Bischofswiesener Soldaten in Estland

‚Struber Jager‘ beim ‚Igel‘ in Estland: ‚Jeder Stachel zählt‘

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Bischofswiesener Gebirgsjäger bewegen sich ‚abgesessen‘ durch ein Waldgebiet.

Estland/Bischofswiesen - 13 Nationen beteiligten sich zwischen dem 3. und 14. Mai an der multinationalen Übung ‚Hedgehog (Igel) 2018‘ im Süden Estlands. Darunter auch 350 Soldaten aus Bischofswiesen

Unter den gut 13.000 Soldaten bei der Übung ‚Hedgehog (Igel) 2018‘, stellten 350 Soldaten vom Gebirgsjägerbataillon 232 aus Bischofswiesen und vom schweren Pionierbataillon 901 aus Havelberg die deutschen Kräfte bei diesem Manöver, bei dem die Landesverteidigung im Vordergrund stand. 

Das fiktive Szenario sah eine Allianz ‚Occasus‘ aus vier Staaten im Osten und Nordosten der drei baltischen Staaten vor. ‚Murinus‘, ein Land der Allianz ‚Occasus‘, hatte sich zum Ziel gesetzt, die NATO-Präsenz in den baltischen Staaten zu beenden und seine Einflusssphäre auf den Ostseeraum auszudehnen. 

In der Übung stellte die 1. Estnische Infanteriebrigade die angreifenden Kräfte von ‚Murinus‘ und die 2. Infanteriebrigade die estnischen und NATO-Truppen als Verteidiger. 

Estland macht mobil 

Unter dem Motto ‚Jeder Stachel zählt‘ berief zu Beginn der Übung das Verteidigungsministerium Estlands Reservisten und die sogenannte ‚Estonian Defence League‘, ein. Sie besteht aus Freiwilligen, die in der Regel ausschließlich Aufgaben der territorialen Verteidigung wahrnehmen

Neben den Land- und Luftstreitkräften aus NATO- sowie weiteren Partnerländern, unterstützten auch die estnische Polizei, Grenzpolizei und Rettungsdienste die Übung. 31 Beobachter der Organisation für die Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) aus 15 Nationen inspizierten das Großmanöver. 

Ameisen, Bären und nasse Füße

Die deutschen und anderen ausländischen Verbände wurden im Kernübungszeitraum in die 2. Estnische Infanteriebrigade eingegliedert. Das Gebirgsjägerbataillon 232 fungierte als Leitverband der deutschen Kräfte und stellte Gebirgsjägerbrigade 23 neben einer verstärkten Infanteriekompanie, Unterstützungselemente und einen Bataillonsgefechtsstand. 

Die 2. Kompanie auf ‚Hägglunds‘ und die Waffenträger ‚Wiesel‘ der 5. Kompanie kooperierten mit finnischen Pionieren. 

Ein finnischer Pionier dirigiert per Handzeichen einen deutschen ‚Hägglund‘ über eine Faltbrücke. 

Zusätzlich übten die Soldaten mit estnischen und litauischen Einheiten Angriff und Verteidigung. Die Gebirgsjäger machten dabei Erfahrungen mit der Flora und Fauna Estlands. 

Ein ‚Wiesel‘ ist hinter Heuballen in Stellung gegangen.

Cool, wir haben einen Bären gesehen. Und an den wenigen Plätzen, wo es trocken ist, haben bereits Ameisen ihr Lager aufgeschlagen“, scherzte Hauptgefreiter Florian M., nachdem sich seine Kompanie zwei Tage mit nassen Füßen durch Sümpfe gekämpft hatte. 

Im Kernübungszeitraum führten beide Brigaden Kampfaufträge durch, wobei das Gefecht sich freilaufend zwischen dem 8. und 12. Mai im Schwerpunkt vom Südosten Estlands in die südliche Mitte bewegte. Lettische und estnische Verbände operierten zeitweise auch in Lettland. 

Sich über neun Tage mit dem Leben im Gelände unter Gefechtsbedingungen arrangieren zu müssen, ist für uns eine wertvolle Erfahrung. Ich bin stolz auf unsere ‚Jager‘, denn wir hatten keine Ausfälle“, freute sich Major Stefan P., Chef der 2. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 232. 

Havelberger Pioniere lassen einen Innenabschnitt der Faltschwimmbrücke zu Wasser. 

Auch die Havelberger Pioniere erhielten viel Möglichkeit, ihr Handwerk zu üben. „Wir konnten hier viel mitnehmen, da wir im freien und sumpfigen Gelände unsere verschiedenen Fähigkeiten trainieren konnten“, analysierte Hauptmann Norbert W., Chef der 3. Kompanie des schweren Pionierbataillons 901. 

Ein finnischer Transporter nutzt die Faltschwimmbrücke der Havelberger Pioniere.

Tierseuchenvorbeugung 

Die Pause zum Übungsende währte allerdings nur wenige Stunden. Denn das Material musste wieder gereinigt, entsprechend verpackt und für den Rücktransport vorbereitet werden. Einen nicht zu unterschätzenden Aufwand stellte auch die sogenannte Tierseuchenprophylaxe (TSP) dar. 

Die Kampfbekleidung der Soldaten sowie sämtliche Wäsche, die im Felde getragen wurde, mussten gewaschen werden. Die rund 150 Fahrzeuge und weiteres Material sowie die Stiefel der Soldaten wurden zunächst gründlich gesäubert. Danach folgte eine penible Desinfektion, um zu verhindern, dass Tierseuchen nach Deutschland eingeschleppt werden können. 

Soldaten desinfizieren einen Pionierpanzer ‚Dachs‘ in einer Waschhalle.

Die TSP ist eine Riesenherausforderung. Wir haben wenig Zeit, viel Material und begrenzte Ressourcen. Das Personal und die Abläufe müssen sehr gut koordiniert werden“, beschrieb Hauptfeldwebel Sascha M. von der Gebirgsjägerbrigade 23 aus Bad Reichenhall, den Kraftakt.

Die Fahrzeuge werden in den nächsten Tagen per Schiff, Schiene und Straße nach Deutschland zurückgeführt. Die meisten Soldaten werden zurück in die Heimat fliegen. Denn die nächsten Übungsvorhaben stehen recht unmittelbar bevor. 

Viel Aufwand, aber auch großer Nutzen

„Die Vor- und Nachlaufzeiten sind bei einer solchen Übung lang. Insgesamt gesehen, ist die Übung dennoch positiv zu bewerten. Unsere Soldaten haben eine reichhaltige Erfahrung in der multinationalen Zusammenarbeit erworben. Auch der Ausbildungserfolg ist hoch“, zog Oberstleutnant Marcus Schneider-Ludorff, der Kommandeur der deutschen Kräfte bei der Übung ‚Hedgehog‘, sein Fazit. Die deutschen Soldaten verbrachten insgesamt rund drei Wochen vor Ort sowie auf dem Hin- und Rückmarsch.

Pressemitteilung Pressestelle Bundeswehr / Eckhard Michel 

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