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Berchtesgadens Bürgermeister stellt Millionenprojekt vor

Wie lange dauert die Fertigstellung der Kälbersteinschanze in Bischofswiesen?

Alles neu: Die große Schanze wird von Grund auf modernisiert.
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Alles neu: Die große Schanze wird von Grund auf modernisiert.

Die Sprungschanze am Kälberstein, die bereits knapp vor dem Rückbau stand, soll zu einer „Hochleistungssportanlage“ ausgebaut werden. Das Projekt stellte Berchtesgadens Bürgermeister im Bischofswieser Gemeinderat vor. Bis zu sechs Millionen Euro werden in die Sanierung der großen Schanze investiert – eine Entscheidung für Bischofswiesen und gegen die Anlage in Ruhpolding. Der Deutsche Skiverband (DSV) will am Kälberstein künftig die Profis trainieren lassen – im Sommer sowie im Winter.

Bischofswiesen – Zehn Jahre Arbeit liegen hinter Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp (CSU). Auf und Abs gab es viele. Eigentlich war die Kälbersteinschanze in Berchtesgaden, bestehend aus einem 30-, einem 60- und einem 90-Meter-Tisch, bereits im Jahr 2007 aus dem Positionspapier des Deutschen Skiverbands verschwunden. Deren Lebensdauer war überschritten.

Die Zukunftsaussichten für die 90-Meter-Schanze, der ganze Stolz der Skispringer: eher düster. Bundesmittel und Förderungen waren weggefallen. Sogar vom Rückbau war die Rede. Für die Region, die sich rühmt, Olympiastützpunkt zu sein, zudem mit der Christophorusschule am Dürreck eine Eliteschule für Sportler verbucht, bedeutete dies einen schweren Rückschlag. „Es stand Spitz auf Knopf”, resümiert Rasp. 

Rasp ist es gelungen, den sportlichen Todesstoß abzuwenden: Die Kälbersteinschanze wird bleiben, saniert werden. Ende kommenden Jahres sollen erste Abrissarbeiten starten. „Wir hoffen, 2023 mit dem Bau beginnen zu können“, sagt Rasp. Wenn alles nach Plan läuft, könnte die modernisierte Schanze im Sommer 2024 fertiggestellt und ab dann auch genutzt werden. 

Dass der DSV nun am Kälberstein investiert und die Sportstätte erneuern will, bedeutet eine Abkehr vom Standort Ruhpolding. „Die haben genug mit der Chiemgau Arena zu tun“, sagte Rasp. Die Kälberstein-Schanze gilt unter Profis als ganztags nutzbar, was nicht selbstverständlich ist. „Sie ist beinahe windfrei und selbst in der Mittagszeit befahrbar“, weiß Rasp. „Das gibt es in Mitteleuropa kein zweites Mal.“

„Kälberstein soll zentrale Skisprungschanze für die Sportegion werden“

Die Schanze am Kälberstein auf Bischofswieser Gemeindegebiet soll nicht größer werden, sondern sogar etwas kleiner (HS 96) und eine „reine Trainingsschanze“ bleiben. „HS“ bedeutet „hill size“ und bezeichnet ein Maß für die Größe einer Skisprungschanze. Die Schanze wird größentechnisch als Normalschanze eingeordnet. Weltcups wird es in Zukunft dort nicht geben. „Die Sportler können dort aber für Großveranstaltungen trainieren“, sagte Rasp. Anders als in der Vergangenheit wird die Sportstätte nun auch im Winter nutzbar sein, im Sommer wird auf Mattenbelag trainiert.

„Der Kälberstein soll die zentrale Skisprungschanze für die Sportregion werden“, machte Rasp deutlich. Nicht nur die Anlaufkonstruktion wird komplett erneuert, fällt etwas flacher als früher aus. Der Mattenbelag wird breiter, die Sportanlage den aktuellen Erfordernissen angepasst. Das Profil der Schanze soll „fast identisch“ mit dem momentanen ausfallen. Ein in den Hang gebauter Zubringertunnel muss erweitert werden, damit diesen auch größere Fahrzeuge nutzen können. Umliegende Landwirte hatten das angeregt. „Gespräche laufen“, sagt Bürgermeister Rasp. 

DSV und Bund mit kostspieligem Wunsch

Der Deutsche Skiverband hat zudem einen kostspieligen Wunsch: Der DSV möchte eine Eisspur verwirklichen, „darauf besteht auch der Bund“, sagt Rasp. Ohne Eisspur kein Weltcup-Training. Problem: Eine Eisspur muss gekühlt werden, frisst viel Energie, ist aufwendig im Unterhalt, zudem teuer. „Für den Skisprung-Sport ist es aber die High-End-Lösung“, sagt Rasp. Die Übernahme der Unterhaltungs- und Betriebskosten wurden bereits zugesagt. Rasp hat sich große Ziele gesteckt: Die notwendige Energie für den Betrieb soll über Photovoltaikanlagen wieder reingeholt werden. Ob ein „energieneutraler“ Betrieb möglich ist, ist fraglich. 

