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Ein Bischofswiesener und seine "Mission"

Sepp Huber restauriert seit einem Jahrzehnt historische Renngefährte

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Bischofswiesen – Es ist eine hehre Aufgabe, die sich Sepp Huber da auf die Fahne geschrieben hat: Die Kultur des Bob-Sports möchte er am Leben erhalten. Deshalb schraubt, schleift und bastelt er, was das Zeug hält. An teils Jahrzehnte alten Gefährten. Als einzigartiger Bob-Restaurator hat er sich seit nunmehr zehn Jahren einen Namen gemacht und mit dem historischen Bob-Rennen am Königssee etwas geschaffen, das langfristig Nachahmer finden dürfte. Für den Huber Sepp war das aber noch lange nicht alles.

Dass Sepp Huber ein Schrauber und Bastler ist, das streitet er gar nicht ab. Kann er auch nicht. Unweit des Wohnhauses steht ein großer Schuppen. Hinter einem Holzverschlag schlummert ein Stück Bob-Geschichte. Ein alter Vierer, mehrere Meter lang, rund eine Viertel Tonne schwer, an dem der Zahn der Zeit genagt hat. 

Die Technik ist in die Jahre gekommen. „Ich weiß nicht, von wann der ist“, sagt Huber mit hochgezogenen Schultern. In alten Bobs und Schlitten sieht der Bischofswieser mehr als ein bloßes Gerät, auf dem man einen Schneehang oder die Kunsteisbahn hinunterflitzen kann. „Ein Mann wird hier zum Kind“, fügt er hinzu. Er hat sich auf die Fahne geschrieben, die Kultur des Bob-Sports am Leben zu erhalten, indem er alte Bobs von Grund auf restauriert. „Damit auch die Nachwelt weiß, was es gab und wie das alles funktionierte.“ Denn in der Tat gibt es nur wenige Aufzeichnungen darüber, welche Bobs existierten, wie deren Technik zusammenspielt. Bobs haben gemein, dass sie nur für einen kleinen Kreis an Leuten gebaut wurden. 

Oftmals Unikate, gebaut aus hochwertigsten Materialien, in jedem Fall nichts von der Stange. Huber hat sich fest vorgenommen, das Gefährt aus dem Schuppen in der nächsten Zeit in Angriff zu nehmen. „Ich muss alles auseinandernehmen und herrichten“, sagt er, so, als wäre es das einfachste der Welt. Er grinst dabei, wissend, dass es eine Heidenarbeit wird, die auf den gelernten Schlosser wartet. Wer Sepp Huber über sein Grundstück begleitet, dem wird schnell klar: hier wohnt einer mit einem besonderen Hobby, untypisch ohne Zweifel. 

Das nicht nur viel Zeit in Anspruch nimmt, sondern auch Manneskraft benötigt. „Man glaubt gar nicht, wie mühsam das manchmal ist, so ein Gerät von A nach B zu bringen“, sagt Huber. Gewöhnlich benötigt man vier bis fünf Leute, die einen Bob tragen. „Ich bin aber meist allein.“ Den Besucher führt er vom ersten in den zweiten Schuppen, deutlich größer. Das ist Sepps Werkstatt. Hier zerlegt er die alten Bobs, löst die fest gezurrten Schrauben, baut die individuell gefertigten Teile auseinander. „Mich interessiert vor allem die Technik dahinter“, sagt der Hobbyschrauber und deutet auf ein altes Gefährt, einen aus Holz und Messing gefertigten Bob, mindestens 60, 70 Jahre alt. 

Die Lenkung erfolgt über mehrere Stahlseile, die über eine Exzenterscheibe laufen. Das Lenkrad besteht aus fein geschliffenem Holz mit Messingverzierungen. „Unglaublich, wie edel verarbeitet die damals verwendeten Materialien schon waren“, sagt Huber. Er schwärmt von den alten Bremssystemen, demonstriert dies anhand des Bobs, der im Vergleich zu den heutigen ziemlich antiquiert wirkt. Und trotzdem schwingt eine große Begeisterung in der Stimme des Bischofswiesers, der im Laufe der letzten zehn Jahre Wochen und Monate in sein Hobby investiert hat. Sepp Hubers Vater war schon ein begeisterter Bastler, hat an Motorrädern geschraubt. 

