Unterschriftenliste gegen Vorhaben an Bürgermeister Thomas Weber übergeben

Helikopterunternehmen bekundet Interesse am Pfaffenfeld II 

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Die ganze Aufregung sei unbegründet, findet Bischofwiesens Bürgermeister Thomas Weber.

Bischofswiesen – Ein international agierender Helikopterkonzern aus Ainring zeigt Interesse, seinen Firmensitz in das Gewerbegebiet Pfaffenfeld II zu verlegen. Anwohner und Gewerbetreibende befürchten hohe Lärmwerte. „Das wäre existenzbedrohend“, sagen Peter und Johanna Kolf, die Verkäufer des Gewerbegebiets. Mit einer Unterschriftenaktion möchte man die Ansiedelung verhindern. 

Global Helicopter Service ist ein weltweit operierender Helikopterkonzern mit mehr als 40 Luftfahrzeugen. Der Firmensitz liegt in Ainring. „Wir leisten weltweit logistische Unterstützung“, sagt Firmenchef Dominik Goldfuss. Neben Hilfsgütertransporten in Flüchtlingscamps waren die Transporthubschrauber der Firma etwa auch während der Ebola-Krise im Einsatz. „Wir haben die westlichen Opfer aus dem Busch geflogen“, so der Firmenchef, dessen Transporthubschrauber auch in der Öl-, Gas- und Bergbauindustrie im Einsatz sind. 

„Befürchtungen, dass es Fluglärm geben wird, sind unbegründet.“

Das Unternehmen ist weltweit renommiert, Auftraggeber sind unter anderem die Bundesregierung, die Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen wie „Ärzte ohne Grenzen“. Derzeit ist das Haupteinsatzgebiet Nigeria. „In Ainring geht uns der Platz aus“, sagt Goldfuss im Gespräch. Man wolle expandieren, „wir haben das Pfaffenfeld II daher in Betracht gezogen“, so der Firmenchef. Gewerbegrund im Berchtesgadener Land sei begrenzt und daher kaum verfügbar. „Wir tun uns schwer.“ 

Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es keinerlei Vereinbarungen. Allerdings hätte es bereits ein Gespräch mit der Gemeinde Bischofswiesen gegeben. Vorstellbar ist, dass auf dem Pfaffenfeld künftig Transporthubschrauber für den Einsatz, etwa bei Hilfsflügen, umgerüstet werden. Goldfuss sagt: „Befürchtungen, dass es Fluglärm geben wird, sind unbegründet.“ Auch Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber bestätigt das allgemeine Interesse des Unternehmens. „Es hat bislang nur eine Anfrage gegeben, aber nichts Konkretes“, so Weber. Aus Gewerbesteuersicht wäre ein global agierendes Unternehmen im Pfaffenfeld ein Glücksfang. 

„Global Helicopter Service soll nicht nach Bischofswiesen kommen.“

Für Peter und Johanna Kolf, die das Gewerbegebiet an die Gemeinde Bischofswiesen verkauft hatten, „wäre die Ansiedelung das Schlimmste überhaupt.“ Johanna Kolf sagt, dass beim Verkauf vertraglich klar geregelt worden sei, „dass hier niemals Unternehmen hinkommen können, die Lärm mit sich bringen.“ Für die Kolfs ist klar: „Global Helicopter Service soll nicht nach Bischofswiesen kommen.“ 

Die Ansage des Firmeninhabers, Fluglärm sei kein Problem, überhaupt sei sowieso rein gar nichts entschieden und wenn überhaupt nur wenige Flüge geplant, beeindruckt die Pfaffenfeld-Verkäufer nicht. „Wenn ein Unternehmen mal ansässig ist, hat man kaum mehr eine Handhabe, was dort passiert. Dann wird aus einem Flug schnell mal ein zweiter, dritter oder vierter pro Monat“, sagt Johanna Kolf. Wenn die „Büchse der Pandora“ einmal geöffnet sei, ziehe man als Ansässiger den Kürzeren. 

Das befürchtet auch ihr Mann Peter, der entschieden den Zuzug des Ainringer Helikopter-Unternehmens ablehnt. Auch deshalb, weil sich nebenan ein großer Reiterhof befindet, das Pfaffenlehen. Die Pferde könnten bei möglichem Lärm scheuen, dadurch steige die Verletzungsgefahr für Reiter. „Das geht einfach gar nicht“, sagt Johanna Kolf. „Es gibt im gesamten Gewerbegebiet keine Firma, die hohe Immissionen vorweist.“ Dies solle auch unter allen Umständen so bleiben. 

Absage an die Firma ein Griff ins Klo?

Aus diesem Grund ist kürzlich eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen worden. Zettel wurden sowohl in Bischofswiesen/Winkl sowie im Gewerbegebiet Pfaffenfeld verteilt. Beteiligt haben sich rund 100 Bürger und Mitarbeiter, die unterschrieben, die meisten davon Angestellte aus dem Pfaffenfeld, aber auch Winklland-Bewohner. „Wir haben alle Unterschriften dem Bürgermeister übergeben“, sagt Johanna Kolf. Mit diesem wurden mittlerweile auch schon Gespräche geführt. Ein Lärmschutzgutachten sei in Auftrag gegeben worden, heißt es. „Der Bürgermeister hat uns in den vergangenen Jahren versichert, dass die Immissionsschutzrichtlinien sehr streng verfolgt werden“, sagt Kolf. 

Eine geplante interne Info-Veranstaltung Mitte Mai, während der das Hubschrauberunternehmen im Bischofswieser Rathaus den Kritikern hätte vorgestellt werden sollen, sagten Familie Kolf und weitere Anwohnerfamilien per E-Mail ab: „Da wir grundsätzlich und widerruflich gegen die Ansiedelung der genannten Firma im Gewerbegebiet Pfaffenfeld II sind, besteht für uns kein Gesprächsbedarf“, heißt es in einem Schreiben, adressiert an die Gemeinde Bischofswiesen. 

Die Fronten sind verhärtet, der Bürgermeister steht inmitten derer. Mehrere Gemeinderäte haben sich hinter vorgehaltener Hand zu der Sache geäußert, es scheint, als würde man die Bedenken der Familie und derer, die unterschrieben haben, hören. „Wirtschaftlich gesehen wäre die Absage an die Firma ein Griff ins Klo“, sagt ein Bischofswieser. „Lärm können wir hier nicht gebrauchen“, sagt ein anderer. 

Die ganze Aufregung sei unbegründet, gibt Bürgermeister Thomas Weber zu verstehen. Nun muss der Gemeinderat entscheiden, ob die Ansiedlung im Fall der Fälle möglich ist, sofern seitens des Unternehmens weiterhin Interesse besteht.

Kilian Pfeiffer

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