Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Wasserwirtschaftsamt Traunstein zu Überschwemmungen in Bischofswiesen

„Einen absoluten Schutz vor Hochwasser kann und wird es nicht geben!“

Unwetter Bischofswiesen 09. Juni Schäden
+
In Bischofswiesen verursachte das Unwetter erhebliche Schäden.

Bischofswiesen/Landkreis Berchtesgadener Land - Am Mittwochabend war Land unter in Bischofswiesen, Schuld war ein erheblicher Starkregen. BGLand24.de hat sich bei Baudirektor Rainer Stemmer vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein erkundigt, wie es dazu kommen konnte und was in Zukunft gegen solche Hochwasserereignisse unternommen wird.

BGLand24.de: Können Sie bitte die Hintergründe des Geschehens am Mittwochabend erläutern? Wie ist diese Situation entstanden?

Rainer Stemmer: Am Mittwochabend entwickelte sich anhand der dem Wasserwirtschaftsamt greifbaren Daten eine stark ausgeprägte Gewitterzelle im Raum Bischofswiesen, mit einer Ausdehnung von etwa dem Ortsteil Stanggass bis Ruppengraben und von Sillberg bis Maria Gern. Sie regnete sich dort – begleitet von Hagelschauern - nahezu ortsfest ab. Dabei fielen in kurzer Zeit lokal große Regenmengen, knapp 45 Millimeter in einer Stunde, über 50 Millimeter in drei Stunden. Nach jetzigem Kenntnisstand entsprach die Regenmenge vom Mittwoch einem Ereignis, wie es in etwa alle 10 bis 20 Jahre zu erwarten ist. Der Boden konnte diese Wassermengen in so kurzer Zeit nicht aufnehmen. Das Wasser lief oberflächig wild ab, bevor es sich in Gräben und Bächen sammelte.

In Bereichen, wo Wasser wild über Wiesen und Wälder abfließt, kommt es - besonders in steilen Hanglagen – zu Schäden durch Erosion und im schlimmsten Falle zu Hangrutschungen.

Ein örtlich konzentrierter Starkregen sorgte am Mittwochabend in Bischofswiesen für vollgelaufene Keller.

Konkret stellte sich für uns am Donnerstagvormittag die Situation wie folgt dar:

  • Keine gravierenden Schäden an den ausgebauten Wildbachstrecken in der Unterhaltungslast des Wasserwirtschaftsamtes
  • Die Kiesfänge Reitbach, Darigraben und Gerner Bach Oberlauf in unserer Unterhaltungslast sind leicht gefüllt und werden bei Bedarf geleert.
  • Teilweise sehr starke Abflüsse in den nicht ausgebauten Wildbächen in der Unterhaltungslast der Gemeinden Lettengraben, Kastensteinerwandgraben, Reissenbach und Tanzbichlgraben.
  • Hoher Anteil an wild abfließendem Wasser insbesondere im Bereich Ortsteil Böcklweiher, entlang der B20 zwischen dem Kreisverkehr Umgehungsbrücke und Bischofswiesen
  • Ursache der großen flächigen Überschwemmungen war in fast allen Fällen die Verklausung von Durchlässen und kleineren Brücken.

Welche Szenarien beziehungsweise Problembereiche gibt es im Landkreis Berchtesgadener Land hinsichtlich Hochwasser beziehungsweise Sturzfluten allgemein und in Bischofswiesen im speziellen?

Der Freistaat Bayern ermittelt im Rahmen der Europäischen Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie (HWRM-RL) an sogenannten Risikogewässern Überschwemmungsgebiete und veröffentlicht diese auch im Internet. Diese sind im Umweltatlas unter dem Themenbereich Naturgefahren einsehbar. Darüber hinaus werden in Wildbachbereichen derzeit bayernweit sogenannte Wildbachgefährdungsbereiche ermittelt, um auch hier künftige Schäden minimieren zu können.

Verstopfte Abflüsse und Geschiebe in den Gräben und Bächen: Diese Kombination verbunden mit Wiesen, die kein Regenwasser mehr aufnehmen konnten sorgte am Mittwochabend in Bischofswiesen für Land unter.

