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„Alpines Dorf” auf Messers Schneide?

Mega-Hotelprojekt in Bischofswiesen - Planer versprechen Transparenz

Kurklinik Stanggaß
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Liegt seit mehr als 25 Jahren brach: das einstige Dietrich-Eckart-Krankenhaus, benannt nach Hitlers Ideengeber und Unterstützer.

Im Ortsteil Stanggaß im oberbayerischen Bischofswiesen soll auf dem Grundstück der seit über 25 Jahren brach liegenden ehemaligen Kurklinik ein neues Fünf-Sterne-Hotel mit 120 Zimmern entstehen. Planer Wolf Steinert aus Übersee versprach einen „Neustart“ und größtmögliche Transparenz im Planungsprozess. Die Bedenken sind groß. 2024/25 könnten beim Großprojekt die Bagger rollen.

Bischofswiesen – Die Skepsis unter Bischofswieser Gemeinderäten ist spürbar. Die Erfahrungen, die die Räte in den vergangenen Jahrzehnten mit mehreren Planern gemacht hatten, waren oft keine guten. Luxuriöse Neubaukonzepte wurden vorgestellt. Nach jahrelangen Planungen verebbten sie im Nichts, die Planer sprangen ab. „Viel Scheinattraktivität und zu wenig Substanz“, fasst Gemeinderat Hans Metzenleitner (SPD) zusammen. Das Kurklinik-Areal liegt im Berchtesgadener Talkessel in Bestlage. Häuser dort sind so teuer wie nirgends sonst, aber trotz allem ist das ehemalige Dietrich-Eckart-Krankenhaus, das 1942 während des Zweiten Weltkriegs als Wehrmachtlazarett genutzt wurde, seit langem brach liegende Ruine.

Ein „alpines Dorf“ soll auf dem 3,8 Hektar großen Grundstück künftig entstehen, das für eine Millionensumme 2019 den Besitzer wechselte. Wer genau Eigentümer ist, ist nicht klar. Mehrere deutsche Firmen sind daran beteiligt, einige Schweizer Unternehmen, wie Gemeinderat Paul Grafwallner weiß. Der vertretungsberechtigte Verantwortliche ist Renè Wilms, CEO der „Unique Hotels & Resorts“ aus Luzern, der aus Bischofswiesen aus in einem historischen Anwesen die Geschäfte führt. 

Ein Konzept für den hochpreisigen Markt

Derzeit arbeiten die Planer am vorhabenbezogenen Bebauungsplan, haben Gutachten in Auftrag gegeben, Geologen und Hydrologen herangezogen, der Baumbestand wird geprüft, spezielle artenrechtliche Untersuchungen laufen. Die Lage am Hang gilt als schwierig, spätestens seitdem im vergangenen Jahr ein Unwetter gezeigt hat, dass mit unkontrollierten Regenabflüssen nicht zu spaßen ist.

Mehrere naturschutzrelevante Flächen befinden sich auf dem Grundstück. In die Bebauung sollen sie nicht einfließen. Das Hotel, von dem es zwar schon einen Entwurf gibt, der aber noch hinter verschlossenen Türen wartet, soll eine große Tiefgarage erhalten, in der „die gesamte Logistik“ stattfinden soll für zwei Restaurants, mehrere Häuser samt Terrassen, Gärten, Wasserläufen, die sich auf dem Grundstück verteilen. Klar ist: Das Konzept spricht vor allem den internationalen, hochpreisigen Markt an. „Wir wollen auch die Einheimischen und die Leute aus der Region einbinden“, sagt Wolf Steinert, der die Absicht verfolgt, mit dem Haus am Platz so etwas wie einen „neuen Ortskern zu gestalten“ - samt Bäcker und Einkaufsmöglichkeiten. Bislang sind das nur Ideen, denn der vorhabenbezogene Bebauungsplan gibt der Gemeinde viel Mitspracherechte.

Nachbarn gehen bereits jetzt in Stellung. Sie fordern einen transparenten Planungsprozess, regelmäßige Informationen. Einige befürchten mit dem Hotel einen deutlichen Eingriff in den Ort und viel Verkehr im Wohngebiet. Eine transparente Vorgehensweise versprechen die Planer, sagt Wolf Steinert. Und René Wilms von „Unique Hotels & Resorts“ sagt, dass man alles dafür tun werde, um den Ansprüchen gerecht zu werden, und mit dem Haus ins Ortsbild zu passen. 

Wohnraum wird dringend gebraucht

Im Gemeinderat stellt man sich zudem die Frage nach Wohnraum für die bis zu 200 geplanten Arbeitsplätze. Wohnraum gilt als Mangelware im von Zweitwohnungen geprägten Ortsteil. „Die Wohnungen für Mitarbeiter müssen auf dem Grundstück entstehen“, fordert Thomas Resch (FWG), 2. Bürgermeister in Bischofswiesen. Die ohnehin angespannte Wohnsituation könne nicht durch ein Neubauprojekt unnötig angeheizt werden. 1. Bürgermeister Thomas Weber (CSU) sagt, die Gemeinde werde sich den Bedarf zusätzlichen Wohnraums genau ansehen. Im vorhabenbezogenen Bebauungsplan hat die Verwaltung Mitsprache, ehe es zu Entscheidungen kommt. Keinen Bedarf für das Hotel erkennt Grünen-Politiker Michael Sturm: „Wir brauchen Wohnraum, kein Hotel“, sagt er. Ob die Filetlage für „bezahlbaren Wohnraum“ geeignet ist?

Die Erwartungen im Gemeinderat an die Planer sind groß, aber auch die Skepsis ist es: Alle Gutachten müssten vorhanden sein, der Nachbarschaftsschutz habe höchste Priorität, eine Maximalbebauung auf dem Areal solle es nicht geben, regelmäßige Sachstandsberichte werden gefordert. „Da sind wir einer Meinung“, sagt auch Planer Wolf Steinert, der im März kommenden Jahres einen ersten Entwurf des Hauses präsentieren will. Zuvor möchte er aber „Sicherheit und Vertrauen“ unter allen Beteiligten aufbauen. Die Ausarbeitung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans und die Durchführung des Verfahrens würden rund zwei Jahre in Anspruch nehmen, ehe Ende 2024 oder Anfang 2025 mit dem eigentlichen Bau begonnen werden kann, falls alle Zustimmungen dann vorliegen. Mit 24 bis 30 Monaten Bauzeit rechnet die „Unique Hotels & Resorts“ aus Luzern.

Bereits Anfang Dezember soll auf dem künftigen Hotelareal „aufgeräumt“ werden, sagt Wolf Steinert: Baugrunduntersuchungen, Ordnungsmaßnahmen, Voruntersuchungen zum geplanten Gebäudeabriss. 

Gemeinderat Paul Grafwallner hat einen anderen Wunsch: „Wer steht hinter dem Projekt, wer gibt das Geld“, fragt er und fordert „absolute Transparenz über die Personen und Firmen“ aus Deutschland und der Schweiz ein. Auch das, sagt er, sei Teil des Vertrauensaufbaus.

kp 

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