Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ein Monat nach der Flutkatastrophe im Berchtesgadener Land

Betroffene erzählen: „Die Kinder haben Angst, wenn es stark regnet“ und „Es kam schon wieder was runter!“

Markus Söder Flutkatastrophe Unwetter Berchtesgadener Land Bischofswiesen Schönau am Königssee
+
Ministerpräsident Markus Söder hat mit den Betroffenen des massiven Unwetters im Berchtesgadener Land gesprochen (o.l.).-
  • Christina Eisenberger
    VonChristina Eisenberger
    schließen

Rund einen Monat nach dem verheerenden Unwetter im Berchtesgadener Land sind die Betroffenen immer noch am Aufräumen. BGLand24.de hat in Schönau am Königssee und Bischofswiesen bei den Menschen nachgefragt: Wie laufen die Aufräumarbeiten? Kommt die Hilfe an? Und wie geht es weiter?

Schönau am Königssee/Bischofswiesen - Betritt man das Haus von Adriana und Francesco, schlägt einem ein beständiges Brummen entgegen. Denn in den entkernten Räumen arbeiten Bautrockner unermüdlich. Überall liegt Werkzeug. Das komplette Erdgeschoss und den Keller hat die Familie ausgeräumt. Denn hier krachte die Mure in der schwer getroffenen Vorbergsiedlung in Schönau am Königssee als Erstes rein.

Familie war im Haus, als die Schlammlawine kam

„Als die Schlammlawine kam, waren mein Mann, die Kinder, mein Bruder sowie mein Papa, der im Rollstuhl sitzt, im Haus. Ich war arbeiten in unserer kleinen Pizzeria, einem Familienbetrieb. Erst kam der Starkregen und dann auf einmal der ganze Hang. Alle Autos sind kaputt, das Auto meines Bruders hat es die ganze Straße hinuntergeschleppt. Das Nachbarhaus war zum Glück leer, aber die alte Dame hat keine Elementarversicherung. Das steht jetzt da so, leer und schmutzig“, erinnert sich Adriana im Gespräch mit BGLand24.de. Ihre große Tochter sei besonders mutig gewesen. Während der Vater und Onkel versuchten, das Haus zu sichern, habe sie ihre kleine Schwester und ihre Opa im Rollstuhl ins obere Stockwerk in Sicherheit gebracht - und auch Adriana, ihre Mama, angerufen. Was noch dazu kommt: „Es war alles neu, am Dienstag war noch der Maler da, am Samstag ist dann alles passiert.“

Über einen Monat später, ist das Haus nach wie vor nicht bewohnbar. Die Familie habe das Glück gehabt, bei den Nachbarn in einer Ferienwohnung unterkommen zu können, wie Adriana weiter erzählt.

Vorher - Nachher: Vorbergsiedlung in Schönau am Königssee

Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
Eine Mure rauschte die komplette Vorbergsiedlung hinunter und hinterließ eine hohe Schlamm- und Steinschicht in den Straßen und Häusern.  © ce
Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
Mittlerweile sind die Häuser wieder von den Schlammmassen befreit.  © ce
Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
Die Autos sind jedoch zerstört. Einige hatte die Mure bis ganz ans Ende der Straße mitgeschleppt.  © ce
Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
Die Straßen wurden durch die Schlamm- und Gerölllawine massiv beschädigt.  © ce
Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder versprach bei einem Pressetermin am Tag nach dem Murenabgang in der Vorbergsiedlung Unterstützung.  © ce
Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
Bis zum Ende der langen Straße breitete sich der Schlamm aus.  © ce
Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
Mittlerweile ist die Straße wieder frei. Holzlatten und Sandsäcke werden hier verwendet, um eventuelle Wasser- und Schlammmassen von den Häusern wegzuleiten.  © ce
Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
Im Vergleich ist die Straße am Tag nach dem Unwetter nicht wieder zu erkennen.  © ce
Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
Das Haus stand während des Murenabgangs leer. Die Schlammmassen hatte es hineingedrückt. © ce
Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
An den Wänden gut sichtbar: so hoch stand der Schlamm in der Vorbergsiedlung.  © ce
Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
Auch die Türe hatte es damals aufgedrückt.  © ce
Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
Was mit dem leerstehenden Haus jetzt passiert, ist unklar.  © ce
Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
So gut wie neu war das Haus von Francesco und Adriana vor der Mure.  © ce
Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
Zumindest wieder frei befahrbar: die Privatstraße bis zum Ende der Vorbergsiedlung.  © ce
Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
Der Schlamm füllte das ganze Grundstück.  © ce
Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
Hinter dem Haus ist auch jetzt noch die Zerstörung erkennbar.  © ce
Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
Markus Söder versprach Unterstützung.  © ce
Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
In den entkernten Häusern brummen die Bautrockner.  © ce
Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
Betroffene, Anwohner, Ehrenamtliche - sie alle halfen, um der Schlammmassen Herr zu werden.  © ce
Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
Mittlerweile sind die Garagen wieder freigeräumt - jedoch gibt es keine Autos mehr, um sie darin zu parken.  © ce
Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
Der Wall hinter dem Haus dient derzeit als Sofortschutzmaßnahme, sollte noch einmal eine Mure vom Berg abgehen.  © ce
Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
Keine Mure, sondern ein Schutzwall.  © ce
Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
Ein Garten weiter unten in der Vorbergsiedlung.  © ce
Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
Der Schlamm bahnte sich überall durch.  © ce
Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
Mit schwerem Gerät aber auch mit einfachen Schaufeln waren die Helfer unermüdlich im Einsatz.  © ce
Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
Wieder vom Schlamm befreit, aber noch lange nicht wieder ganz hergestellt.  © ce
Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
Schlammlawine im Garten.  © ce
Vorher Nachher Vorbergsiedlung Schönau am Königssee nach Unwetter und Murenabgang
Die Straße heute.  © ce