Im Schuppen steht noch eine Nsu 500 in hervorragendem Zustand. Das Besondere daran: Ein großes Gestell ist mit dem Motorrad verschraubt, eine Art Ladefläche, auf der er im vergangenen Jahr, bei den Weltmeisterschaften an der Kunsteisbahn am Königssee, nicht nur einen Bob öffentlichkeitswirksam an den Veranstaltungsort transportierte. Auch Leopold, Prinz von Bayern, selbst ehemaliger Rennfahrer, gefiel der Umbau, er kletterte auf den Bob. 

Die Begeisterung der Zuschauer war groß. Alte Bobs zu finden, sei recht schwierig. „Man muss die Augen offen halten“, sagt er. Ist ein Bob einmal nicht mehr im Einsatz, wird er meist ausrangiert und „verstaubt dann in einer Garage“, so Huber. Diese Gelegenheit nutzt der Bastler. Mittlerweile hat er sich einen Namen gemacht, Bobs werden ihm angeboten zur Restaurierung. Für den Vorstandsvorsitzenden des Deutschen Bob- und Schlittenvereins in Deutschland, Thomas Schwab, hat Huber einen Zweier-Bob aus den 60er Jahren restauriert. Gemeinsam mit Schwab, selbst erfolgreicher einstmaliger Rodler, hat er über Wochen am Bob gebastelt, viel geschliffen, geölt, geschweißt, alle Teile neu lackieren lassen. 

Bobs sind seine Leidenschaft

Für Schwab ist die Sache mit den historischen Bobs auch eine besondere Angelegenheit, nicht nur, weil er stolz ist auf die geschichtsträchtigen Gefährte, sondern auch, weil das Thema viel Interessierte mit sich bringt. Am Königssee gehören die historischen Rennen seit drei Jahren zum festen Bestandteil. Hunderte Zuschauer sind dabei, wenn Prominente auf den restaurierten Bobs die Kunsteisbahn hinunterrasen. Der Ex-Boxer Axel Schulz war dieses Jahr dabei, der Ex-Formel- 1-Fahrer Heinz- Harald Frentzen, IOC-Mitglied und ehemaliger Bobfahrer Ivo Ferriani ebenso. Leopold, Prinz von Bayern, war im vergangenen Jahr am Start. Sepp Huber war immer wieder der Fahrer, „es macht unglaublich viel Spaß“, sagt er. Seine Vorstellung ist, einen Landkreis-Bob zu bauen, etwa den aus dem Schuppen. Ob Bürgermeister oder Landrat: jeder, der Mut hat, könnte sich künftig als Team aufs Eis begeben. 

So klappt die Restaurierung

„Das wäre bestimmt eine Gaudi“, sagt Huber, der hofft, dass Landrat Georg Grabner der ganzen Sache nicht abgeneigt ist. „Immerhin ist er ja regelmäßig bei den Rennen dabei, er ist ein großer Rodel-, Skeleton- und Bobfan.“ Dass andere Kunsteisbahnen ebenfalls auf die Schiene der historischen Rennen aufspringen werden, „ist möglich, aber der Aufwand ist riesig.“ Im Berchtesgadener Land habe man in dieser Hinsicht ein absolutes Alleinstellungsmerkmal.

Sepp Huber hat dicke Ordner mit Fotomaterial zusammengestellt. Dort hat er, wie in einer Anleitung, jeden einzelnen Schritt einer Bob-Restaurierung dokumentiert. „Ansonsten weiß man am Ende nicht mehr, wo die Schrauben hingehören.“ Damit irgendwann auch mal die Nachwelt von seiner Tüftlerei etwas hat, sagt er. 

Den Fünfer-Bob, ein Unikat aus Eisen und Messing, der einen Steinwurf entfernt in einem dritten Schuppen zu finden ist, möchte der Huber Sepp auch noch herrichten. Wenn es die Zeit zulässt. Immerhin hat er noch viel vor.

Kilian Pfeiffer

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