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Die Welt der Berge aus Gips

Reliefbauer Wolfgang Pusch hat für Bergsteigerlegende Reinhold Messner alle Achttausender modelliert

Reliefbauer Wolfgang Pusch in seiner Werkstatt in Bischofswiesen
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Reliefbauer Wolfgang Pusch in seiner Werkstatt in Bischofswiesen.

Für Reinhold Messner hat der gebürtige Münchner Wolfgang Pusch alle 14 Achttausender gefertigt, den Schweizer Kanton St. Gallen auf 40 Quadratmetern nachgebaut. Kürzlich arbeitete er wieder für den bekanntesten Bergsteiger der Welt an einer bislang einmaligen Nachbildung des K2 im Maßstab 1:7500. Für den ausgebildeten Heeresbergführer Wolfgang Pusch ist die Bergwelt sein Leben.

Bischofswiesen - Wolfgang Pusch ist vor kurzem in seiner neuen Werkstatt eingezogen. Wenn er aus dem Fenster blickt, steht dort sein Lieblingsberg, es ist der Watzmann. Drei-, viermal pro Jahr überquert er Berchtesgadens Wahrzeichen oder steigt durch die Ostwand nach oben. Der Anblick, der Ausblick - einfach alles an dem 2713 Meter hohen Gebirge fasziniert ihn.

Der Watzmann steht bei Wolfgang Pusch auch im Regal. Deutlich kleiner natürlich und aus Gips gefertigt. Wolfgang Pusch ist Reliefbauer, eine Ausbildung dafür gibt es nicht. Schon als Jugendlicher hat er aus Kartenansichten von Bergen kleine Modelle nachempfunden. Der 46-Jährige war zwölf Jahre bei der Bundeswehr in Bad Reichenhall stationiert, ließ sich zum Heeresbergführer ausbilden. Dauerhaft verpflichten lassen wollte er sich aber nicht. Es folgte ein Studium der „Geodäsie und Geoinformation”, schuf damit die Grundlage für seinen weiteren Werdegang. Bei einem Schweizer Reliefbauer erlernte er die handwerklichen Grundlagen. „Ich verdanke ihm den Impuls, mich bestärkt zu haben, in dem was ich tun wollte”, sagt der Bischofswieser.

Reliefbauer Wolfgang Pusch hat alle Achttausender modelliert

Fotos: Reliefbauer Wolfgang Pusch hat alle Achttausender modelliert
Reliefbauer Wolfgang Pusch hat alle Achttausender modelliert © kp
Fotos: Reliefbauer Wolfgang Pusch hat alle Achttausender modelliert
Reliefbauer Wolfgang Pusch hat alle Achttausender modelliert © kp
Fotos: Reliefbauer Wolfgang Pusch hat alle Achttausender modelliert
Reliefbauer Wolfgang Pusch hat alle Achttausender modelliert © kp
Fotos: Reliefbauer Wolfgang Pusch hat alle Achttausender modelliert
Reliefbauer Wolfgang Pusch hat alle Achttausender modelliert © kp
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Reliefbauer Wolfgang Pusch hat alle Achttausender modelliert © kp
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Reliefbauer Wolfgang Pusch hat alle Achttausender modelliert © kp
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Reliefbauer Wolfgang Pusch hat alle Achttausender modelliert © kp
Fotos: Reliefbauer Wolfgang Pusch hat alle Achttausender modelliert
Reliefbauer Wolfgang Pusch hat alle Achttausender modelliert © kp
Fotos: Reliefbauer Wolfgang Pusch hat alle Achttausender modelliert
Reliefbauer Wolfgang Pusch hat alle Achttausender modelliert © kp
Fotos: Reliefbauer Wolfgang Pusch hat alle Achttausender modelliert
Reliefbauer Wolfgang Pusch hat alle Achttausender modelliert © kp

Reliefbauer - das klingt ein wenig nach Basteln, sagt Pusch. Eigentlich gefällt ihm die Bezeichnung aber so gar nicht. Er selbst würde sich als Kunsthandwerker beschreiben. Einer, der die großen Berge dieser Welt in Miniaturkunstwerke verwandelt. Im Nationalpark Berchtesgaden, im „Haus der Berge”, steht ein von Pusch modelliertes, rund sechs Quadratmeter großes Relief des Schutzparkes mitten in der Aula. Jeder Besucher muss unweigerlich dort vorbei. Puschs Kunden sitzen in ganz Europa. Es gibt nur wenige Reliefbauer. „Modelle an sich begeistern”, sagt Pusch. Die Berge der Erde umso mehr. „Verbindet man beides, entsteht eine Symbiose aus der Erhabenheit der Berge und der Faszination dreidimensionaler Modelle.”

Menschen, sagt Pusch, nehmen Berge und Landschaften in der Regel nur zweidimensional wahr. Die Dimensionen und Entfernungen seien zu groß, als dass das stereoskopische Sehen hier funktionieren würde. Eine Tiefendimension entfaltet sich nur bei Objekten in nächster Nähe. Reliefs entsprechen von ihren Dimensionen genau jenem Betrachtungsabstand, den der Mensch durch stereoskopisches Sehen ideal dreidimensional wahrnehmen kann, weiß der Reliefbauer. Vielleicht ist das der Grund, der beim Betrachten auch die Faszination hervorruft.

