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„Wenn man Polizei spielen will“

Autofahrer schlägt Fußgänger Tür in die Rippen - Streit in Bischofswiesen eskaliert und endet vor Gericht

Justitia
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Eine Figur der blinden Justitia.

Die Straße in Bischofswiesen ist kaum drei Meter breit. Und dort, nahe des Kindergartens, soll der 42-jährige Verkäufer viel zu schnell gefahren sein. Zumindest behauptete das ein 57-jähriger Anwohner, der wenig später die Autotür in die Rippen bekommen hatte.

Laufen / Bischofswiesen - Wegen Körperverletzung und Beleidigung sollte der Verkäufer 3000 Euro zahlen und einen Monat auf seinen Führerschein verzichten. Sein Einspruch gegen den Strafbefehl am Laufener Amtsgericht war letztlich erfolgreich.

„Jetzt übertreib nicht, du Idiot.“ 

Der Fußgänger mit seinem großen Hund soll „mit einem Ausfallschritt“ vor das Auto des Angeklagten getreten sein. Der 57-jährige Hundebesitzer aber will lediglich mit den Armen gestikuliert haben, weil der Verkäufer mit „recht hoher Geschwindigkeit“ dort gefahren sei. Bei offenem Fahrerfenster soll es dann zu einem „lautstarken Streit“ gekommen sein, wie eine 36-jährige Zeugin des Vorfalls berichtete. Von Beschimpfungen und Beleidigungen berichtete der 57-jährige Fußgänger, der schließlich die Fahrertüre in die Rippen bekommen hatte. „Ich dachte, es zieht mir dir Luft aus der Lunge“, berichtete der Hundebesitzer im Zeugenstand. Schließlich sei er zu Boden gegangen, worauf der Autofahrer zu ihm gesagt haben soll: „Jetzt übertreib nicht, du Idiot.“ 

Der angeklagte Autofahrer behauptete, der Fußgänger habe die Autotür aufgerissen und bei seinem Versuch, die wieder zu schließen, sei es zu dem Stoß gegen den 57-Jährigen gekommen. „Aber nur leicht“, wie der Angeklagte beteuerte. An eine Beleidigung wollte er sich nicht mehr erinnern. Die Zeugin berichtete von „aggressivem Rumschreien“. Sie will gesehen haben, wie der Fußgänger durch das geöffnete Seitenfenster gegriffen hat. Auf Nachfrage wollte sie aber einen Griff an den Türgriff des Autos nicht ausschließen. Gesehen hatte sie den Treffer der Fahrertüre gegen den Fußgänger.

Acht Tage lang Schmerzen

„Der ist zu Boden gegangen“, berichtete die Frau, die das Gefühl hatte, der Autofahrer wollte den Fußgänger abwehren. Ein Türöffnen wies der 57-jährige Hundebesitzer als „absoluten Blödsinn“ und „Quatsch“ zurück. Er war nach dem Vorfall zum Arzt gegangen und will rund acht Tage Schmerzen verspürt haben. 

Von „einer etwas schwierigen Beweisaufnahme“ sprach Rechtsreferendar Johannes Mertens, der zumindest von einer fahrlässigen Körperverletzung ausgehen wollte. Die Beleidigung sah der Vertreter der Staatsanwaltschaft noch „im sozialverträglichen Rahmen“. Mertens beantragte eine Geldstrafe von 50 Tagesssätzen zu je 40 Euro und ein einmonatiges Fahrverbot. 

Einen Denkzettel braucht es nicht

Rechtsanwalt Hans-Jörg Schwarzer hob den „Eindruck“ der Zeugin hervor, wonach der Autofahrer versucht habe, den anderen abzuwehren. „Das kommt davon, wenn man Polizist spielen und andere belehren will“, sagte der Verteidiger in Richtung Fußgänger. Sein Mandant habe einfach „wegkommen“ wollen; eine fahrlässige Körperverletzung sei allein vom Hundebesitzer veranlasst gewesen. Eine Beleidigung schloss der Verteidiger aus und beantragte Freispruch. 

„Da sind die beiden Richtigen aufeinander getroffen“, kommentierte Josef Haiker das Geschehen. Weil der Autofahrer nicht vorbestraft ist, entschied der Strafrichter auf 25 Tagessätze zu je 40 Euro, also 1000 Euro. Ein Fahrverbot gab es nicht, „weil der Fußgänger zumindest unterstützend mitgewirkt hat, sodass es keinen Denkzettel braucht.“ 

hhö

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