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Wetter und Klima aus einer Hand

Gudrun Mühlbacher aus dem BGL leitet das regionale Klimabüro des DWD

Gudrun Mühlbacher leitet das Regionale Klimabüro
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Gudrun Mühlbacher wohnt im Berchtesgadener Land. Sie leitet das Regionale Klimabüro des Deutschen Wetterdienstes in München.

Der Großonkel schwärmte immer von den schönen Wolken, und das gefiel Gudrun Mühlbacher als junges Mädchen. Die 45-Jährige, zu Hause im Berchtesgadener Land, ist mittlerweile Diplom-Meteorologin und leitet das für Bayern zuständige regionale Klimabüro des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in München. Als Expertin für alpine Klimatologie ist der Berchtesgadener Alpenraum für sie ein interessantes Arbeitsumfeld.

Bischofswiesen – Der Großonkel und die Wolken: Die Geschichte, wie sie Gefallen an Wind und Wetter fand, erzählt Gudrun Mühlbacher mit Hingabe. „Ich habe es geliebt, mit welcher Begeisterung mein Großonkel von den Wolken sprach und wie bildhaft er darüber erzählen konnte.“ Der Großonkel war Flugmeteorologe, ein Wetterexperte. Wenn er berichtete, hörte sie aufmerksam zu. Gudrun Mühlbacher wusste als Grundschulkind, dass sie das auch mal machen wollte. „Da konnte ich ‘Meteorologie’ noch nicht mal schreiben.“ 

Meteorologie ist die Lehre der physikalischen und chemischen Vorgänge in der Atmosphäre. Wie spielen Wind und Wetter, Wärme und Kälte zusammen, wie beeinflusst der Sonnenschein die Luftmassen? Wieso gibt es starke Winde und woher kommen diese plötzlich einsetzenden Starkniederschläge, die im vergangenen Jahr Millionenschäden im Berchtesgadener Land anrichteten? 

Gudrun Mühlbacher sagt: „Die Natur versucht immer ein Gleichgewicht herzustellen.“ Wind sei nichts weiter als eine Ausgleichsströmung zweier verschiedener Potenziale. Die Wettervorhersage, weiß Mühlbacher, genießt in der Bevölkerung schon immer einen besonderen Stellenwert. Diese zu berechnen, das ist die Aufgabe des Deutschen Wetterdienstes in München. 

Was nicht Wetter ist, ist Klima

„Was nicht Wetter ist, ist Klima“: Letzteres findet die 45-Jährige noch „spannender“, es ist ihr Steckenpferd. Sie beschäftigt sich vor allem mit dem Klima und dessen Wandel. Die Thematik ist medial omnipräsent. Klima ist in aller Munde, weil davon so ziemlich alles abhängt. Um Aussagen über den Klimawandel zu treffen, braucht man viele Daten. Nötig sind lange Klimareihen, um Veränderungen bei Temperatur, Niederschlag oder Schneefall aufzeigen zu können. Die Bezugszeiträume liegen bei 30 Jahren - einer „Normalperiode“. Das ist ein Zeitraum der Klimabeobachtung, der von der Weltorganisation für Meteorologie festgelegt wurde. Damit werden lange Zeiträume miteinander vergleichbar. International wird daher nach einheitlichen Standards gemessen.

Gudrun Mühlbacher steht auf einem Hügel auf der Mülldeponie in Winkl, einem Ortsteil von Bischofswiesen. Sie hat von hier aus den besten Blick auf die Umgebung - nicht nur auf die Müllhalde, sondern auch auf die Berge, den Untersberg, die Schlafende Hexe. „Es ist ein optimaler Standort“, sagt die Diplom-Meteorologin. Auf dem Hügel hat der Deutsche Wetterdienst eine zehn Meter hohe Projektstation im Auftrag des Landkreises verwirklicht, die minutengenau Daten liefert. Alles, was das Meteorologen-Herz begehrt: Niederschlag, Feuchtigkeit, Temperatur. Auch die Windstärke in zehn Metern Höhe kann abgerufen werden, Richtung und Geschwindigkeit.