Die meisten Betrachter kennen nur die „Schauseite” eines Berges. Pusch beschreibt das anhand des Watzmanns und dessen allseits bekannter, auf tausenden Abbildungen gezeigter Silhouette mit den zwei markanten Bergspitzen. „Der Watzmann ist ein sehr großes Massiv.” Dass sich hinter der Watzmannspitze noch gewaltig viel Fels erstreckt, wird nur im 3D-Modell deutlich. „Oder, wenn man im Flugzeug sitzt und die Landschaft von oben betrachtet”, fügt er hinzu. Beim Vergleich mit einem maßstabsgetreuen Mont Blanc-Modell wird deutlich, dass das 4807 Meter hohe Massiv an der französisch-italienischen Grenze zwar höher ist, vom Volumen im Vergleich mit dem Berchtesgadener Wahrzeichen aber klein wirkt. Pusch hat viele Berge von oben gesehen. Nicht aus dem Flugzeug, sondern weil er raufstieg. Weil er eigentlich ständig in den Berge unterwegs war. Einmal war er sogar auf einem 6000er. Anstrengend war das, dort oben ist die Luft bereits sehr dünn. „Ich bin mit ihnen verbunden”, sagt er.

Die 14 Achttausender, die er für ein Messner Mountain Museum nachbildete, auf Schloss Sigmundskron bei Bozen, waren ein Großprojekt der besonderen Art. Seit nunmehr zehn Jahren arbeitet er für die Museen von Extrembergsteiger Messner, der weltweit Bekanntheit erlangt hat, seitdem er etwa den Mount Everest gemeinsam mit einem Begleiter als erster Mensch der Welt ohne Zuhilfenahme von Flaschensauerstoff bestieg. Wolfgang Puschs bislang gewaltigstes Projekt war aber die Nachbildung des Schweizer Kantons St.Gallen. Auf 40 Quadratmetern vereinen sich 52 Einzelreliefs, die Pusch in monatelanger Arbeit vor Ort miteinander in einer großen Szenerie verewigte.

Sind Modelle in Zeiten von Google Earth nicht aus der Zeit gefallen? Pusch widerspricht. Das Gegenteil sei der Fall: „Besucher brauchen Eyecatcher abseits von Touchscreens.” Etwas zum Anschauen, manchmal auch zum Anfassen, wobei Puschs Reliefs im Optimalfall unberührt bleiben. „Nicht, dass sie schmutzig werden.”

Pusch ist Einzelkämpfer in seiner Werkstatt, die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Ein Quadratmeter Relief entspricht etwa einem Monat Arbeit. Für die handwerklich gefertigten Modelle benötigt Pusch Ansichten eines Berges von jeder Seite, die er meist im Internet findet. Zu Hilfe zieht er auch digitale Geländemodelle, wobei Satellitenbilder oft zu ungenau seien.

Aus zweidimensionalen Ansichten erstellt der 46-Jährige dann dreidimensionale Strukturen. Er fertigt ein Rohmodell als Negativ aus Sperrholzplatten, um Höhenlinien darzustellen. Das negative Rohmodell aus Sperrholz wird mit Gips ausgegossen. Aus dem Gipsmodell schnitzt er dann - „wie ein Holzschnitzer” - die Topografie. Es ist eine Heidenarbeit, jede einzelne Flanke in den Fels aus Gips zu schnitzen, Gletscherspalten anzudeuten, filigrane Bergrücken zu „zeichnen”. Maßstabsgetreu zu arbeiten, bedeutet Detailtreue - und eine ruhige Hand.

Vor Wolfgang Pusch thront der K2 auf dem Werkstatttisch. Es ist der mit 8611 Metern höchste Berg im Karakorum und nach dem Mount Everest der zweithöchste Berg der Erde. Ein Zentimeter auf dem Relief entsprechen 75 Meter in der Realität. Das Modell wiegt knapp einen Zentner. Wolfgang Pusch hat den mächtigen Fels handbemalt. Spezielle Techniken verwendet er dazu. Die Berghänge erwecken den Anschein, real zu sein. Selbst die unterhalb des Gipfels befindlichen Séracs, imposante Gletschererscheinungen aus Eis, hat Pusch modelliert. Per Fingerzeig deutet er die Optimalroute an, die mutige Extrembergsteiger wählen, wenn sie den K2 besteigen.

Wolfgang Pusch hat den K2 in seinem Transporter zum Kunden gebracht, in das Messner-Museum ins südtirolerische Sulden am Ortler. In 1900 Metern wurde der zweithöchste Berg als Reliefmodell neuester Hingucker. Derweil hätte Pusch nichts dagegen gehabt, wenn das Modell noch ein Weilchen in seiner Werkstatt geblieben wäre - zum Betrachten.

Ideen hat der Bischofswieser noch viele, ein neuer Großauftrag wartet auf Erledigung. Norwegen und dessen Berge, „das würde mich reizen”, sagt er. Oder der Watzmann in bislang ungeahntem Maßstab. Oder… Die Bergwelt scheint grenzenlos zu sein. Wolfgang Pusch hat noch viel zu tun.

kp

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