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Beliebter Brauch Krampus- und Buttnmandllaufen

„Ich mache keine Zombieschädel“ - zu Besuch beim Loavnschnitzer in Bischofswiesen

Hannes Funk hält eine seiner Larven in die Kamera
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Hannes Funk von Funkei Loavn

Bald ist es wieder so weit: Im Berchtesgadener Land gehen Kramperl und Buttnmandl mit dem Nikolaus von Haus zu Haus. Hannes Funk von Funkei Loavn schnitzt ihre schaurigen Holzmasken. Wie ist er dazu gekommen, wie entsteht eine Maske und was hält er von der Ausbreitung des Brauches?


Bischofswiesen - Ein kleiner Keller eines Wohnhauses in Bischofswiesen: Dort hat Hannes Funk seine Werkstatt Funkei Loavn eingerichtet. Auf der einen Seite steht die Werkbank, in der Ecke eine gemütliche Sitzbank, eine Räucherkerze brennt, an den Wänden hängen Fellfetzen, in Kisten stapeln sich Hörner, von den Wänden grinsen einen schaurige Gesichter an. Hannes Funk ist einer der wenigen Loavnschnitzer im Berchtesgadener Land. Er fertigt also die Masken (Larven) von Kramperln und Buttnmandln, die vor allem am 5. und 6. Dezember im Berchtesgadener Talkessel und inzwischen auch außerhalb dieses Zeitraums mit dem Nikolaus unterwegs sind.

Wie wird man Loavnschnitzer?

Seine ersten drei Lebensjahre verbrachte Hannes Funk im Berchtesgadener Talkessel, danach wuchs er in Bayerisch Gmain auf. Schon als kleines Kind war er fasziniert von Kramperln und Buttnmandln und drückte sich die Nase am Schaufenster des Loavnmachers „Guggei“ in Bischofswiesen platt, der für viele Schnitzer ein großes Vorbild ist. Mit zwölf Jahren machte er einen Kurs bei Stefan Rohrmoser in Bayerisch Gmain und schnitzte sich dort seine erste eigene Maske. Bald darauf lief er auch schon selbst als Kramperl. Und das bis zu seiner Hochzeit, denn danach ist es ja für junge Männer vorbei mit dem Laufen.

Im Moment schnitzt der 36-Jährige seine Loavn noch nebenbei, macht aber sein Hobby gerade zum Beruf. Im Februar hat ihn eine langwierige Corona-Erkrankung zum Umdenken gebracht: „Das hatte was Erleuchtendes. Ich dachte mir: Jetzt machst du das, was du immer schon machen wolltest.“ Er bestand die Aufnahmeprüfung bei der Schnitzschule Berchtesgaden und absolviert nun die dreijährige Ausbildung zum Bildhauer.

Wie eine Loavn entsteht

Zu Beginn fertigt er immer eine Skizze an: Soll der Mund offen und schief sein? Soll die Zunge raushängen? Sind Nase und Augenbrauen hochgezogen? Dann notiert er sich die Augenmaße und den Abstand zum Mund, und schon kann es los gehen.

In ein Viertel weiches Holz - also etwa Weimutskiefer, Linde, Zirbe oder Pappel - schneidet er mit der Motorsäge grob die Konturen, dann rückt er dem Holz mit großen Messern zu Leibe. Dafür benötigt man viel Kraft. Nun kommen immer feinere Messer zum Zuge, bis Details in der Mimik, wie etwa die Falten, entstehen. Hannes Funk mag es, wenn nicht geschliffen wird. „Der Betrachter darf sehen, dass geschnitzt und Hand angelegt wurde.“

Wie entsteht eine Kramperl- oder Buttnmandl-Maske?

Hannes Funk fertigt eine Skizze an
Zunächst fertigt Hannes Funk eine Skizze an © Melanie Fischer
Hannes Funk neben einem Viertel Stück Holz
Man beginnt mit einem Holzviertel © Melanie Fischer
Hannes Funk mit Motorsäge
Mit der Motorsäge werden die ersten Konturen geschaffen © Melanie Fischer
Hannes Funk zeigt seine Schnitzmesser
Mit Messern wird die Loavn verfeinert © Melanie Fischer
verschiedene Hörner
Die Hörner werden mit einem Holzkeil befüllt und an der Maske befestigt © Melanie Fischer
verschiedene Fellsorten
Verschiedene Fellsorten © Melanie Fischer
Verschluss einer Krampusmaske
Der Verschluss kann auch eine Snowboardbindung sein © Melanie Fischer

Als nächstes befestigt er die Hörner. „Mit Hörnern siehst du schon den ganzen Ausdruck. Wenn die falsch sitzen, sieht die ganze Loavn nach nichts aus.“ Hörner gibt es in verschiedenen Größen, Formen und Preislagen. Meistens verwendet er Kuhhörner, die er direkt im Talkessel bezieht. Manchmal kommen auch welche vom Geiß- oder Schafbock auf die Loavn. „Zackelschaf schaut gut aus, stinkt aber wie die Pest“, gibt er zu bedenken. Auch prächtige Steinbockhörner hat er schon verarbeitet. Die kosten stolze 400 Euro. In das Horn gibt er einen Holzzapfen, der dann von innen an die Maske angeschraubt wird.

Nun bemalt er die Loavn mit Acrylfarbe. Die Maske darf seiner Meinung nach durchaus naiv aussehen, denn sie soll ja keine zweite Haut, sondern etwas Befremdliches sein.

