Nominierungsversammlung zur Kommunalwahl

UBB stellt keinen Bürgermeisterkandidaten in Bischofswiesen

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Bischofswiesen - Auf der Nominierungsversammlung der Unabhängigen Bürgervereinigung Bischofswiesen (UBB) im Gasthof Schönfeldspitze wurden mit neun Frauen und elf Männern die Weichen für eine erfolgsversprechende Kommunalwahl gestellt.

Die Pressemeldung im Wortlaut:


In der gut besuchten Versammlung stellte Vorsitzender Jens Hellfeld, flankiert von den beiden Gemeinderäten Paul Grafwallner und Sepp Stangassinger die zentralen Anliegen der UBB vor. „Der Schutz unserer Jahrhunderte alten landwirtschaftlichen Kulturflächen vor leichtfertiger Baulandausweisung war der UBB in den zurückliegenden 24 Jahren ihres Bestehens sehr viel Mühe wert“, betonte Jens Hellfeld und erinnerte an den erfolgreichen Bürgerentscheid „Kressenfeld“ im Jahr 2012. Die UBB war Teil eines erfolgreichen Bündnisses. „Die von den herrschenden Mehrheiten im Gemeinderat befürwortete Bebauung am Ganghoferfeld, einer extensiv bewirtschafteten landwirtschaftlichen Fläche, kommt für die UBB überhaupt nicht in Frage“, versprach Sepp Stangssinger. Ein mögliches Bürgerbegehren würde die UBB mit ganzer Kraft unterstützen. Kreisrat Armin Nowak bekräftigte seine volle Unterstützung zum Erhalt des Ganghoferfeldes. „Auch das Bürgerbegehren „Kressenfeld“ habe ich seinerzeit unterschrieben“, erinnerte er sich. Nun möchte er die UBB-Fraktion im Gemeinderat verstärken und seine umfangreichen Erfahrungen aus dem Immobilienbereich einbringen.

Paul Grafwallner wies darauf hin, dass mit Zustimmung der UBB im Bauausschuss in den letzten sechs Jahren sehr viel Wohnraum im Gemeindegebiet geschaffen wurde und sich daran auch grundsätzlich nichts ändern werde. Das Projekt am Burgergraben, sei ein positives Beispiel dafür, wie ein alter Baubestand, faktisch ohne neue Flächeninanspruchnahme, zur Schaffung von neuem Wohnraum genutzt werden kann. „Dort sind 53 bezahlbare Mietwohnungen und 18 Eigentumswohnungen für die einheimische Bevölkerung geplant, sowohl für den Single, als auch für Familien mit mehreren Kindern“, freute er sich. Verkehrssicherheit unverändert ein Anliegen Fritz Sparrer, Rektor a. D., und exzellenter Kenner der Problematik des Öffentlichen Personennahverkehrs fehlte bei der Versammlung zwar gesundheitsbedingt, zeigte jedoch über eine vorgetragene schriftliche Botschaft die seit Jahrzehnten bekannten Defizite in der Region auf. Dazu zählte er den fehlenden Tarifverbund von Bahn und RVO in der Region bis über die Landesgrenzen hinaus, die viel zu teuren Tarife im Nahverkehr die unbefriedigende Taktung und die enorm verbesserungswürdige Abstimmung der Fahrpläne von Bahn und Bus. „Es kann nicht sein, dass man eine bis im schlimmsten Fall zwei Stunden benötigt, um mit dem RVO-Bus von Bischofswiesen ins Berchtesgadener Krankenhaus zu kommen“, monierte Fritz Sparrer. „Die Verkehrssicherheit am Bischofswieser Bahnhofsübergang ist noch immer ein Witz“, stellte Rita Poser fest, die der Bevölkerung als engagierte und sehr erfolgreiche Naturschützerin bekannt ist. Die behördlichen und politischen Entscheidungsträger sind nach ihrer Meinung verantwortlich für die wiederholten Fußgängerunfälle in diesem Bereich.


Bärbel Namberger, Altenpflegerin, hob hervor, dass sich die UBB weiterhin für ein Leben im Alter in Würde, Ruhe und Zufriedenheit einsetzen werde. Die Akteure der UBB waren maßgeblich bei einer erfolgreichen Unterschriftensammlung zum Erhalt der Felicitas in Stanggaß beteiligt. „Die beiden Seniorenheime im Gemeindegebiet liegen der UBB besonders an Herzen,“ betonte sie. Mit großer Sorge wird beobachtet, wie wirtschaftliche Gründe in Seniorenheimen ein würdevolles Leben im Alter gefährden. „Die Generation, die heute in unseren Seniorenheimen ihren Lebensausklang verbringt, hat nach dem 2. Weltkrieg unser Land aufgebaut, das verdient Respekt und Hochachtung,“ so Bärbel Namberger. Übergangsrathaus hat Probezeit bestanden Das „Alte Rathaus“ muss erhalten bleiben, war eine Kernforderung der UBB. „Beim Bürgerentscheid haben die Bürger allerdings anders entschieden und so gehört dieses, das Ortszentrum prägende, Gebäude der Geschichte an“, bedauerte Dr. Jensy Meindl, die als kommunalpolitische Newcomerin den Listenplatz Nr. 1 belegt und als Psychologin an der Uni-Salzburg beschäftigt ist. 

