Leserbrief: Beschwerde wegen Staus auf B20 in Bischofswiesen

"Von dieser Baustelle hängen unsere Jobs ab"

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Staus wegen Baustelle auf der B20 in Bischofswiesen
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Bischofswiesen - Die Baustelle auf der B20 in Bischofswiesen sorgt seit Wochen für Staus und Wartezeiten bei den Autofahrern. Das Ergebnis sind viele Beschwerden und Leserbriefe an die Medien. Das sagt die Gemeinde dazu:

In Bischofswiesen tut sich was. Nicht nur, dass die Gemeinde ein neues Bürgerzentrum bekommen soll, auch auf der B20, die mitten durch den Ort führt, wird eifrig gewerkelt. Geschwindigkeitsbegrenzungen und Staus samt Wartezeiten führen bei der Bevölkerung zu großer Kritik

Autofahrer brauchen Geduld: Lange Staus wegen Bauarbeiten  

Seitdem nur noch einspurig gefahren werden darf, laufen die Autofahrer noch mehr Sturm und versuchen ihrem Ärger Luft zu machen. So erreichte unsere Redaktion der folgende Leserbrief.

Leserbrief an unsere Redaktion zur Baustelle in Bischofswiesen

"Ich weiß, ich kann an der ganzen Situation nichts ändern, aber ich denke es ist nötig zu dem Thema Baustelle in Bischofswiesen etwas zu schreiben", so die junge Mutter in ihrem Schreiben an unsere Redaktion. 

Sie fährt ergänzend fort: "Ich bin, wie viele morgens drauf angewiesen rechtzeitig zur Arbeit zu kommen. Ich bin während der Woche alleinerziehend und kann meinen Sohn erst ab sieben Uhr im Kindergarten abgeben, um dann um 7.30 Uhr in Bad Reichenhall auf Arbeit sein. Leider stehe ich derzeit in der Regel um 7.30 Uhr noch immer in Bischofswiesen vor der Baustelle im Stau und komme dadurch jede Woche rund vier bis fünf Stunden zu spät zur Arbeit. Das kann ich als Alleinerziehende und in Teilzeit arbeitend nicht wieder aufbauen. Dazu kommt, dass ich noch in der Probezeit bin und kein Arbeitgeber ständiges Zuspätkommen akzeptiert, schon gar nicht in der Probezeit. Das Problem dabei ist die Ampel an der Kreuzung Aschauerweiherstraße. Aus den Seitenstraßen kommende Autofahrer werden in der Regel nicht reingelassen, was schon mal zu mindestens zwanzig Minuten Wartezeit führt. Hat man die Kreuzung geschafft, klappt es relativ gut. Abends ab ca. 16.40 Uhr geht überhaupt nichts mehr. Die Straßen von Berchtesgaden in Richtung Bischofswiesen sind voll, von der Stanggass aus ist alles voll, genauso wie die Straße vom Aschauerweiher nach Bischofswiesen oder von der Steinstraße in der Siedlung". 

Im weiteren Verlauf fährt sie fort: "Es ist eine Unverschämtheit, dass da nicht mal was gemacht wird. Bei Schnee und Eisglätte ist es auch nicht für jeden möglich über das Wachterl, das bedeutet, dass man auch nicht ausweichen kann. Ich bin nicht die einzige, die das Problem hat und nicht jeder hat einen Arbeitgeber, der dieses Zuspätkommen akzeptiert. Schon gar nicht, wenn es sich um rund fünf Stunden pro Woche handelt. Klar, es ist leicht gesagt, man kann ja früher losfahren, aber wie schon geschrieben, macht der Kindergarten erst um 7 Uhr auf. Jeden Morgen fährt eine Freundin dieselbe Strecke. Sie bringt ihr Kind ebenfalls um 7 Uhr in den Kindergarten und muss als Lehrerin dann pünktlich in der Schule sein. Es kann doch nicht sein, dass Schüler, Lehrer, Arbeiter usw. zu spät kommen, nur weil im Hauptberufsverkehr auf den Straßen das völlige Chaos herrscht. Wenn man es in klare Worten fassen soll, von dieser Baustelle hängen unsere Jobs ab und das geht definitiv zu weit", so das Schreiben unserer Leserin.

