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Debatte um geplantes Forstzentrum in Bischofswiesen

Nötiger Wohnraum für Jäger und Förster oder Zerstörung von Naturschutzgebiet?

Dr. Daniel Müller, Leiter des Forstbetriebs Berchtesgaden der Bayerischen Staatsforsten
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Dr. Daniel Müller, Leiter des Forstbetriebs Berchtesgaden der Bayerischen Staatsforsten

Ein von den Bayerischen Staatsforsten geplantes Forstzentrum sorgt in Bischofswiesen für Diskussionen. Ist es notwendig, um die Stelle eines Revier-Försters und -Jägers zu garantieren oder eine Zerstörung eines Naturschutzgebiets?

Bischofswiesen - „Ich fürchte, der Begriff ‚forstliches Zentrum‘ hat bei manchen Leuten eine falsche Vorstellung hervorgerufen, was dort entstehen soll“, erklärt Dr. Daniel Müller, Leiter des Forstbetriebs Berchtesgaden der Bayerischen Staatsforsten gegenüber BGLand24.de. „Es soll ein Forsthaus werden, ein Wohn- und Bürogebäude für den Revier-Förster und den Jäger. Um qualifizierte Leute zu gewinnen und zu halten, braucht es so etwas. Die Gebäude sollen ortsnah entstehen, um eine gute Anbindung und kurze Anfahrtswege zu gewährleisten.“

„Wir haben seit Jahren zu wenig Wohnraum für unsere Förster und Berufsjäger“, führt Müller weiter aus und räumt ein: „Das liegt auch an Versäumnissen der Vergangenheit. Es wurden leider Gebäude abgestoßen, für die es seinerzeit keine Verwendung gab, beispielsweise weil der damalige Förster selbst ein reviernahes Haus besaß. Dadurch standen die Häuser lange leer. Ihr Verkauf war somit aus damaliger Sicht sinnvoll, aus der heutigen bedauerlich.“

Bayerische Staatsforsten wollen in Bischofswiesen Forstzentrum bauen - Gemeinde und Anwohner dagegen

Der Bauausschuss des Gemeinderats von Bischofswiesen hatte sich kürzlich mit einer Bau-Voranfrage der Bayerischen Staatsforsten auseinanderzusetzen. Ein solcher Antrag dient dazu, dass Bauträger sich noch vor der Einreichung ihres eigentlichen Bauantrags darüber informieren können, welche Einwände und Bedenken eine Gemeinde hat. Der Antrag umfasste den Neubau eines „forstlichen Zentrums“ in Bischofswiesen mit einem Doppelhaus mit Garage sowie einem Nebengebäude mit Büroräumen und Wildkammer auf einem Grundstück am Rande des Wohngebiets Mooshäuslmoos.

Bei dem vorgesehenen Grundstück handelt es sich baurechtlich um einen „Außenbereich“. Darunter fallen laut Baugesetzbuch Grundstücke, die weder im Geltungsbereich eines Bebauungsplans liegen noch zu einem im Zusammenhang bebauten Ortsteil gehören. In einem solchen Areal sind grundsätzlich vor allem sogenannte privilegierte Bauvorhaben zulässig. Dazu zählen etwa auch solche, die einem land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb dienen und nur einen untergeordneten Teil der Betriebsfläche einnehmen.

„Der Gemeinderat hat dem Vorhaben kein Einvernehmen erteilt. Die Mehrheit der Räte sah es, unter anderem, als kritisch an, dass es in einem Feucht- und Moorgebiet entstehen soll“, erklärt Udo Beil, Leiter des Bauamts der Gemeinde gegenüber BGLand24.de. „Nun ist das Anliegen bei den zuständigen Stellen des Landratsamts.“ Da es sich bei einer forstwirtschaftlichen Nutzung um eine der genannten privilegierten Nutzungsarten handelt, sei ein Ersatz des gemeindlichen Einvernehmens durch das Landratsamt wahrscheinlich.

Alternativer Bauplatz?

Nicht nur der Gemeinderat, auch Anwohner sehen das Projekt kritisch. „Durch eine solche Bebauung ginge dieses Erholungsgebiet für Mensch und Tier sowie der Lebensraum für viele Kleinlebewesen und Pflanzen unwiederbringlich verloren“, erklärt Dr. Peter Leiner, der mit seiner Frau zusammen sogar eine Unterschriftenaktion mit zahlreichen Unterzeichnern organisiert hat. „Wir sprechen uns daher gegen diesen maßlosen Umgang mit unserer Natur durch eine Behörde aus, die solche Gebiete schützen und nicht zerstören sollte.“

Am anderen Ende des Forstgebiets, nahe der B20 gäbe es zudem einen sehr viel besseren Bauplatz, so Leiner. „Der ‚Bolzplatz‘ der Gemeinde Bischofswiesen am Ende der Verlängerung des Schneibsteinwegs, am Ende des Forstwegs fast bei der Umgehungsstraße, wird seit Jahren als Ablageplatz für geschlagenes Holz, Baustoffe und so weiter missbraucht. Hier hätte der Forst in jeder Beziehung ein perfektes alternatives Gelände für das geplante Forstzentrum.“

Forstbetriebe können Vorwürfe nicht nachvollziehen

Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen. „Wir haben im Vorfeld eine Vielzahl an möglichen Bauplätzen geprüft, dieser ist der geeignetste.“ Selbstverständlich habe man zudem eine naturschutzfachliche Untersuchung vorgenommen gehabt. „Wenn diese nicht ergeben hätte, dass die Eingriffe durch das Bauprojekt akzeptabel sind, hätten wir die Planungen dort nie vorangetrieben. Selbstverständlich wird der Eingriff in die Natur außerdem durch die Schaffung von Ausgleichsflächen ausgeglichen werden.“

Der vorgeschlagene alternative Bauplatz für das Forstzentrum in Bischofswiesen.

Sollte das Landratsamt sein Einvernehmen für die Errichtung des Forsthauses geben, sei eine Informationsveranstaltung für den Bauausschuss und interessierte Bürgerinnen und Bürger angedacht. „Dabei wollen wir dann Bedenken möglichst ausräumen.“ Auch sonst sei man bereit, den Anwohnern entgegen zu kommen. „Wir könnten uns vorstellen, auf die Wildkammer verzichten, um den Leuten entgegenzukommen. Zusätzliche Parkplätze, wie teils behauptet, werden außerdem nicht entstehen müssen.“

Der Charakter des Areals als Naturschutzgebiet sei seiner Ansicht nach fraglich. „Dort hat es in der Vergangenheit wiederholt Ablagerungen durch unbekannte Personengruppen gegeben.“ Das von Leiner angesprochene alternative Areal halte er für keine sinnvolle Alternative: „Das wäre ja dann mitten tief im Forst. Damit würden wir genau das Gegenteil von dem erreichen, was wir wollen.“ Er sei überrascht, dass offenbar ein sehr negatives Bild hinsichtlich des Verhältnisses der Forstbetriebe zum Naturschutz herrsche. „Wir werden deshalb zu gegebener Zeit, sobald es die Inzidenzzahlen zulassen, auch hierzu eine Informationsveranstaltung anbieten, bei der sich Gemeindevertreter und interessierte Anwohner über unsere Arbeit für den Naturschutz, gerade auch von Moorgebieten, wie diesem, zu informieren.“

hs

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