Zum Ende hin wird an das Fell ein Verschluss angebracht. Der besteht meistens aus einem dicken Gummiband. Hannes Funk hat aber auch schon bei richtig schweren Masken eine Snowboardbindung verwendet. Am liebsten verarbeitet er Ziegenfell, denn „das stinkt so schön“. Er hat aber auch Schaf- und Hasenfell sowie einen Rossschweif parat. Dieser ist für einzelne lange Strähnen gedacht. Das Fell wird schließlich an die Maske angeschraubt oder daran festgetackert.

Nach etwa zehn bis zwölf Stunden ist die Loavn fertig. Eine sehr einfache Maske beginnt bei 350 Euro, in der Regel kostet eine gute Loavn zwischen 400 und 500 Euro, wobei es nach oben je nach Ausführung und Material auch mal 1000 Euro sein können.

Jede Maske bekommt einen Namen

Hannes Funk hat eine ganz persönliche Beziehung zu seinen Loavn, daher gibt er ihnen auch immer einen Namen. „Das hier ist zum Beispiel der Depp, weil er so blöd schaut. Vielleicht bin ich das ja auch selber“, schmunzelt er. Gerade arbeitet er an der sogenannten Diaschdei-Reihe. „Der Diaschdei hat immer Durst und schaut, wo es Bier gibt, deswegen schielt er so.“ Bei der Gelegenheit öffnet der Schnitzer sich selbst ein Bier und holt die zweite Maske hervor, deren Augen in die andere Richtung nach Trinkbarem Ausschau halten. Der dritte Diaschdei wird bald in Berchtesgaden laufen und für das nächste Jahr gibt es schon neue Vorbestellungen.

Zu Besuch beim Maskenschnitzer in Bischofswiesen

Zwei Masken von Hannes Funk aus seiner Diaschdei-Reihe
Zwei Loavn aus der Diaschdei-Reihe © Melanie Fischer
Eine Krampusmaske mit Steinbock-Hörnern
Eine Maske mit Steinbock-Hörnern © Melanie Fischer
Masken in der Werkstatt von Hannes Funk
Masken in der Werkstatt von Hannes Funk © Melanie Fischer
Hannes Funk zeigt eine Fellmaske
Hannes funkt näht auch Fellmasken © Melanie Fischer
Eine Holzmaske hängt an der Werkstattwand
Schaurig geht es in der Werkstatt zu © Melanie Fischer

Eine Maske zeigt auch immer den Charakter des Trägers

Vom aktuellen Trend, dass Krampus- und Buttnmandlloavn immer mehr wie Zombies und Totenschädel aussehen, hält Hannes Funk nicht viel: „Die Maske war zwar ursprünglich dazu da, Geister zu vertreiben und darf schon etwas grausig sein, aber es geht für mich bei dem Brauch in erster Linie um die Kinder und da haben solche Masken nichts zu suchen. Viele Kinder sind ja schon vor dem Nikolaus ehrfürchtig und wenn dann noch einer mit so einer Zombieschädelfratze daherkommt, verstehe ich das nicht. Ich mache keine Zombiemasken.“ Der Schnitzer rechnet sich selbst während seiner Kramperlzeit zu den Vernünftigen, „ich hab aber auch miterlebt, wie Kramperl total auszucken.“ Die Loavn lässt dabei tief blicken: „Man sieht an der Maske den Charakter von einem Krampei. Es kann schon vorkommen, dass jemand, der eine Loavn aufhat, sein Inneres nach außen kehrt.“ Er appelliert dabei besonders an die Aufgabe der Alten: „Da muss ein Moasda schon mal dem Jungkrampei sagen: lass das.“  

Ein beliebter Brauch breitet sich aus

Dass sich das Kramperllaufen immer weiter außerhalb des Berchtesgadener Talkessels ausbreitet, ist für den Schnitzer einerseits in Ordnung, das spreche schließlich für die Beliebtheit und die Faszination des Brauches. Speziell die Strohbuttnmandl solle es andererseits aber nur im inneren Talkessel geben, denn nur da gehören sie hin. Nuancen dürften sich verändern, aber der Ursprung des Brauches solle auf jeden Fall erhalten bleiben. „Die Strukturen hinter dem Hallthurm sind schon ein bisschen anders. Ich verstehe da die Berchtesgadener, die sagen: So war es immer und es bleibt auch so. Es ist gut, dass es die Alten gibt, die darauf achten. Sonst wird es irgendwann ein reines Schaulaufen wie in Österreich. Aber solange der Sinn erhalten und der Brauch am Rande der Alpen bleibt, ist es vertretbar.“

Schauschnitzen am Florianiplatz

Bei den vielen Materialien wird es so langsam eng in der Werkstatt des Schnitzers. Daher sucht er eine neue Örtlichkeit, wo er auch nachts an seinen Loavn arbeiten und sich mehr ausbreiten kann. Außerdem rechnet er im nächsten Jahr mit mehr Aufträgen. Das Handwerk des Loavnschnitzens könnt Ihr übrigens live am Christkindlmarkt am Florianiplatz in Bad Reichenhall miterleben. Am zweiten Adventswochenende zeigt der Berchtesgadener Schnitzer Marius Brandner von Brandner-Masken sein Können. Am vierten Adventssonntag könnt Ihr Hannes Funk beim Schnitzen zusehen.

mf

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