, dass die Bischofswieser CSU mit dem Starkbierfest eine alte Tradition wieder in besten Ehren hält.

Vier Schläge plus x

Vier Schläge brauchte der Bundesminister a. D. um den Zapfhahn ins Holzfass zu wuchten - und das bernsteinfarbeneWieninger lief. Fairerweise muss aber gesagt werden, dass der Braumeister in den Minuten danach noch einige weitere Male zum Schlegel greifen musste: Insgesamt elf Mal, um genau zu sein. Gemerkt haben dürften es die Wenigsten, geschmeckt hat es wohl trotzdem allen.

Als Peter Ramsauer zur Rede ansetzte, blieb er erstmal am Thema hängen: "Ja, wenn der Wieninger kein gutes Bier macht - wer dann?" Ein Raunen ging durch den Saal, doch Ramsauer versuchte es glatt zu bügeln: "Natürlich auch das Hofbräuhaus Berchtesgaden." Mit einem Augenzwinkern sagte der Chiemgauer, dass man sich trotz der geografischen Nähe im Berchtesgadener Land oft meilenweit voneinander entfernt befinde.

Ramsauers A8-Prognose: Höchst optimistisch

"Bischofswiesen ist ohnehin eine Insel der Glückseligen: kein Autobahnausbau, kein Fluglärm...", so Ramsauer. Zustimmende Lacher hatte er damit auf seiner Seite und doch wusste jeder um die Probleme im Landkreis. Beim Thema A8 wagte Ramsauer gar eine höchstoptimistische Prognose: "Möglicherweise wird in zwei Jahren am Inntaldreieck zu Bauen begonnen. Nicht dass das Ganze erst 2030 fertig ist" - und damit meinte er den kompletten Streckenabschnitt bis zur Grenze.

Fotos: Starkbieranstich CSU Bischofswiesen mit Ramsauer

International war abzusehen, dass sich Ramsauer vor allem auf die neue griechische Regierung einschießen wird. Er sprach von "Halbstarken mit sozialistischem Schlendrian" und allgemein von den "Schwachbrustländern im Mittelmeerraum", die, Irland eingeschlossen, jetzt nur darauf warten würden, es den Griechen gleichzutun um die Sparbemühungen einzustellen. Dagegen müsse man Finanzminister Schäuble dankbar sein, denn er vertrete nicht nur deutsche, sondern auch europäische Interessen. Der ehemalige Verkehrsminister brachte es auf die Gleichung: "Man darf Deutschland nicht schwächen, damit Europa gleicher wird. Wer Deutschland schwächt, schwächt Europa."

TTIP noch "Lichtjahre entfernt"

Beim umstrittenen Freihandelsabkommen TTIP versuchte Ramsauer dagegen, sich sauber aus der Affäre zu ziehen: Er verteidigte es zwar, meinte jedoch, dass man "von einer Unterzeichnung noch Lichtjahre entfernt sei". Auch die Terroranschläge in Paris streifte Peter Ramsauer - und endete, in Hinblick auf religionskritische Karikaturen, mit einer Verteidigung des Islam: "Jede Religion erwartet Respekt. Die Meinungsfreiheit hört da auf, wo Wertgefühle verletzt werden." Anerkennend zitierte er einen finnischen Minister: "Wer etwas gegen Frauen sagt, ist zurecht ein Chauvinist. Wer gegen Schwarze schimpft, ist zurecht ein Rassist. Aber gegen Muslime dürfe man sich dagegen alles erlauben?"

xe

Zurück zur Übersicht: Bischofswiesen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser