Großübung am Wochenende in Bischofswiesen

Flugzeugabsturz mit zehn Verletzten - schaurig realistisches Übungsszenario

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Einsatzkräfte inszenieren Flugzeugabsturz

Bischofswiesener Forst/Gemeindefreies Gebiet – Am Samstagnachmittag hat ein Großaufgebot der Freiwilligen Feuerwehren und der Bergwachten die Rettungsarbeiten nach einem Flugzeugabsturz mit zehn zum Teil schwer Verletzten simuliert.

Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte konnten den abgelegenen Unfallort nur über kilometerlange, teilweise enge Forststraßen und im letzten Abschnitt nur noch zu Fuß erreichen. Deshalb legten sie ausgedehnte Schlauchleitungen für die Löscharbeiten und mussten das technisches Rettungsgerät und die Patienten streckenweise zu Fuß tragen. Die feuchte Witterung mit Niesel- und später Dauerregen erschwerte den Übungseinsatz zusätzlich.

Der Pilot verlor gegen 13 Uhr im Sichtflug, aufgrund der tief hängenden Regenwolken an der Törlschneid, die Orientierung undstürze bei einem Notlandeversuch am Kotberggraben auf einer steilen Bergwiese ab, wobei das Flugzeug zerbrach und zu brennen begann; die Insassen wurden zum Teil schwer verletz t – Wanderer und Bergbauern, die Hilfe leisten wollten, setzten einen Notruf ab und wurden durch die Rauchgase und das Feuer ebenfalls verletzt. 

Ein Organisationsteam unter der Leitung von Uli Hölzl hatte das aufwendige Szenario ausgearbeitet und vorbereitet. Am vom Landkreis für Übungen beschafften, echten Flugzeug-Wrack haben Pyrotechniker und das Team für realistische Unfall- und Notfalldarstellung des Jugendrotkreuzes (JRK) ein schaurig realistisches Szenario für die teilnehmenden Ehrenamtlichen geschaffen: Explosionen, Rauch und schwere Pfählungs- und Amputationsverletzungen erwarteten die ersteintreffenden Einsatzkräfte der Ortsfeuerwehr Bischofswiesen, die sofort eine Lagemeldung abgaben und nur unter Atemschutz direkt am brennendem Flieger arbeiten konnten.

Der Bergwachtmann Manfred Hasenknopf übernahm aufgrund des organisationsübergreifenden, erhöhten Koordinierungsbedarfs beim großen Schadensereignis nach Artikel 15 des Bayerischen Katastrophenschutzgesetzes (BayKSG) die Rolle des Örtlichen Einsatzleiters (ÖEL). Er bildete zusammen mit Feuerwehr, Bergwacht, Landrettungsdienst, Gemeindeverwaltung, Landratsamt und Polizei im Abrollbehälter Einsatzleitung des Landkreises einen gemeinsamen Führungsstab, der die komplexen Arbeiten abstimmte und koordinierte; die Feuerwehr, das Team der Unterstützungsgruppe Sanitätseinsatzleitung (UG-SanEL) des Fachdienstes „Information und Kommunikation“ der BRK-Bereitschaften, die Gruppe für Lokalisation, Kommunikation, Lagebeschreibung und Dokumentation (LKLD) der Bergwacht-Region Chiemgau und ein Beamter der Reichenhaller Polizei schlossen sich mit ihren Einsatzleitfahrzeugen (UG-SanEL und Feuerwehr) und Technikbussen (Bergwacht Chiemgau und Grenzpolizeiinspektion Piding-Urwies) an und bildeten eine Wagenburg direkt im Bereitstellungsraum im neuen Gewerbegebiet am Pfaffenkogel. 

Während sich die UG-SanEL vor allem um die Patienten-Registrierung und Zuteilung auf Ziel-Kliniken kümmerte, fuhr der Technikbus in die Mordau südlich des Schadensgebiets und ließ auf gleicher Höhe seine Kamera-Drohne aufsteigen, mit der die Rettungsarbeiten aus einigen hundert Metern Höhe live für die Einsatzleitung gefilmt und übertragen wurden. Noch während sich der Stab bildete, rückten bereits weitere Feuerwehr-Einheiten aus Ainring, Bad Reichenhall, Bayerisch Gmain, Berchtesgaden, Großgmain, Ramsau und Schneizlreuth und ein Großaufgebot der Bergwachten Bad Reichenhall, Freilassing, Inzell, Teisendorf-Anger und Traunstein über das kilometerlange, steile, unübersichtliche und weit verzweigte Forststraßennetz in den Schadensraum vor, um die Lage zu erkunden und gemeinsam abzuarbeiten. 

Einsatzkräfte inszenieren schaurig realistisches Szenario

Zwei Insassen waren eingeklemmt und konnten nur mit dem hydraulischen Rettungssatz befreit werden; zwei weitere Beteiligte wurden vermisst – einer musste im steilen Bergwald von einem Bergwacht-Hundeteam gesucht werden. Während zunächst nur die Feuerwehr unter Atemschutz im direkten Gefahrenbereich am brennenden Flieger arbeiten konnte, übernahm die Bergwacht an der nahen Patientenablage die medizinische Sichtung und Erstversorgung der Geretteten, die kategorisiert je nach Schweregrad koordiniert mit den zunächst nur begrenzt vorhandenen Tragen und Rettungsfahrzeugen abtransportiert wurden. Später, als der Brand gelöscht war, musste die Bergwacht die gepfählte Co-Pilotin im Flieger notfallmedizinisch versorgen, bevor die Feuerwehr die Stahlstrebe abtrennen und die Frau aus dem Wrack retten konnte.

Stellenweise wurde es mit den großen Fahrzeugen richtig eng. Zu- und Abfahrten mussten von einer eigenen Abschnittsleitung geregelt werden, damit sich die vielen Fahrzeuge nicht gegenseitig blockierten. Die Bergwacht übernahm mit insgesamt drei All-Terrain-Vehicles (ATV) Shuttle-Dienste für Personal und Material beider Organisationen auf den letzten paar hundert Metern bis zum Absturzort – nur zwei Feuerwehr-Fahrzeuge konnten über die enge Straße relativ nah an die Alm heranfahren, Löschwasser aus einem nahen Graben pumpen und den hydraulischen Rettungssatz betreiben. 

Die Bergwacht brachte die Patienten währenddessen mit zwei Rettungsfahrzeugen im Pendelverkehr bis zum Übergabepunkt auf der breit ausgebauten Forststraße, wo sie der Landrettungsdienst übernahm und in Kliniken brachte. Nach fast drei Stunden im Regen war das Szenario abgearbeitet. Bei einer gemeinsamen Brotzeit im Bischofswiesener Feuerwehrhaus tauschten die Einsatzkräfte ihre neu gewonnenen Erfahrungen aus und brachten ihre auf den nassen Forststraßen und Hängen stark verschmutzten Fahrzeuge und Ausrüstungsgegenstände wieder auf Vordermann.

Pressemeldung BRK Kreisverband Berchtesgadener Land

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