Eigentlich wollten Adriana und Francesco diese Saison noch in ihrer Pizzeria arbeiten und es dann ruhiger angehen lassen, mehr Zeit für die Kinder haben. Dann kam die Mure. „Wir arbeiten rund um die Uhr und wenn nicht in der Pizzeria, dann arbeiten wir hier.“ Sie hätten viel Unterstützung erhalten, Nachbarn und Feuerwehr hätten tatkräftig geholfen und freigeräumt. „Die Leute hier halten zusammen.“ Abgesehen von dem kleinen Wall als Schutzmaßnahme hinter den Garagen hin zum Hang ist das Grundstück zumindest freigeräumt. Doch die Zerstörung ist dadurch erst sichtbar: massive Straßenschäden vor den Häusern, verdreckte Wände, entkernte Häuser. Autos sind weiter oben nur noch wenige zu sehen. Sie waren nicht mehr zu retten.

Am 17. Juli 2021 traf die Mure auf die Vorbergsiedlung in Schönau am Königssee. Bei einem Haus haben die Schlammmassen die Tür aufgedrückt und die Innenräume angefüllt. Rund einen Monat später ist die Tür geschlossen, die Zerstörung und der Schmutz aber immer noch da.

„Die Kinder haben Angst, wenn es stark regnet“

Allein die Straße vor dem Haus koste mindestens 20.000 Euro, um sie zu sanieren, meint Francesco. Der Zugang zum Haus sei privat, deswegen müsse die Familie auch die Straße reparieren, zusätzlich zum eigenen Haus. Das heiße, „wieder einen neuen Kredit aufnehmen.“ Unsicher sei sich die Familie mittlerweile, ob noch Hilfe vom Staat komme. „Söder hat mir ins Gesicht versprochen, dass wir 100 Prozent Unterstützung bekommen. Wo sind denn die 100 Prozent?“ meint Adriana.

Auch interessant: „Wir warten noch immer auf ein Hilfsprogramm“: Wann kommt die Fluthilfe im Berchtesgadener Land an?

Und jetzt? „Die Kinder haben Angst, wenn es stark regnet.“

Starkregen in Bischofswiesen: „Alle sind wieder gelaufen“

Am Hof der Familie Angerer sieht man den Traktor auf dem Feld hin zum Untersbergmassiv fahren und Schutt wegräumen. Auf der Wiese sind noch Murenspuren zu sehen. Werden hier noch die Reste des schweren Unwetters im Juli weggeräumt? „Nein, mein Mann fährt schon wieder und räumt alles auf vom Montag. Das ist nicht alt, das ist neu“, erklärt Barbara Angerer. Wieder kam der Starkregen an jenem Montag. „Das Wasser ist sofort wieder beim Gulli rein. Alle sind wieder gelaufen“, erzählt Barbara, „Es kam schon wieder was runter, dieses Mal bloß Wasser und feiner und grober Sand, aber keine Muren.“

