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Junge Erwachsene werden Soldaten

Grundausbildung bei den Gebirgsjägern in Bischofswiesen

Versuche der Struber Rekruten eine Stellung zu bauen
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Die ersten Versuche der Struber Rekruten eine Stellung zu bauen ist bereits recht akzeptabel. Noch können die jungen Soldaten bei den Ausbildungsstationen Fehler machen. Bis zur Rekrutenbesichtigung muss das erarbeitete Wissen jedoch sitzen. Der Gruppenführer erklärt den Soldaten noch einmal genau worauf es beim Stellungsbau ankommt.

Bischofswiesen - Die sechste Kompanie des Gebirgsjägerbataillon 232 in Bischofswiesen ist mit ihrer Schwesterkompanie der „Sechsten“ 233 in Mittenwald für die Allgemeine Grundausbildung der Gebirgsjäger zuständig. Aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie läuft auch diese Grundausbildung anders ab, als gewohnt.

Die Pressemeldung im Wortlaut:

„Wenn die Grundausbildung so weitergeht wie bisher, kann ich viel für mein weiteres Leben mitnehmen. Sicher werde ich noch mein Leben lang mit Freude an meine AGA und die erlebte Kameradschaft zurückdenken“, berichtet Jäger Sebastian Oetting, Rekrut des dritten Zugs der sechsten Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 232 in Bischofswiesen.

Jeder Soldat startet seine Karriere bei der Bundeswehr mit der Allgemeinen Grundausbildung, umgangssprachlich auch einfach „AGA“ genannt. Ob er oder sie dies bei den Fallschirmjägern tut oder bei den Gebirgsjägern, ist erst einmal unerheblich. Die Kerninhalte sind in jeder „AGA“ dieselben, auch wenn angestrebt wird, die Rekruten in truppengattungsnahen Verbänden auszubilden. Jedoch haben die Gebirgsjäger ein außergewöhnliches Alleinstellungsmerkmal – das Gebirge. Wer das Marschieren und Kämpfen im Gebirge lernt, wird zwangsläufig schon in der Grundausbildung mit vielen Höhenmetern, bergigem Gelände und unwirtlichen Witterungsbedingungen konfrontiert. Diese raue Umgebung formt robuste Soldatinnen und Soldaten.

Zudem bietet das Bataillon in Bischofswiesen seinen Rekruten dieses Quartal die besondere Möglichkeit, durch zwei Fähnriche des österreichischen Bundesheers ausgebildet zu werden. Die zukünftigen österreichischen Offiziere befinden sich derzeit im Studium an der Wiener Militärakademie und wurden im Rahmen eines Austauschprogrammes in das deutsche Heer „kommandiert“. Regelmäßig übernehmen die österreichischen Fähnriche dabei die Aufgaben eines stellvertretenden Zugführers oder leiten Ausbildungsabschnitte.

Da die Bundeswehr einem eigenen Infektionsschutzgesetz unterliegt, finden alle Ausbildungen in einem speziellen Kohorten-System statt. Es wird penibel darauf geachtet, dass die einzelnen Züge, das ist eine Organisationsstruktur aus vier Gruppen mit neun bis zwölf Soldaten, auf keinen Fall in Kontakt kommen. Die Ausbildung gestaltet sich in Ausbildungsblöcken inklusive Dienst am Wochenende. Regelmäßige Tests und strenge Hygienemaßnahmen in den Zügen sollen einen Ausbruch von Corona verhindern.

Viel Wissen in kurzer Zeit

Zu Beginn jeder Grundausbildung werden alle organisatorischen Grundlagen, wie ärztliche Untersuchungen, abgearbeitet. Die Rekruten werden so schnell wie möglich geimpft, sollte dies nicht bereits vor Dienstantritt geschehen sein. Sie bekommen ihre Stuben zugeteilt und lernen ihre Kameraden und Vorgesetzten kennen. Nach den ersten Übungen im Formaldienst, also den protokollarischen Abläufen, wie das Marschieren im Gleichschritt oder Meldungen an den Vorgesetzen, werden die jungen Erwachsenen auch schon eingekleidet. Sie erhalten ihre Ausrüstung und ihre Uniform. Nach der Unterweisung in die Tragevorschriften sehen die Rekruten optisch auch schon aus wie echte Soldaten. Nun kann es für die Berufseinsteiger an die ersten Ausbildungsstationen gehen. Sie lernen ihre Standardwaffe, das G36 von Heckler & Koch, kennen. Neben dem Zerlegen und Zusammensetzen, dem Reinigen und der Funktionsüberprüfung werden auch sicherheitsrelevante Aspekte von der ersten Sekunde an vermittelt. Die vier Sicherheitsregeln werden mantraartig in das Bewusstsein der Rekruten geprägt. Genau wie die Dienstgradbezeichnungen, die Baugruppen des G36 und das NATO-Alphabet muss dieses Wissen jederzeit parat stehen, denn es gehört zu den Grundlagen des Dienstalltags eines jeden Soldaten. Vor allem praktische Ausbildungen kommen nicht zu kurz. Die Rekruten lernen den Umgang mit Funkgeräten, die Erstversorgung von Verwundeten, die Maßnahmen bei atomaren, biologischen und chemischen Bedrohungen sowie die Grundlagen des infanteristischen Kampfes. Auch die körperliche Fitness wird täglich gefördert. Sportausbildungen, Fitnesstest sowie Märsche mit Gepäck und einigen Höhenmetern gehören zum Alltag.

Neben den körperlich fordernden Ausbildungsabschnitten gliedern sich zahlreiche theoretische Unterrichte ein. Vorlesungen zum Wehr- und Disziplinarrecht und völkerrechtliche Grundlagen fordern immer wieder auch die geistige Aufmerksamkeit der frischen Soldaten.  

Höhepunkte jeder Grundausbildung sind der erste scharfe Schuss auf einer Schießbahn, das Überwinden der Hindernisbahn, das Biwak, also das Übernachten im Wald unter der ständigen Bedrohung eines imaginären Feindes, sowie die große Abschlussprüfung, die sogenannte Rekrutenbesichtigung. Hier wird alles Erlernte unter den wachsamen Augen der Ausbilder abgerufen. Das Bestehen der Grundausbildung ist obligatorisch. Wer die Rekrutenbesichtigung nicht besteht, wiederholt die Grundausbildung, denn als Fundament des soldatischen Handwerks bauen alle folgenden Ausbildungen auf die Grundausbildung auf. Für die Soldaten der „Grünen“ Truppe wird dann die Spezialgrundausbildung, kurz SGA, folgen. Dabei werden die neuen Soldaten truppengattungsspezifisch ausgebildet. Die SGA erfolgt seit 2020 laufbahnübergreifend. Im Fokus der Ausbildung steht hier der infanteristische Kampf. Die gebirgs- und winterkampfspezifischen Inhalte wie Klettern oder Skifahren werden den zukünftigen Gebirgsjägern daraufhin in der Dienstpostenausbildung beigebracht. Individuell können daran Zusatzausbildungen zum Reit- und Tragtierführer, Kraftfahrer für Kettenfahrzeuge und viele mehr folgen.

Pressemeldung der Gebirgsjägerbrigade 23 „BAYERN“

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