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Rund 15.000 Sendungen pro Tag

„Das ganze Jahr Weihnachten“ am Zustellstützpunkt in Bischofswiesen

Zustellstützpunkt Deutsche Post DHL
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Neu gebaut: der Zustellstützpunkt im Gewerbegebiet Pfaffenfeld II in Bischofswiesen.

Über 100.000 Sendungen, darunter 14.000 Pakete, werden pro Woche am südöstlichsten Zustellstützpunkt der Republik in Bischofswiesen abgefertigt. Seit Corona haben die 50 Mitarbeiter des millionenschweren Neubaus jede Menge zu tun, weiß der Rosenheimer Murat Tatar, der auch für die Standorte in Reichenhall, Freilassing, Traunstein und Trostberg verantwortlich zeichnet.

Bischofswiesen/ Berchtesgadener Land – Die Ladefläche des großen Lkw ist mit Rollbehältern voll beladen. Jeder einzelne ist bis obenhin gefüllt mit Päckchen und Paketen. Sie sollen heute noch ihre Empfänger erreichen. Seit 7.30 Uhr wuseln die Mitarbeiter durch die weitläufige Halle. Sechs getaktete Lieferungen erreichen den Zustellstützpunkt jeden Tag aus Kolbermoor und Aschheim, „zwei mit Brief- und vier mit Paketzuführungen“, wie es im Sprech der Deutschen Post DHL Group heißt. 

Murat Tatar ist der Zustellstützpunktleiter von insgesamt elf Standorten, darunter auch Waging, Ruhpolding und Traunreut. Zustellstützpunkte sind die kleinste Einheit, die den Haushalten am nächsten ist. Rund 400 Personen arbeiten in Tatars Zuständigkeitsbereich und sorgen dafür, dass Sendungen rechtzeitig ankommen.

Online-Bestellungen haben Hochkonjunktur

„Seit Corona war das ganze Jahr über bei uns Weihnachten“, weiß Sonja Radojicic, Leiterin Regionale Kommunikation Süd. Mittlerweile sei das Paketaufkommen zwar wieder etwas gesunken, „liegt aber weiterhin auf hohem Niveau“. Die Lockdown-Zeit hat die Online-Besteller beflügelt, im Internet zu kaufen. Ein Ende scheint nicht in Sicht.

Vor zwei Jahren im Bischofswieser Gewerbegebiet Pfaffenfeld II gebaut, gilt der neue Zustellstützpunkt als ausgerichtete Einheit für die Zukunft: Die Post will weg von Benzin und Diesel. 30 E-Ladesäulen vereinen sich hier. Die Deutsche Post DHL Group (DPDHL) möchte langfristig den gesamten Brief- und Paketdienst mit elektrifizierten Fahrzeugen bestreiten. Im südlichen Berchtesgadener Land ist der Konzern mit seinen Streetscootern zwar gescheitert: „Es hat sich gezeigt, dass die Fahrzeuge für die Berge nicht optimal sind“, sagt Murat Tatar. Vor allem im Winter brachten sie nicht den erwünschten Erfolg. Im Fuhrpark stehen nun elektrische Mercedes- und VW-Modelle, zwölf an der Zahl. Deren elektrische Reichweite sei in der bergigen Region ausreichend, trotz der teils schweren Beladung. 16 weitere Fahrzeuge fahren weiterhin mit Kraftstoff aus der Zapfsäule. Das soll sich nach und nach ändern, bekräftigt Sonja Radojicic. 

Vorausschauend geplant, für die Zukunft gerüstet

„Der Neubau war notwendig“, weiß Murat Tatar. Die alten Räumlichkeiten der Deutschen Post im Hauptbahnhof Berchtesgadens waren zu klein geworden, zudem über zwei Stockwerke verteilt. Zu eng, zu wenig Platz. Effektives Arbeiten in herausfordernden Zeiten sei nicht möglich gewesen. Der neue Zustellbezirk ist vorausschauend geplant, heißt es bei der Deutschen Post. Man sei gerüstet, künftig auch ein deutlich erhöhtes Paketaufkommen abzuwickeln, so Tatar. 

