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Das Leid der Familie Moderegger

Zwei Überschwemmungen in zwei Jahren - Bürgermeister: „Die Brücke ist das Problem”

„Alles war überschwemmt” - Roswitha Moderegger vor ihrem Haus.
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„Alles war überschwemmt” - Roswitha Moderegger vor ihrem Haus.

Vor zwei Jahren stand das Haus von Familie Moderegger schon einmal unter Wasser. Der Schaden damals: 40000 Euro. Nun sitzen Roswitha und Sohn Thomas im Wohnzimmer des Hauses, das an der Bahnlinie in Bischofswiesen vorbeiführt.

Bischofswiesen - Das Unwetter vergangenen Samstag überflutete alles, das Wasser kam in Sekunden, das Bild des Hauses ging durch die Medien. „Das Problem ist die Brücke“, sagt Bürgermeister Thomas Weber. Bauministerin Kerstin Schreyer sichert den Opfern Hilfe zu. 

Thomas Moderegger deutet nach unten. An der weißen Wand erkennt man schlammige Abzeichnungen, die andeuten, wie hoch das Wasser stand. Das Haus hat keinen Keller. „Das gesamte Untergeschoss war überflutet“, sagt Roswitha Moderegger. 

Das Inventar des Wohnzimmers: für den Müll. Das Wasser stand kniehoch im Haus. Es ist für Thomas und Roswitha Moderegger der zweite Hochwasserschaden innerhalb von zwei Jahren.

Ehemann Michael berichtet, dass die Familie gerade draußen war, als die Wassermassen anrauschten. „Das wird brenzlig“, so erinnert sich Michael. Ein riesiger Baumstamm trieb in Richtung Wohnhaus. „Das ging alles so schnell, dauerte insgesamt keine zwei Minuten“, sagt er. Das Wasser ergoss sich über das Grundstück, drang ins Haus ein, zerstörte Parkplatz, Umgebung und das persönliche Hab und Gut. Der Schaden dieses Mal: „mindestens 80.000 Euro“, so die persönliche Prognose.

Heftige Regenschauer: So sah das Grundstück am Samstag (17. Juli) aus.

Dass das Ereignis nach 2019 ein wiederkehrendes ist, macht Roswitha Moderegger traurig. Denn eigentlich war ein Großteil des Mobiliars nach der letzten Überschwemmung ja neu angeschafft worden. „Die Versicherung hat damals schnell gezahlt“, erinnert sich die Frau. Dann stieg die Eigenbeteiligung bei der Elementarversicherung, von 500 auf 2500 Euro. Und nun steht wieder alles auf Anfang. „Man kriegt bei jedem Regenschauer mittlerweile Panik“, sagt Roswitha Moderegger, während sie auf der feuchten Couch Platz genommen hat.

Denn die in Sichtweite liegende Brücke, über die die Bahngleise führen, verklaust regelmäßig. Das Wasser fließt bei erhöhtem Pegelstand nicht mehr weiter, tritt über die Ufer, ergießt sich über das Feld in Richtung des Hauses. „Das Problem ist seit Jahren bekannt. Die Brücke ist ein Schwachpunkt“, ärgert sich Bürgermeister Thomas Weber. Eigentlich macht es ihn richtig wütend. Denn passiert ist bislang noch nichts. 

„Das Problem ist die Brücke“, sagt Gemeindechef Thomas Weber - und zeigt ein Bild bei hohem Pegelstand.

Angst bei jedem Regenschauer: „Es kann uns immer wieder passieren“

Die Wohnung der Modereggers ist unverändert, das Inventar ist noch nicht ausgeräumt. Die grüne Couch steht dort, wo sie immer stand. Es müffelt nach Feuchtigkeit und Erde. Den Schlamm haben sie rausgeschippt, mit einem Waschsauger das Untergeschoss gereinigt. Ein Großteil des Inventars wird wohl entsorgt werden müssen, so viel ist klar. Der Fußboden beginnt sich zu wellen. Das Problem: „Es kann uns immer wieder passieren“, sagt die Bischofswieserin.

Hilfe verspricht Bauministerin Kerstin Schreyer, die gemeinsam mit Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber vorbeigekommen ist. Schreyer war selbst schon mal Betroffene - wegen eines Brands. Damals verlor sie einen Großteil des Inventars. Ihre Mutter hatte einen Wasserschaden. Sie musste ihre Wohnung verlassen. Schreyer weiß also um die Probleme Betroffener.

Bauministerin Kerstin Schreyer macht sich ein Bild vor Ort. Hier im Gespräch mit Bischofswiesens Bürgermeister.

In diesem Fall ist das Problem die Bahnbrücke: Bürgermeister Thomas Weber fordert, den Übergang so zu optimieren, dass das Wasser beim nächsten Starkregen nicht mehr über die Ufer tritt. „Weniger Gutachten“, lautet sein Wunsch, sondern eine schnellere Umsetzung. Ministerin Schreyer weiß, dass eine Beschleunigung der Prozesse von Vorteil wäre. „Wir müssen schneller werden“, sagt sie. Denn Überschwemmungen wie hier in Bischofswiesen, an gefährdeten Orten, die dürfe es nicht geben. Zumal die Problemstelle bekannt ist.

Das Hochwasser von Samstag hat große Teile des Gleises am Haus unterspült. Die Schienen „schweben“ hier in der Luft. Die Zugstrecke zwischen Freilassing und Berchtesgaden steht deshalb still. Die Deutsche Bahn verspricht tätig zu werden. Man sondiere zur Zeit, sagt ein Experte. Dann soll es mit den Reparaturen losgehen. Und irgendwann soll auch die Brücke dran sein. Die Modereggers hoffen, dass es bis dahin nicht nochmal regnet.

kp

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