Unabhängig davon kann es durch Starkniederschläge auch ohne Beteiligung von Oberflächengewässern zu Überschwemmungen kommen. Dieses sogenannte wild abfließende Wasser kann überall zu Schäden führen, insbesondere im alpinen Gebieten, so auch in Bischofswiesen. Die Gemeinden haben die Möglichkeit – gefördert durch den Freistaat Bayern – für ihr Gemeindegebiet die Gefährdung durch Hochwasser und Sturzfluten untersuchen zu lassen.

Unwetter in Bischofswiesen - der Tag danach

Unwetterschäden in Bischofswiesen (Landkreis Berchtesgadener Land)
Unwetterschäden in Bischofswiesen (Landkreis Berchtesgadener Land). © cz
Unwetterschäden in Bischofswiesen (Landkreis Berchtesgadener Land)
Unwetterschäden in Bischofswiesen (Landkreis Berchtesgadener Land). © cz
Unwetterschäden in Bischofswiesen (Landkreis Berchtesgadener Land)
Unwetterschäden in Bischofswiesen (Landkreis Berchtesgadener Land). © cz
Unwetterschäden in Bischofswiesen (Landkreis Berchtesgadener Land)
Unwetterschäden in Bischofswiesen (Landkreis Berchtesgadener Land). © cz
Unwetterschäden in Bischofswiesen (Landkreis Berchtesgadener Land)
Unwetterschäden in Bischofswiesen (Landkreis Berchtesgadener Land). © cz
Unwetterschäden in Bischofswiesen (Landkreis Berchtesgadener Land)
Unwetterschäden in Bischofswiesen (Landkreis Berchtesgadener Land). © cz
Unwetterschäden in Bischofswiesen (Landkreis Berchtesgadener Land)
Unwetterschäden in Bischofswiesen (Landkreis Berchtesgadener Land). © cz
Unwetterschäden in Bischofswiesen (Landkreis Berchtesgadener Land)
Unwetterschäden in Bischofswiesen (Landkreis Berchtesgadener Land). © cz
Unwetterschäden in Bischofswiesen (Landkreis Berchtesgadener Land)
Unwetterschäden in Bischofswiesen (Landkreis Berchtesgadener Land). © cz
Unwetterschäden in Bischofswiesen (Landkreis Berchtesgadener Land)
Unwetterschäden in Bischofswiesen (Landkreis Berchtesgadener Land). © cz

Sind derartige Hochwasser beziehungsweise Sturzfluten-Ereignisse häufiger geworden? Klimabedingte Veränderungen werden in einem bundesländerübergreifende Arbeitskreis Klimaveränderung und Wasserwirtschaft (KLIWA) untersucht. Bisherige Ergebnisse aus diesem Projekt zeigen auf, dass besonders die extremsten Starkniederschläge und Niederschläge kurzer Dauer zumindest in Teilen Süddeutschlands in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen zu haben. Statistisch konnte ein solcher Trend bislang jedoch noch nicht belegt werden, da entsprechende Messdaten noch nicht so lange erhoben werden. Die Experten rechnen jedoch in Folge des Klimawandels mit einer Zunahme von Starkniederschlägen und dadurch verursachtem Hochwasser.

Welche Präventionsmaßnahmen werden deswegen unternommen beziehungsweise was kann man hier überhaupt unternehmen?

Der Freistaates Bayern ermittelt für in seiner Zuständigkeit liegende Oberflächengewässer, ob der angestrebte Schutz vor sogenannten „hundertjährigen Hochwasserereignissen“ vorhanden ist. Gegebenenfalls werden die erforderlichen Maßnahmen erhoben und nach bayernweiten Standard priorisiert ab. Schutzmaßnahmen vor flächig oder in Senken abfließendem Wasser liegen nicht in staatlicher Zuständigkeit. Sie werden durch Dritte umgesetzt. Dazu gehören insbesondere Objektschutzmaßnahmen, um vor eindringendem Wasser zu schützen. Die bayerische Wasserwirtschaftsverwaltung berät die Kommunen u.a. auch entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um Hochwasserschäden zu minimieren. Dazu gehören nicht nur Maßnahmen des technischen Hochwasserschutzes, sondern einfache, kostengünstige Maßnahmen mit großer Wirkung, das heißt beispielsweise im Zuge der Bauleitplanung bei Hochwasser abflusswirksame Bereiche nicht zu bebauen.

