2014 verunglückte Forscher Westhauser dort schwer

Wegen "Hobby-Höhlengehern": Riesending-Höhle bleibt bis 2039 zu

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Die Rettung von Johann Westhauser aus der Riesending-Schachthöhle im Sommer 2014.
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Bischofswiesen - Im Sommer 2014 verunglückte Höhlenforscher Johann Westhauser in der Riesending-Schachthöhle schwer. Die Berichte und Fotos von der spektakulären Rettungsaktion gingen um die Welt. Jetzt musste die Gemeinde jedoch wegen der Höhle "durchgreifen":

Weil sich laut einem Bericht der Passauer Neuen Presse immer wieder "Hobby-Höhlengeher" in die Höhle begeben, ist nun eine Verordnung verlassen worden. Der Einstieg in das rund 21 Kilometer lange Höhlensystem wurde nun verboten. Bei Zuwiderhandlungen - die Verordnung gilt zunächst 20 Jahre bis ins Jahr 2039 - drohen Bußgelder in Höhe von bis zu 1.000 Euro. Ausnahmen sollen in vereinzelten Fällen für Höhlenforscher gelten, hieß es weiter. Bereits kurz nach dem Unfall war die Höhle im Jahr 2014 erstmals gesperrt worden.

Forscher im Jahr 2014 schwer verletzt

Der Höhlenforscher Westhauser hatte an Pfingsten 2014 bei einem Steinschlag in der tiefsten Höhle Deutschlands ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Es lief daraufhin eine bis dahin beispiellose Rettungsaktion an, die insgesamt elf Tage dauerte. Erst dann konnte Westhauser schwer verletzt an die Oberfläche gebracht werden. Mehr als 700 Helfer aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien und Kroatien waren beteiligt.

Die Chronologie der Rettung:

7. Juni 2014: Ein dreiköpfiges Team von Forschern, darunter der 52-jährige Westhauser, steigt in die fast 1100 Meter tiefe Riesending-Schachthöhle in den Berchtesgadener Alpen. Seit 2002 erforscht der aus Karlsruhe stammende Westhauser die unterirdischen Gänge, die er teils selbst entdeckt hat.

8. Juni: Gegen 1.30 Uhr kommt es zu einem Steinschlag, bei dem Westhauser an Kopf und Oberkörper verletzt wird. Er erleidet ein Schädel-Hirn-Trauma. Ein Kollege beginnt einen zwölfstündigen Aufstieg, um Hilfe zu holen.

9. Juni: Vier Bergretter erreichen erstmals das Lager des Verletzten. Westhauser sei ansprechbar, „aber es geht ihm nicht gut“, berichtet die Bergwacht. Ein Arzt, der zu dem Verletzten aufbricht, muss aufgeben.

10. Juni: Vier Schweizer, die auf die Rettung aus Schächten spezialisiert sind, erreichen Westhauser. Ein österreichischer Arzt macht sich mit drei Bergrettern auf den Weg in die Tiefe. Ein erster Lichtblick: Dem Verletzten gehe es wohl besser als zunächst vermutet, heißt es.

11. Juni: Ein weiterer Mediziner steigt zu Westhauser hinab, am Nachmittag erreicht der Österreicher den Verletzten.

12. Juni: Der zweite Arzt trifft ein. Die Mediziner entscheiden: der Patient kann transportiert werden.

13. Juni: Nach fünf Tagen beginnt am späten Nachmittag der Transport des Verletzten auf einer Trage.

14. Juni: Das Rettungsteam schafft die erste Etappe und erreicht gegen 4.00 Uhr Biwak 5, den ersten Rastplatz.

15. Juni: Die Helfer bewältigen die „Lange Gerade“, die etwa 900 Meter unter der Oberfläche Hunderte Meter fast waagerecht durch den Berg führt. Der Trupp erreicht Biwak 4. Nun beginnt der schwierige Teil: Der Trupp muss Westhauser an der mitunter senkrecht nach oben führenden Wand in die Höhe ziehen.

Höhlen-Drama: Neue Bilder der Rettungsaktion

16. Juni: Das Team erreicht das dritte Lager in rund 700 Metern Tiefe. Nach einigen Stunden Pause geht es weiter.

17. Juni: Die Rettung geht rascher voran als erwartet. Die Einsatzkräfte erreichen mit Westhauser am Morgen Biwak 2 in rund 500 Metern Tiefe. Etwa 15 Mann sind mit dem Verletzten unterwegs, Dutzende andere bauen den Weg aus.

18. Juni: Am Morgen kommt der Trupp am Biwak 1 an.

19. Juni: Die erlösende Nachricht: Westhauser und seine Retter haben um 11.44 Uhr den Höhlenausgang erreicht - gut 274 Stunden nach dem Unfall.

mw (mit Material von dpa)

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