Die UBB-Mitglieder waren sich darin einig, ein nach dem Rückzug der Sparkasse, völlig überzogenes Bürgerzentrum am Platz des ehemaligen alten Rathauses, abzulehnen. Man wird sich im Gemeinderat dafür einsetzen, dass das Übergangsrathaus zum endgültigen Rathaus wird, notfalls mit funktionalem Anbau. Der Platz zwischen den beiden Kirchen könne dann unverbaut bleiben und zudem ein hoher Millionenbetrag eingespart werden. Keiner der Anwesenden konnte sich erinnern, dass es schon früher so eine Zeit gegeben hat, wie die letzten sechs Jahre, in der so viele markante Bäume aus dem Ortsmittelpunkt entfernt wurden. Dafür bekam der Ort mehr Asphalt. Ein Grünordnungsplan musste mehrfach angemahnt werden, „Zusagen, bestimmte Bäume zu erhalten sind nicht immer eingehalten worden“, kritisierte Sepp Stangassinger, der auch engagierter Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins ist. Die vielen kandidierenden Naturschützer auf der Liste der UBB lehnen die Verkleinerung des Landschaftsschutzgebiets am Untersberg zur Errichtung eines Heizkraftwerks auf bestehenden Ausgleichsflächen sowie die im laufenden Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans vorgesehene Verdoppelung der Fläche des Kiesabbaus oberhalb des Panoramaparks entschieden ab. „Zudem hat der Klima-, Natur-, und Umweltschutz unverändert sehr hohen Stellenwert der künftigen Politik der UBB, versprach Paul Grafwallner. Pflegekind Tourismus braucht Neuausrichtung Der Tourismus im Landkreis muss eine Neuausrichtung bekommen, war man sich einig. 

„Eine Strukturreform im Tourismusverband wird durch die Nächste abgelöst, gefühlt seit über 30 Jahren, ohne spürbare Erfolge in Richtung eines nachhaltigen Tourismus“, bemerkte Birgit Hanke-Donaubauer, die erstmals bei Wahlen antritt und sich ganz bewusst die UBB ausgesucht hat. „Bauernopfer verlieren ihren gut gemachten Job, die politischen Entscheidungsträger jedoch machen weiter“. Die UBB fordert im Tourismus Masse durch Klasse zu ersetzen, die Qualität der Quantität den Vorrang einzuräumen und alle Werbemaßnahmen, die noch mehr Massentourismus fördern, konsequent zu unterlassen. Der Tagestourismus, der vielfach nur noch ein Stundentourismus für ein kurzes Foto zum Beispiel an der Seelände des Königssees ist, muss zurückgedrängt werden. „Tourismus im Einklang der Natur und nicht Tourismus zu Lasten der Natur“, resümierte sie. Beim Thema Energiewende sieht die UBB ebenfalls Handlungsbedarf. Zum einen müsse die Kommune beispielhaft vorangehen und Ökostrom beziehen und zum anderen alle geeigneten gemeindeeigenen Dächer für die Nutzung von Photovoltaik zur Verfügung stellen. Rita Poser, die Kreisvorsitzende im Berchtesgadener Land des Bund Naturschutz in Bayern e.V. betonte, „angesichts der bereits zahlreich vorhandenen Kleinwasserkraftwerke lehnen wir weitere ab, da der energetische Nutzen im Vergleich zu den umfangreichen Eingriffen in Natur und Umwelt nicht im Verhältnis steht und demzufolge ein öffentliches Interesse nicht abgeleitet werden könne.“ Der „Schwarzbaukultur“ in Bischofswiesen wird unverändert eine klare Absage erteilt. Schwarzbauten wie „Weibhauser“ und zuletzt in der „Trisramschlucht“ werden mit der UBB auch künftig nicht im Nachhinein reingewachsen werden.

Der Nominierung, die von den ehemaligen UBB-Gemeinderäten Anneliese Größwang und Adi Renoth geleitet wurde und einstimmige Ergebnisse brachte, folgte eine angeregte Diskussion zum Gemeindegeschehen mit klarer Absage von Eigeninteressen in den kommunalen Gremien. Die Liste der Unabhängigen Bürgervereinigung Bischofswiesen (UBB):

1.

Dr. Jensy Meindl, Psychologin an der Uni Salzburg, Musikerin

2.

Jens Hellfeld, Gesundheits- und Krankenpfleger

3.

Rita Poser, Dipl. Chemikerin (FH), BUND-Naturschutz, Kreisvorsitzende BGL

4.

Paul Grafwallner, Gemeinderat, Bankkaufmann, Vorstand Dr. Heinz und Maria Loewe-Stiftung, BUND Naturschutz Ortsvorsitzender Berchtesgaden

5.

Katharina Stangassinger, Fachverkäuferin

6.

Sepp Stangassinger, Gemeinderat, Maurer und Vorarbeiter, Vorstand Obst- und Gartenbauverein

7.

Bärbel Namberger, Altenpflegerin

8.

Armin Nowak, Kreisrat, Immobiliensachverständiger, ehrenamtlicher Handelsrichter

9.

Susanne Renoth, Anästhesieschwester

10.

Thomas Donaubauer, Polizeibeamter, Bundespolizei, Sportwart Skiklub Berchtesgaden

11.

Annegret Gaffal, Rentnerin, Vorsitzende Eine-Welt-Kreis Berchtesgaden

12.

Dieter Kühnel, Koch, 2. Vorsitzender AWO Bischofswiesen-Berchtesgaden

13.

Birgit Hanke-Donaubauer, Medizinische Assistentin

14.

Andreas Rußwurm, Gymnasiallehrer (Biologie und Chemie)

15.

Susanna Müller, Kunstlehrerin

16.

Fritz Sparrer, Rektor a. D., Verkehrsforum BGL und Rupertiwinkel

17.

Franziska Schubert, Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache

18.

Rudi Zeughan, Wasserwart, Bürgerinitiative „Kressenfeld“

19.

Werner Weinzierl, Betriebswirt

20.

Benedikt Bodinger, Dipl. Ing. (FH) Medizintechnik

Pressemitteilung Unabhängige Bürgervereinigung Bischofswiesen

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