Unter https://www.hochwasserinfo.bayern.de/ finden Sie eine zentrale Seite im Internet mit Informationen zum Thema.

Die Bischofswieser Feuerwehr war am Mittwochabend gefordert.

Ist absehbar, bis wann ein dauerhafter Schutz durch Bauten und Maßnahmen erreicht werden kann?

Einen absoluten Schutz vor Hochwasser kann und wird es nicht geben. Ziel ist in Bayern gemäß Landesentwicklungsplan für alle Bürger langfristig den gleichen Hochwasserschutz herzustellen, das heißt den Hochwasserschutz vor einem hundertjährlichen Hochwasserereignis. Es wird im Amtsgebiet des Wasserwirtschaftsamts Traunstein, welches die Landkreise Altötting, Traunstein und Berchtesgadener Land umfasst, derzeit - nach bayernweiter Priorisierung gereiht - an mehr als 30 Hochwasserschutzprojekten, einschließlich eines Projekts in der Gemeinde Bischofswiesen, gearbeitet. Damit ist die Planungsabteilung des Wasserwirtschaftsamt Traunstein vollständig ausgelastet mit der Konsequenz, dass die weiteren rund 180 anstehenden Hochwasserschutzprojekte im Amtsgebiet derzeit leider noch nicht in Angriff genommen werden konnten.

Hochwasserschutzprojekte durchlaufen nach einer teilweise mehrjährigen Planungsphase sogenannte öffentlich-rechtliche Wasserrechtsverfahren. Aufgrund der Vielzahl der Vorhaben und der aufwendigen rechtlichen Genehmigungsschiene kann kein abschließender Endtermin für alle genannten Vorhaben genannt werden. Zudem können auch im Zuge des Klimawandels sich immer wieder neu Hochwasserschutzprojekte ergeben.

Sturzflut am Mittwoch in Bischofswiesen

Am Mittwochabend hatten die Feuerwehren im Berchtesgadener Land rund 70 Einsätze wegen des Unwetters abzuarbeiten - hauptsächlich in und um Bischofswiesen. Es gab, nach Informationen von vor Ort, gegen 19.20 Uhr die ersten Notrufe. Unter anderem soll ein Wohnhaus in der Nähe des Aschauer Weihers von einer Schlammlawine getroffen worden sein. Dabei soll das Anwesen vor allem im Erdgeschoss erheblich beschädigt worden sein. Außerdem wurden auch ein Bauernhof im Bereich Böcklweiher sowie ein Autohaus im Ortszentrum von Bischofswiesen von den Wassermassen geflutet. Die Feuerwehren waren in der Folge extrem gefordert (Plus-Artikel BGLand24.de). Viel Regen auf einer verhältnismäßig kleinen Fläche, Wiesenflächen die auf Grund vorhergehenden Regens kein Wasser mehr aufnehmen konnten, dann noch durch Hagel verstopfte Regenabläufe in Straßen und mit Geschiebe verfüllte Bäche: Das war das Rezept für die Überschwemmungen, wie Gemeinde-Geschäftsleiter Rupert Walch gegenüber der Redaktion erläuterte (Plus-Artikel BGLand24.de).

Bereits am Samstagnachmittag und -abend zogen zum Teil schwere Unwetter durch Bayern und Teile der Region. Besonders stark getroffen wurden der nördliche Teil des Landkreises Altötting und Gebiete in Ostbayern. Im Kreis Altötting wurden mehrere Kommunen besonders schwer in Mitleidenschaft gezogen. Darunter auch die nahe beieinander liegenden Gemeinden Reischach und Perach (Plus-Artikel innsalzach24.de) sowie Mehring (Plus-Artikel innsalzach24.de), deren Bürgermeister gegenüber innsalzach24.de ihre Eindrücke vom Samstag schilderten. Alleine in Perach waren rund 150 Feuerwehrler aus dem gesamten Umkreis im Einsatz (Plus-Artikel innsalzach24.de).

hs

Kommentare