Vorher - Nachher: Zu Fuße des Untersbergs bei Bischofswiesen

Bischofswiesen Untersbergmassiv Mure bahnte sich Weg
Die Gerölllawine machte kurz vor dem Haupthaus halt, nicht jedoch vor den Ställen und dem alten, denkmalgeschützten Gebäude.  © ce
Bischofswiesen Untersbergmassiv Mure bahnte sich Weg
Auch rund einen Monat später sind die Erdmassen noch nicht ganz beseitigt. Teilweise ist schon wieder „Neues“ nachgekommen.  © ce
Bischofswiesen Untersbergmassiv Mure bahnte sich Weg
Das Bild zeigt die Wiese zwei Tage nachdem sich die Mure löste.  © ce
Bischofswiesen Untersbergmassiv Mure bahnte sich Weg
So sieht es gut einen Monat später aus.  © ce
Bischofswiesen Untersbergmassiv Mure bahnte sich Weg
Damals halfen Bundeswehr, Feuerwehr und viele Freiwillige, um den Hof vom Dreck zu befreien. © ce
Bischofswiesen Untersbergmassiv Mure bahnte sich Weg
Auch der Geflügelstall wurde schwer getroffen. Tiere befanden sich zum Glück keine drin.  © ce
Bischofswiesen Untersbergmassiv Mure bahnte sich Weg
Rund 14 Hektar Wiesen wurden durch den Murenabgang zerstört.  © ce
Bischofswiesen Untersbergmassiv Mure bahnte sich Weg
Auch das denkmalgeschützte Bauernhaus wurde vollkommen zerstört. Bewohnt ist es nicht mehr.  © ce
Bischofswiesen Untersbergmassiv Mure bahnte sich Weg
Viel hat sich seitdem nicht geändert. Was mit dem Haus passiert, ist noch unklar.  © ce
Bischofswiesen Untersbergmassiv Mure bahnte sich Weg
Im Juli wie heute kommt man eigentlich nur noch mit Baggern voran.  © ce
Bischofswiesen Untersbergmassiv Mure bahnte sich Weg
Betreten darf das alte Bauernhaus keiner. Zu groß ist die Gefahr eines Einsturzes.  © ce
Bischofswiesen Untersbergmassiv Mure bahnte sich Weg
Zwischen den Ställen kam die Schlamm- und Gerölllawine in den Hof hinein.  © ce
Bischofswiesen Untersbergmassiv Mure bahnte sich Weg
Auch beim letzten Starkregen drückte es wieder Wasser und Sand auf den Hof.  © ce
Bischofswiesen Untersbergmassiv Mure bahnte sich Weg
Im Waldbereich war der Schaden ebenfalls immens.  © ce
Bischofswiesen Untersbergmassiv Mure bahnte sich Weg
Derzeit wird noch aufgeräumt. © ce
Bischofswiesen Untersbergmassiv Mure bahnte sich Weg
Am Bach wird das Ufer neu befestigt. © ce
Bischofswiesen Untersbergmassiv Mure bahnte sich Weg
Auch die Angerers räumen nach wie vor die Felder frei.  © ce
Bischofswiesen Untersbergmassiv Mure bahnte sich Weg
Sand und Steine sind wieder durch den Starkregen auf die Felder gelangt.  © ce

Betrachtet man das Gelände hinter dem Haus den Hang hinauf, hat sich hier bereits einiges getan. Gemeinde und Wasserwirtschaftsamt haben erste Teile des Bachbetts gesichert, um zu verhindern, dass erneut eine schwere Mure auf den Hof zukommen kann. Doch das Gelände zu Füßen des Untersbergs sei sehr locker. Was bei dem nächsten Unwetter wie am Montag wieder runterkommen kann? Unklar.

„Da müssen wir künftig gewappnet sein, vielleicht sogar alle Sandsäcke und Holzplatten zum Leiten daheim haben. Es betrifft einfach uns alle“, meint Barbara im Gespräch mit BGLand24.de. Auch die Familie Angerer versuche, wieder in den Alltag zu finden. Derzeit werde alles geputzt, ausgeräumt und angesehen, Schritt für Schritt, weil „wir arbeiten ja auch ganz normal weiter. Der Betrieb muss weitergehen, also läuft das nebenbei“, so Angerer.

Auch interessant: „Wäre die Bobbahn nicht gewesen“ - So steht es um die Gemeinden Schönau am Königssee und Bischofswiesen

Die Schäden seien noch schwierig zu beziffern, da auch noch Folgeschäden kommen könnten. Ein Schaden ist jedoch von weitem zu sehen: „14 von 20 Hektar sind einfach kaputt, jetzt fehlt die Futterfläche für die Kühe, auch die nächsten Jahre, weil das kann Jahre dauern, bis die Wiesen auch wieder so viel Futter bereitstellen. Und beim nächsten Starkregen schwappt es womöglich die frische Saat wieder runter“, so Angerer. Derzeit erhalte die Familie für die Kühe Futterspenden. „Sogar aus dem Allgäu oder Franken“. Das klappe auch alles super. Die Unterstützung sei groß, nach wie vor. Gemeinde, Anwohner, Landwirte, Fremde - alle würden sich bemühen. Auch Geldspenden kämen an, von der Bürgerinitiative und auch den Landwirtverbänden. „Vielen Dank!“

ce

Kommentare