Militärübung im Zeichen des Steinbocks

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Bischofswiesen - Es ist wohl die größte und härteste Militärsübung in ganz Österreich: Bei der „Capricorn 2012“ machten diesmal auch 120 Soldaten aus Bischofswiesen mit.

„Unheimliches Getöse, Gewehrsalven, bedrohlich lautes Grollen, das von nackten felsigen Bergflanken widerhallt und Mark und Bein erschüttert. Gänsehaut macht sich breit. Dort wo Kanonenkugeln und Angst ums eigene Leben im Ersten Weltkrieg bitterer Alltag für die Soldaten im harten Gebirgskampf an der Karnischen Front in der Steiermark waren, ist diesmal alles nur Übung. Am Plöckenpass und in Kötschach-Mauthen übten rund 1100 Soldaten aus ganz Österreich und 120 Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 232 aus Bischofswiesen den Ernstfall vor dem Hintergrund eines möglichen Szenarios im Auslandseinsatz. Dabei ging es vor allem darum, wertvolle Infrastruktur im Energiebereich vor Anschlägen zu schützen und für Sicherheit zu sorgen.“

Seit Montag, den 12. März übten die Soldaten der 4./ GebJgBtl 232 zusammen mit österreichischen Kameraden eine Stabilisierungsoperation im Rahmen eines internationalen Einsatzes im hochalpinen Gelände. CAPRICORN wurde als eine Übung auf Verbandsebene vom Jägerbataillon 26 aus Spittal / AUT geplant, vorbereitet und im Raum Kötschach - Mauthen - Plöckenpass an der Grenze zu Italien durchgeführt. Der Übungszeitraum erstreckte sich vom 12. – 15. März. Insgesamt waren rund 1200 Soldaten aus Österreich und Deutschland beteiligt. Darüber hinaus kamen etwa 300 militärische Fahrzeuge, sowie elf Transporthubschrauber vom Typ S-70 "Black Hawk", Agusta Bell 212 und Bell OH-58 "Kiowa" zum Einsatz. Das Ziel der Übung war es, den Einsatz in hochalpinem Gelände und unter extremen Bedingungen abzubilden und die daraus resultierenden Herausforderungen bei der Versorgung der oftmals nur schwer zu erreichenden Truppe darzustellen.

Versorgungsgüter werden nur zu Fuß geliefert

Deutsche Gebirgsjäger im hochalpinen Gelände

Auch die 4./ GebJgBtl 232 wurde vor diese Herausforderungen gestellt. Von Montagmorgen bis Mittwochnachmittag hatte der Kompaniechef, Hauptmann Kauven, den Auftrag die westliche Flanke der im Raum eingesetzten multinationalen Task Force 26 (TF 26) zu sichern. Konkret bedeutete dies die Überwachung von markanten Geländepunkten eines Taleinganges auf einer Höhe von bis zu 2300m und den permanenten Einsatz seiner Männer unter widrigen Bedingungen. Denn hier bot sich dem Feind, der nach militärischen Grundsätzen organisiert war und mit einer Stärke von bis zu 200 Mann hätte angreifen können, die Möglichkeit in den Verantwortungsbereich der TF 26 einzudringen. Aufgrund des exponierten Einsatzraumes der Kompanie und den winterlichen Verhältnissen war eine fahrzeuggestützte Versorgung der in der Sicherung eingesetzten Kompanie nicht möglich. So musste sie täglich mehrmals von dem etwa 400 Höhenmeter und 1,5 Kilometer entfernten Kompanieversorgungspunkt zu Fuß versorgt werden. Dank der Unterstützung und mithilfe des Einsatzes der Tragtiere des EAZ aus Bad Reichenhall unter der Führung des Hauptfeldwebels Hänel und durch die gute Organisation der Kompanie selbst, gestaltete sich die Sicherstellung der Versorgung um ein vielfaches einfacher.

