„Wir könnten oft ein besseres Vorbild sein“

Pädagogin Julia Aschauer gibt Tipps zum Meistern des Corona-Alltags

Julia Aschauer, Selbstbehauptungs- und Resilienztrainerin
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Julia Aschauer sieht das Leben positiv und versucht Kinder zu helfen, sich selbst zu behaupten.

Bischofswiesen - Corona verlangt uns alles ab. Kontaktbeschränkungen, geschlossene Hotels und Gasthöfe, kein Mannschaftssport und viele andere Dingen bestimmten derzeit unseren Alltag. Doch was können wir tun, um trotz all dieser Dinge unseren Kindern eine unbeschwerte Zeit zu ermöglichen? Pädagogin Julia Aschauer weiß Rat.

Seit Mitte März läuft in unserem Leben vieles anders ab. Eltern bewegen sich zwischen Home-Schooling und Home-Office, Selbstständige kämpfen mit Existenzängsten und Lehrer arbeiten immer Öfter „auf Distanz“. Vor allem Eltern im Berchtesgadener Land sind nach den erneuten Schulschließungen im Oktober mit stillen Protesten auf die Barrikaden gegangen, nicht zuletzt, um das Gefühl zu haben, irgendetwas zu tun.


Tipps von Pädagogin Julia Aschauer den Corona-Alltag zuhause zu meistern

Pädagogin Julia Aschauer hat in diesen Fällen aber ganz andere Tipps, um den Corona-Alltag zuhause zu meistern und nicht im Gefühl der Hilflosigkeit zu versinken. „Wir könnten oft ein besseres Vorbild sein. Täglich werden die neuesten Corona-Nachrichten verfolgt, beim Essen über nichts anderes gesprochen und vor den Kindern alle Maßnahmen in Frage gestellt.“ Dabei sei es gerade in dieser Zeit wichtig, darauf zu achten, worauf mein Kind den Fokus legt.


„Es ist nicht verboten, Corona auszusperren“, versucht Aschauer den Blick auf das Wesentliche zu lenken. „Warum sprechen wir nicht über Themen die Freude machen? Auch Oma und Opa oder die Nachbarn kann ich mit einbeziehen. Ich muss mich einfach fragen, was ist mir wichtig?“ Und das Entscheidende ist „Was ist meinem Kind wichtig“?

Das kann an manchen Tagen Lego bauen sein, es kann manchmal ein Ausflug in die Natur sein oder der Familienspieleabend. „Auch den Eltern schadet es nicht, sich mit den Kindern bewusste Auszeiten zu nehmen und so die Energiespeicher aufzuladen“, betont Aschauer im Gespräch mit BGLand24.de. „Vor allem in solchen Zeiten ist es wichtig, das Energielevel hochzuhalten.“

„Schlechtes Kopfkino bringt blöde Gefühle“ - Julia Aschauer weiß, wie es anders geht

Dafür könne man sich im Familienalltag auch gezielt Rituale schaffen. „Beispielsweise könnte man in der Früh beim Frühstück fragen, was wünscht du dir vom Tag? Oder jeder sagt etwas Nettes oder man hört positive Gute-Laune-Musik.“ Ganz wichtig sei es, nicht mit schweren Themen wie „jetzt haben wir schon wieder Lockdown“ in den Tag zu starten. „Das löst ein schlechtes Kopfkino aus und bringt uns in blöde Gefühle, obwohl noch gar nichts passiert ist.“

In Zeiten von „social distancing“ sei es auch durchaus legitim, daheim nach der Schule oder dem Kindergarten erstmal fünf Minuten zu kuscheln. „Auch so lassen sich die Gedanken wieder in eine positive Richtung drehen, sollte es in der Schule nicht wie gewünscht gelaufen sein.“

Ein positives Tagebuch oder Dankbarkeitsbuch, in dem ich abends alles aufschreibe was gut war, kann mich auch in schlechten Zeiten daran erinnern, was mich positiv gestimmt hat. „Ein Erfolgsglas für die ganze Familie kann auch ein Ritual sein. Wenn ich etwas Tolles erreicht habe, schreibe ich es auf einen Zettel und werfe es in ein Glas. So kann ich sehen, wie sich die positiven Ereignisse häufen und auch nachschauen, was ich schon alles geschafft habe“, gibt Aschauer weiter Empfehlungen.

Julia Aschauer: „Jeder ist gut, wie er ist“

Die Pädagogin und zertifizierte Selbstbehauptungs- und Resilienztrainerin betont, dass jede Familie ihre eigenen Werte und deren Priorität kennen sollte. Wenn Eltern festlegen, dass das Wichtigste für sie ist, dass sie erfolgreich sind und auch ihre Kinder hohe Leistung erbringen sollen, „dann müssen sie aber auch mit den Konsequenzen leben.“ Diese Konsequenzen können sein, dass das Kind seinen eigenen Wert nur über Leistung und Noten definiert.

„Jeder ist gut, wie er ist“, ist Julia Aschauer überzeugt und gerade deshalb sei eine Differenzierung von Noten und individueller Persönlichkeit so wichtig. „Ich muss mein Kind einfach stärken. Ihm sagen, dass ich stolz bin.“ Vor allem soll ich mein Kind unterstützen, ins positive Denken zu kommen. „Corona wird nicht die einzige Herausforderung sein, die die Kinder in ihrem Leben meistern müssen. Aber wir können diese Zeit für etwas Gutes nutzen!“

Den Fokus richtig setzen - vor allem in Corona-Zeiten

Ein entscheidender Satz ist für die Erziehungswissenschaftlerin dabei: „Unser Alltag ist ihre Kindheit.“ Entscheidend sei, dass jeder selber die Wahl habe. Die Wahl, ob man in ein paar Jahren auf 2020 zurückblickt und sagt „weißt du noch, da waren wir wegen dem Coronavirus die ganze Zeit zuhause, voll doof“ oder ob man sagen kann „die Zeit war toll, wir haben die Herausforderung angenommen und das und das erlebt“.

Um genau so einen Rückblick zu erreichen, sind wir selbst gefragt, den Fokus richtig zu setzen. „Wenn mir Harmonie, liebevolles Miteinander, Spaß und Freude im Alltag am Wichtigsten ist, dann darf ich Kleinigkeiten nicht groß machen“, so Aschauer. Dann bleiben die Socken am Boden liegen und der Dreck, der mit den Schuhen ins Haus getragen wurde, wird einfach weggekehrt. „Solche Entscheidungen helfen auch unseren Kindern, den Fokus auf das Wichtige zu setzen.“

cz

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