Die Werte sind die Grundlage der Wetterprognosen. Die Mülldeponie wirkt wie eingerahmt von den Berchtesgadener Alpen. Der Standort bildet die besonderen Bedingungen ab für den Berchtesgadener Talkessel, wo das Wetter häufig nicht den Vorhersagen folgt. Die Kleinräumigkeit und die topografischen Gegebenheiten sind schwierig zu erfassen. „Der Talkessel ist definitiv ein spezieller Fleck“, bestätigt Gudrun Mühlbacher. Auch in der Mitte des Landkreises, in Piding, ist der DWD mit einer Station vertreten, zudem existiert seit Mitte der 1980er-Jahre eine Kooperation mit dem Nationalpark Berchtesgaden. Selbst am Funtensee, wo einst die niedrigste Temperatur in Deutschland gemessen wurde, betreibt die Behörde eine Wetterstation.  

Was, wenn mal alle Gletscher geschmolzen sind?

Vergangenes Jahr gab es ein Unwetterereignis mit Auswirkungen, die heute noch zu sehen sind. Auf heftigen Starkregen folgten Schlammlawinen, Flüsse, die übergingen, und viel Zerstörung anrichteten. Berchtesgaden sei eine von Deutschlands niederschlagsstärksten Regionen überhaupt. „Wir müssen damit rechnen, dass sich solche Vorkommnisse häufen werden“, sagt Gudrun Mühlbacher. Weitere Einzelereignisse: durchaus möglich. Detaillierte Wetterwarnungen würden in Zukunft noch wichtiger werden. Ziel sei es, möglichst viele Menschen im Vorfeld zu erreichen. Klar ist auch: „Ein gutes Warnmanagement ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe.“ 

In Berchtesgaden herrschen besondere Gegebenheiten. Die Alpine Klimatologie ist deshalb ein spannendes Feld. Stichwort Gletscher. Rund um Berchtesgaden existieren zwei eisige Überreste, der Blaueisgletscher und jener am Watzmann. Den Einfluss des Klimawandels sieht man dort besonders gut. So schnell geschmolzen wie momentan sind die Eisflächen noch nie. Allgemein gilt: „Gletscher haben Einfluss auf das Trinkwassergeschehen“, sagt Gudrun Mühlbacher. „Was, wenn alle mal geschmolzen sind?“   

Gudrun Mühlbacher stammt ursprünglich aus Cottbus. Dass der Weg sie in das Berchtesgadener Land verschlagen hat, stimmt die gesprächige Frau glücklich. „Ich wohne hier sehr gerne.“ Mühlbacher hat an der Freien Universität Berlin studiert, nebenbei arbeitete sie damals für die Aktion Wetterpate. Man kennt das aus dem Fernsehen. Hochdruck- und Tiefdruckgebiete kommen immer mit Namen daher: „Hoch Gisela“, „Tief Peter“. Freudige Aussichten, düstere Perspektiven. Früher wurden Tiefdruckgebiete regelmäßig mit Frauennamen angekündigt. Weil ein Tief aber immer Unheil ankündigt, stellte man um. Für eine anständige Summe können Interessierte auch heute noch den Wetterfronten Namen verleihen. 

Berchtesgaden ist Skiregion - noch

Nach ihren ersten Stationen bewarb sich Mühlbacher in Mainz beim Deutschen Wetterdienst, 2011 wechselte sie schließlich nach München, zog in den südöstlichsten Zipfel Bayerns. Der Deutsche Wetterdienst ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr. „Mein Job ist vielfältig. Es ist genau das, was den Beruf so abwechslungsreich macht“, sagt die 45-Jährige. Während all der Jahre unterstützte sie beim Bestimmen von Liegezeiten von Leichen, erstellte Planungs- und Sachverständigengutachten, letztere bei Versicherungsschäden, erklärte die Entstehung von Wolken, betreute Heilklimatische Kurorte, die alle paar Jahre die Dienste des DWD in Anspruch nehmen müssen, um das Gütesiegel zu sichern. Berchtesgaden und dessen vier Nachbargemeinden tragen die Anerkennung als Heilklimatischer Kurort. Mühlbacher leitet inzwischen das regionale Klimabüro in München. Es ist für ganz Bayern zuständig. 

Unbestritten: Das Klima wandelt sich. Die Temperaturen steigen. Man erkennt das an der steten Abnahme der Schneedeckentage unterhalb von 1500 Metern. Berchtesgaden ist Skiregion - noch. „Tiefer liegende Skigebiete werden in Zukunft schlechtere Schneeverhältnisse haben.“ Da hilft am Ende nicht mal mehr die künstliche Beschneiung, ist sie sich sicher.

kp

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