Kraftwerk: Naturschützer haben kein Verständnis

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Die Erweiterung des Ragwegnetzes zur Bindalm wird vom BN unterstützt.

Bischofswiesen - Beim Monatstreffen des Bund Naturschutz zeigten die Naturschützer kein Verständnis für das geplante Kleinstwasserkraftwerk am Hintersee.

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Auch 2012 konnte ein vielfältiges Veranstaltungsangebot aufgestellt werden, von Felsritzzeichnungen unserer Vorfahren im Gebiet um den Grünstein und Kühroint über naturgemäße Waldwirtschaft und Adler-Beobachtungen bis zu den literarischen Spuren eines von Bülow, der sich von den Waldbildern im Lattengebirge schon vor mehr als hundert Jahren faszinieren und literarisch inspirieren ließ.

Keinerlei Verständnis haben die Naturschützer für die Planungen des Kleinstwasserkraftwerks am Hintersee. Zwar gibt es immer wieder Stimmen, die sagen, wenn man gegen Atomkraft ist, kann man nicht gegen Wasserkraft sein. Seit zweihundert Jahren wird die Wasserkraft in Bayern systematisch genutzt, so dass es kaum noch unverbaute Gewässer gibt und das freie Potential für weitere Anlagen sehr gering ist. Übrig geblieben sind landschaftlich besonders eindrucksvolle Standorte wie das Felsentor in der Ramsau oder eben der Standort Hintersee. Auch wurden in den letzten 10 Jahren im Landkreis ca. 100 neue Kleinwasserkaftanlagen gebaut, die aber kaum öffentlich bekannt wurden, weil sich dazu niemand öffentlich geäußert hat, auch der BN nicht. Nur weil der BN bei bestimmten Anlagen laut und öffentlich Nein sagt, öffnen bestimmte Kreise immer wieder ihre Schublade mit der Behauptung, der Naturschutz sei gegen alles. Derart undifferenzierte Behauptungen zeigen jedoch nur, dass die Argumente fehlen, weil man zuwenig Wissen hat. Vielmehr sollten die neuen Beschneiungsprojekte mit ihrem immensen Energiebedarf einmal hinterfragt werden, da die versprochenen positiven wirtschaftlichen Effekte bestehender Alagen nie eintreffen und als Begründung dafür die ungünstigen Wetterverhältnisse herhalten müssen. Außerdem kommen im Vergleich deutlich mehr Gäste zu uns wegen der landschaftlichen Attraktivität als wegen einer neuen Beschneiungsanlage.

Die einstürzenden Baracken am Maximiliansreitweg hatte der BN schon des Öfteren kritisiert, aber dass diese nun als Ausgleichsfläche für die Genehmigung eines Bauplatzes in äußerst exponierter Lage dienen sollen, verkehrt das Baurecht. Zunächst hieß es, der Antragsteller habe ein Recht auf einen Ersatzbau, aber für den Abriss von die öffentliche Sicherheit gefährdenden Ruinen im Außenbereich lässt sich keinerlei Baurecht ableiten. Nun versucht man es so hinzustellen, dass der Gemeinderat ein Interesse daran habe, mit einer Änderung der Innenbereichssatzung eine Ortsabrundung zu generieren. ‚Aber auch das ist Unsinn’, so BN-Mitglied Rita Poser, ‚denn wie uns Baufachleute versicherten, würde man damit weitere Baulücken im Außenbereich im Sinne des Barackenbesitzers schaffen.’ Das war die Überleitung zur Petition des Bauernverbandes gegen den Flächenverbrauch, eine absolut unterstützenswerte Aktion, könnte man auf den ersten Blick meinen. Tatsächlich würde man damit aber erreichen, dass Ausgleichszahlungen Vorrang vor Ausgleichsflächen haben. Dazu passend hat der Bauernverband im Sommer 2011 eine eigne Stiftung, die Kulturlandstiftung, gegründet, in die das Geld künftig fließen soll und nicht mehr in den Bayerischen Naturschutzfonds. Unstrittig eine sehr gelungene PR-Aktion, denn auch BN-Mitglieder, die das Kleingedruckte nicht gelesen haben, unterzeichneten die Petition. ‚Hier vermarktet der Bauernverband eine echte Mogelpackung, vergleichbar dem mit antibiotikaresistenten Keimen verseuchten Hähnchen, das mit viel Wiesengrün auf der Verpackung wirbt, aber in Wahrheit aus riesigen Masthallen ohne jedes Tageslicht kommt,’ so Poser.

Wie berechtigt die Zweifel an der Petition sind, lässt sich auch daran erkennen, wie einige der hiesigen Landwirte, darunter der BBV-Obmann und der Barackenbesitzer, selbst die Umwandlung von Teilen ihres Grünlandes in Bauland beantragen.

Zur beantragten Erweiterung des Radwegenetzes im Nationalpark gab es Zustimmung für die Route von der Staatsstraße zur Bindalm, die Route vom Schneibsteinhaus zum Stahlhaus wird nach den Angaben bisher nur von wenigen Radfahrern genutzt, was sich aber nach der Freigabe auch ändern könnte, so dass die Freigabe zu überlegen ist. Der ohnehin schmale Hochbahnweg wird wegen seiner Steilheit aus Sicherheitsgründen abgelehnt.

Pressemitteilung Bund Naturschutz in Bayern

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