"Mister Golden Oldies" besitzt 18.000 Tonträger!

Der älteste DJ Bayerns kommt aus dem Berchtesgadener Land

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Bayerns ältester DJ: Joe Kleffner

Bischofswiesen – Als ältester DJ Bayerns hat Joe Kleffner jede Menge zu tun. Selbst im Rentenalter wird der 71-Jährige noch gebucht. Nach vielen Jahren beim Radio blickt er mit besonderem Stolz auf seine über Jahrzehnte aufgebaute Platten- und CD-Sammlung zurück. Ein Besuch bei einem, für den Musik das Leben bedeutet:

8.000 CDs sind es mittlerweile, die Joe Kleffner sauber aufgereiht in einem eigens eingerichteten Musikzimmer versammelt. Dazu kommen rund 10.000 Schallplatten, wobei ein großer Teil im Keller lagert. „Der Raum ist einfach zu klein“, sagt er mit einem Grinsen. Natürlich ist das noch lange nicht alles. In Zeiten der Digitalisierung sind es nicht mehr nur haptische Sammelobjekte, die sein Leben bereichern, sondern auch digitale Musikstücke. 

Joe Kleffner besitzt 18.000 Tonträger

Auf zahlreichen, mehrere Terrabyte großen Festplatten, die auf seinem Schreibtisch in Reih' und Glied stehen, hat er rund 350.000 Musikstücke vereint. Nur einen Klick entfernt warten Oldie-, Rock'n'Roll- und Country-Songs, Swing-and-Sweet-Tanzmusik der 30er Jahre, kultige Hits der Pop-Geschichte. Digitale Erinnerungen an eine Zeit, als Joe Kleffner zunächst noch nicht mal geboren war. Später dann, als musikbegeisterter Jungspund, legte er dazu das erste Mal Platten auf. 

Bei den stationierten US-Soldaten war er gern gesehen

Als junger Mann, dessen Verehrung für Elvis Presley keine Grenzen kannte, war er schon mittendrin im DJ-Dasein. Begonnen hat Kleffners Begeisterung für die Musik bereits in jungen Jahren. Aufgewachsen ist er in Stanggaß, einem Ortsteil von Bischofswiesen. Mit 14 Jahren, 1960 war das, hatte er einen Aushilfsjob bei den stationierten Amerikanern. Geschirr waschen musste er. Und weil das nicht alles war, wonach die Amerikaner in der Bischofswieser Strubkaserne suchten, wurde Kleffner schnell darauf aufmerksam, dass sie einen für die Musik brauchten. 

Der Jugendliche war damals schon musikaffin, „seit ich denken kann“, sagt er rückblickend. Also bewarb er sich, spülte zunächst Geschirr für einen Dollar pro Stunde und wechselte dann zur Musikbox. „Die Soldaten bekamen Woche für Woche ein Paket aus Amerika mit den neuesten Platten.“ Kleffner durfte die alten mit nach Hause nehmen – und baute sich schon in frühen Jahren eine stattliche Sammlung mit teils kuriosen und seltenen Objekten auf. Diese begleiten den Rentner seit Jahrzehnten, stehen schick aufgereiht in mehreren Schränken und Regalen, füllen den Keller – und selbstverständlich rotieren die Scheiben auch heute noch hin und wieder in seinem Plattenspieler. 

Kleffner war bei den Amerikanern ein gern gesehener DJ, der zu allen möglichen Anlässen auflegte, zu Offizierspartys geladen wurde, dort, etwa am Chiemsee, Musik für die in Deutschland stationierten Amerikaner spielte oder etwa auf der Zugspitze für den abwechslungsreichen Musik-Rahmen sorgte. 

Kleffner bekam schließlich eine eigene Radiosendung

Im Berchtesgadener Talkessel war der Stanggaßer nach kurzer Zeit bekannt, „ich erlebte die Zeit, als die ersten Diskotheken eröffneten“, sagt er. Als DJ bespielte er den ehemaligen Sulzberger Stadl, legte in der Kurhausbar auf, war für die Musik im „Club 73“ in Berchtesgaden am Bahnhofsfußweg verantwortlich, bis er schließlich in die Kaserbar kam und dort bis Anfang der 90er-Jahre die Gäste musikalisch mit Oldies unterhielt. 

Kleffner, der im Berufsleben als Buchhalter arbeitete, liebäugelte mit dem Radio und bekam 1992 schließlich eine eigene Radiosendung beim ehemaligen Sender „Radio Untersberg“, ehe er sich in späteren Jahren nach Salzburg orientierte und dort für „Radio Melody“ und „Radio Arabella“ arbeitete. Heraus kamen dabei Sendungen wie „Joes Rock'n'Roll-Erinnerungen“, eine Country-Show sowie die „Golden Oldies“. 

Mehrere Preise der Bayerischen Landesmedienanstalt folgten. Für die Sendungen suchte er sich aus seinem enormen Musik-Fundus die Stücke heraus. Dass er bei hunderttausenden Songs selbst noch nicht alle gehört hat, ist kein Geheimnis. Dennoch bestimmt Musik das Leben von Joe Kleffner, der sich auch heute noch täglich in sein Musikzimmer zurückzieht, dort Musik hört, zusammenstellt und dank einer schier unüberschaubaren Anzahl digitaler Radiosender neue Musik sucht. 

Lieblingsmusik? 

Die gibt es für den DJ mit Leib und Seele selbstverständlich ebenso: Darunter fallen Legenden wie der US-amerikanische Pianist und Singer-Songwriter Fats Domino, der im Rock'n'Roll, Rhythm-and-Blues und Boogie Woogie für Furore sorgte. Ob Buddy Holly oder Elvis Presley – Kleffners Herz schlägt für viele

Gerne erinnert er sich an eine ganz besondere Radioübertragung zurück, die er gemeinsam mit dem Bundeswehr-eigenen Radiosender „Andernach“ aufnahm. 2002 waren deutsche Soldaten im Kosovo stationiert, es war kurz vor Weihnachten, in der Sendung sollten die Daheimgebliebenen Grüße an die im Einsatz befindlichen Bundeswehrsoldaten schicken. Kleffner moderierte. Unterlegt wurde das Programm mit der von ihm ausgewählten Musik. Die Sendung mit Live-Schalten in den Kosovo kam gut an, für Kleffner sei das eine „Herzensangelegenheit“ gewesen. 

Die Salzburger lieben den Oldie-DJ

CDs und Platten sammelt er heutzutage keine mehr. Er weiß einfach nicht, wohin damit in seiner Wohnung. Lieber kauft er sich die Musik im Internet, speichert diese terrabyteweise auf seinen Festplatten ab und erfreut sich an einem Musiksammelsurium, das man wohl in einem Menschenleben nicht komplett hören könnte. Mit über 70 Jahren moderiert er auch nicht mehr im Radio, das Musikmachen hat er aber trotzdem nicht verlernt: Joe Kleffner veranstaltet vielmehr Oldies-Abende, hat in Salzburg eine große Fangemeinde, „vor allem ältere Leute machen mit, die gerne tanzen“, sagt er. 

Seit ein paar Monaten hat er wieder eine eigene Abendveranstaltung in Berchtesgaden. Im „Watz“, am Bahnhof in Berchtesgaden, kommen Freunde der etwas älteren Songs wieder voll auf ihre Kosten. Das Motto: „Oldies but Goldies“.

Kilian Pfeiffer

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