13.800 Haushalte in fünf Gemeinden werden von Bischofswiesen aus werktags versorgt, weiß Standortleiter David Ruess. Der 32-Jährige arbeitet seit zwei Jahren hier. Er ist der Chef vor Ort, für die Dienst- und Urlaubspläne zuständig und fährt auch noch selbst kleine Touren.

Er steht vor einem der vielen Zustellspinde. Das sind Fächer für die Briefpost. Jedes Fach ist mit Straßenname und Hausnummer gekennzeichnet. Farbige Markierungen erleichtern die Arbeit der Brief- und Paketzusteller, die die vorsortierten Briefe in Eigenregie ihren Touren zuordnen. Beim Austragen reicht dann ein Handgriff, um die Briefpost für einen Haushalt parat zu halten. Während im städtischen Bereich Briefe und Päckchen von jeweils eigenen Zustellern ausgefahren werden, wird das auf dem Land nicht getrennt. 

In 28 Bezirke ist das Zustellgebiet des südlichen Landkreises aufgeteilt. Sogenannte Regelzusteller fahren täglich dieselbe Strecke. Einmal pro Jahr werden die Bezirke neu vermessen. Die Deutsche Post DHL Group ist an Optimierung interessiert. Wie können Sendungen am schnellsten und effektivsten ihr Ziel erreichen? Bezirke werden bei Bedarf neu strukturiert, dann ändert sich auch die Route der Mitarbeiter. Die Strecken unterscheiden sich teils enorm: Es gibt kleine Bezirke mit vielen Haushalten und solche, bei denen der Fahrer bis zu 90 Kilometer weit fahren muss, weiß Murat Tatar. Die Wege in den Alpen sind oft lang.

Die Arbeit ist mehr geworden

Der frühe Vormittag gilt der Sortierung. In regelmäßigem Abstand treffen die Brief- und Paketlieferungen am Zustellstützpunkt ein. Die erste Briefsendung kommt um 7.30 Uhr, die zweite um 8.15 Uhr. Die letzten Pakete trudeln gegen 9.40 Uhr ein. Die Paketzusteller stehen bereit, sobald sich der Laderaum des Lkw öffnet. Rollcontainer mit Paketen sind nach Bereichen gekennzeichnet. Intern gibt es drei Bereiche: Bischofswiesen/Ramsau, Marktschellenberg und Berchtesgaden/Schönau am Königssee. 

In der Mitte der Halle werden die Rollcontainer abgestellt. Jeder Zusteller hat dann Zugriff auf die Pakete. Mit flinken Handgriffen werden die Adressaufkleber kontrolliert. Liegt die Adresse im eigenen Zustellbezirk, kommt das Päckchen mit auf die Tour. Die Arbeit ist mehr geworden.

Auch die Zahl der Mitarbeiter ist im Laufe der vergangenen Jahre im südöstlichsten Zustellstützpunkt der Republik deutlich gestiegen, weiß Murat Tatar - geschuldet ist das dem sukzessiv gestiegenen Paketaufkommen. Auch bei der DPDHL hat man Schwierigkeiten, Angestellte zu finden. „Während der Corona-Pandemie haben viele Mitarbeiter aus der Gastronomie zu uns gewechselt“, weiß Tatar. Mittlerweile tut man sich schwer, Personal vom Arbeitsmarkt abzugreifen.

Gegen 10.15 Uhr ist das letzte Zustellfahrzeug mit Briefen und Paketen beladen. Der Paketzusteller trennt das Auto vom Stromnetz. Fünf bis sechs Stunden wird er nun unterwegs sein. „Die Leute warten auf ihre Pakete.“

kp

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