Skispringer bekommen künftig einen Aufzug spendiert, über den auch die kleinere Skisprungschanze angesteuert werden kann. Treppensteigen müssen die Profis künftig nicht mehr. Generalüberholt werden soll auch der Trainerturm. „Wir bauen alles auf vorhandenem Grund, brauchen keinen zusätzlichen Platz“, verspricht Rasp. Die Investitionskosten liegen zwischen fünf und sechs Millionen Euro, wobei der Markt Berchtesgaden einen überschaubaren Anteil tragen soll. Anfang des Jahres wurde dieser Eigenanteil mit maximal 600.000 Euro beziffert. 

Bessere Ausgangssituation als vor fünf Jahren

Die Ausgangslage vor fünf Jahren war deutlich schlechter: Damals hieß es noch, Berchtesgaden müsste bis zu 40 Prozent der Kosten selbst finanzieren, falls es zur Umsetzung kommt – das hätte sich die Gemeinde nicht leisten können. Weil die Sportstätte aber ausschließlich dem Spitzensport dient, werden nun beinahe alle Kosten getragen.

Gemeinderat Hans Metzenleitner (SPD) lobte CSU-Mann Rasp: „Es freut mich, dass es gelungen ist, die Schanze zu retten“, sagt Metzenleitner. Als Sportstandort samt Eliteschule sei das Schaffen von Fakten ein wichtiges Zeichen. „Solche Anlagen tragen oft landes- und bundespolitische Bedeutung.“

Kritik wird laut

Paul Grafwallner (UBB) ist sich sicher, die Anlage, wenn überhaupt, energieneutral betreiben zu können – von Klimaneutralität könne keine Rede sein. Kritik übt er an den hohen Investitionssummen „für Nischensportarten“. Sechs Millionen für den Skisprung, 53,5 Millionen für Bobfahrer und Rodler am Königssee. „Und niemand weiß, wie lange diese Sportarten überhaupt noch funktionieren.“ Denn auch am Kälberstein wird künstlich beschneit. Unverständnis äußert Grafwallner zudem für die geplante Eisspur. „Die braucht einen Haufen Energie und Kühlmittel.“ Wenn es nach ihm geht, müssten die Verantwortlichen „ein Zeichen setzen“ und die Sportstätten aufgeben. „Das würde ein unglaubliches Einsparpotenzial an Energie bedeuten.“

Auf das hochgiftige Ammoniak zur Kühlung der Eisspur werde man nicht zurückgreifen, versicherte Franz Rasp. Dem vorausgegangen war öffentlich laut geäußerte Kritik des Bund Naturschutz: An der Kunsteisbahn am Königssee sei man nach dem Juli-Unwetter an einer Naturkatastrophe vorbeigeschrammt. Auch dort befindet sich Ammoniak in den Fernleitungen, die nach Aussage der Verantwortlichen aber heil blieben.

Thomas Resch (Parteilose Gruppe/FWG) blickt zuversichtlich auf den Fortbestand der traditionsreichen Sportanlage am Kälberstein. Es sei ein Fehler gewesen, Ruhpolding zu bauen, wenn man sich nun auf einen Standort beschränkt. Simon Schwaiger (CSU) attestierte der Skisprungschanze hohe Bedeutung, „es ist wichtig, dass die Sanierung kommt“. Dass nicht der gesamte Kälberstein „umgegraben“ wird, darüber freute sich Josef Stanggassinger (UBB). Wenig Verständnis zeigte er für die angedachte Eisspur, die „hohen Aufwand und Kosten bedeutet. Geht das nicht auch mit einem anderen Belag?“.

Tatsächlich gebe es Überlegungen, grundsätzlich Keramik zu nutzen. „Aber das dauert noch mindestens fünf Jahre“, ergänzte Franz Rasp. Michael Sturm (Grüne) lobte den guten Willen, „energieautark“ zu werden, wobei der Gemeinderat bedauert, dass die Sportstätte ausschließlich für Spitzensportler gedacht ist.

Marktbaumeister Peter Hasenknopf bezeichnete die Kälbersteinschanze als einen der „erfolgreichsten Trainingsstandorte Deutschlands“. Ein Großteil der deutschen Sportelite habe dort das Springen gelernt. Es wäre ein „fatales Zeichen“, die regionale Sportstätte dicht zu machen. Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber sieht das ähnlich: „Ich finde es gut, dass es bald nur noch eine Sprungschanze gibt und das Projekt mit der Unterstützung von Bund und Land finanztechnisch darstellbar geworden ist.“

kp

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