Das sagt die Gemeindebaumeisterin der Gemeinde Bischofswiesen dazu

BGLand24.de hat die Gemeindebaumeisterin Regine Enenkel der Gemeinde Bischofswiesen um ein Feedback gebeten: Das ist ihre Antwort:

"Die betroffene Bischofswiesenerin beschreibt eine ´Situation`, die grundsätzlich stellvertretend für sämtliche Pendler im Talkessel gilt und sich derzeit leider durch nichts ändern lässt, als die grundsätzliche Bereitschaft die Gegebenheiten hinzunehmen bzw. sich hinsichtlich Zeitmanagement anders zu organisieren. Leider wird diese Situation auch noch einige Tage anhalten

Wir von Seiten der Gemeinde wissen um die Problematik und bemühen uns eingehend um eine schnelle Abwicklung der Baumaßnahmen, um die zweispurige Verkehrsführung wieder gewährleisten zu können. Unter anderem führten aufwendigere Baumaßnahmen zur Erstellung der Stützmauer und zu einer verlängerten Phase der Ampelregelung

Spätestens Mitte Dezember – sofern das Wetter weiterhin mitspielt – sollte jedoch ein zweispuriger Verkehr wieder möglich sein. Von ´Unverschämtheit`kann keinesfalls geredet werden, da die Baumaßnahmen nicht nur von Seiten der Gemeinde als erforderlich angesehen werden, sondern seitens Straßenbauamt auch zwingend erforderlich wurden, um die B20 im Bereich der Achen-Engstelle dauerhaft zu sichern. 

Langfristiges Ziel ist schließlich auch den Verkehrsfluss durch Bischofswiesen – unwiderruflich DAS Nadelöhr im Talkessel – besser abzuwickeln als bislang der Fall und den Anforderungen hinsichtlich bedarfsorientierem Städtebaus – trotz sehr eingeschränkter Möglichkeiten – gerecht zu werden. Diese baulichen Maßnahmen erfordern im Gegenzug auch die Geduld, das (zeitlich begrenzte) Hinnehmen von Unannehmlichkeiten und eine gewisse Aufgeschlossenheit den erwünschten Veränderungen gegenüber. 

Der Beitrag jedes einzelnen Bürgers ist sicher nicht für jeden gleichmäßig spürbar, aber der Vorwurf ´Unverschämt` in keinster Weise angebracht. Unverschämt kann die Art und Weise bezeichnet werden, wie einzelne Verkehrsteilnehmer den Verkehrsfluss im Bereich der Ampelsteuerung bzw. des Staus beeinflussen. Autofahren ist Charaktersache: Egoismus – zugegeben mit fortschreitender Bauzeit zunehmend – führt mitunter auch zu dem beklagten Verkehrschaos. 

Ihre Bischofswiesenerin betreffend - stellvertretend für alle anderen Bürger auch - kann ich nur anraten, so früh wie möglich loszufahren und in diesem Fall eventuell die Unannehmlichkeit in Kauf zu nehmen vor dem Kindergarten bis zur Öffnung zu warten oder gegebenfalls mit anderen Eltern eine Lösung zu organisieren, so dass das Kind gemeinsam mit anderen Eltern zum Kindergarten gebracht wird und damit sicher zu stellen, dass für den Stau-Zeitraum die Arbeitsstelle rechtzeitig erreicht werden kann. 

Bei allem Verständnis seitens der Gemeinde, so ist in dieser Situation derzeit vor allem Organisationstalent, welches die Lage entspannen kann, unausweichlich. Das gilt auch für uns als Gemeinde, die mit besten Vorsätzen das Projekt Ortsdurchfahrt vertreten muss." 

Und wie geht´s weiter?

Bezüglich des weiteren Zeitplans erklärte Regine Enenkel: "Trotz aller Mühen für die Pendler, wird diese aktuelle Situation leider auch noch etwas dauern. Aufwendigere Baumaßnahmen zur Erstellung der Stützmauer führten zu einer verlängerten Phase der Ampelregelung. Nicht erwartete, aber mangelhafte geologische Verhältnisse erforderten eine zusätzliche Abwasserleitung im Bereich der Rampe für Spundwandarbeiten sowie einen Bodenaustausch unter dem zu erstellenden Fundament. 

Außerdem wurde zu Beginn der Sanierungsarbeiten an der Stützmauer ersichtlich, dass dort ein weitaus größerer Bereich abzubrechen und zu erneuern ist, als ursprünglich zu erwarten war. Sofern das Wetter weiterhin mitspielt, sollte jedoch ab 19. Dezember ein zweispuriger Verkehr wieder möglich sein." 

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