Auch bei der Verteidigung selbst konnte sich Hauptmann Kauven auf Spezialisten des Gebirgsjägerbataillons 232 abstützen. So war seine Kompanie mit Bergführertrupps des Hochgebirgsjägerzug und der 3./ GebJgBtl232, einem Aufklärungstrupp der 5./ GebJgBtl 232 und mit einem Rettungstrupp vom Standort Sanitätszentrum aus Bad Reichenhall verstärkt. Auch die kompanieeigenen Scharfschützen- und Granatmaschinenmaschinenwaffentrupps erwiesen sich als hervorragend geeignet für den Einsatz im Hochgebirge. So konnte der Kompaniechef feststellen, dass in den ersten Tagen der Übung die Herausforderung weniger in der taktische Lage lag, als eher in den Anforderungen, die das Gelände und die Witterungslage an die Männer stellte.

Der Angriff erfolgt

Deutsche Gebirgsjäger im Angriff

Während des Übungsverlaufes erhielt die Kompanie am dritten Übungstag den Auftrag die neue Reserve der TF 26 zu bilden. Zuvor war es dem Feind nämlich gelungen bei einer der österreichischen Nachbarkompanien einzudringen. Erst nach Einsatz der Reserve durch den Kommandeur der TF 26 Oberstleutnant Kury konnte er zurückgedrängt werden. Die Fühlung zum Feind, welcher sich im Bereich einer Almhütte am Ende eines Tals zur Verteidigung eingerichtet hatte, wurde durch die Österreicher gehalten und nun galt es diesen durch einen Gegenstoß zu zerschlagen. Dies war der Auftrag für die neue Reserve, nämlich die 4./ GebJgBtl 232. Pünktlich um 06 Uhr am Donnerstagmorgen sollte Hauptmann Kauven mit seiner Kompanie die Ablauflinie überschreiten und der Angriff sollte beginnen. Bereits in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hatte der Kompaniechef seine Aufklärungselemente im Raum eingesetzt und seine Scharfschützen als Deckungselement in seiner rechten Flanke in Stellung gebracht.

Nachdem die Kompanie pünktlich die Ablauflinie überschritten hatte und der Angriff zunächst planmäßig begann stellte sich alsbald das Gelände als größte Herausforderung dar. Das unbekannte und sehr herausfordernde weglose hochalpine Gelände und das überlegte Vorgehen des Kompaniechefs hatten zur Folgeführten dazu, dass die Kompanie rund drei Stunden für die Annäherung an den Feind benötigte. So gelang es den Spitzen der Kompanie jedoch sich unbemerkt anzunähern. Den Sturm- und Einbruch leitete das durch den Kompaniechef angeforderte Artilleriefeuer ein und nach dem letzten Aufschlag stürmten die ersten Soldaten des Bravo-Zuges in die Stellungen des bereits aufgeklärten Feindes.

Geländevorteil für den Feind

Stellungsbereich der deutschen Gebirgsjäger

Anfangs schien der Zug gut voran zu kommen, doch bald verzahnten sich die gegnerischen Kräfte aufgrund des stark durchschnittenen Geländes. Der Kompaniechef setzte seinen Alfa-Zug in der linken Flanke des Gegners ein, so dass dieser dadurch empfindlich gestört und der Bravo-Zug entlastet werden konnte. Dennoch waren der Geländevorteil und die Gegenwehr der feindlichen Kräfte zu groß. Hauptmann Kauven entschied sich deshalb die Stellungen zu halten und den Einsatz der luftbeweglichen Reserve der TF 26 anzufordern. So gelang es letztendlich im Zusammenwirken mit österreichischen und deutschen Kräften den Feind zu werfen und das Angriffsziel zu nehmen. Gleichzeitig stellte dies auch die finale Aktion dieser ereignisreichen Übung dar. Nach zügiger Nachbereitung und etwas Ruhe traten alle teilnehmenden Einheiten am Donnerstagabend des 15. März vor dem Rathaus in der österreichischen Marktgemeinde Kötschach-Mauthen an. Der Kommandeur des Jägerbataillons 26 und Übungsleiter, Herr Oberst Erhard Eder, dankte den angetretenen Soldaten für den engagierten und äußerst motivierten Einsatz sowie für die tadellos funktionierende Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Verbänden bei dieser Übung. Der stellvertretende Kommandant der österreichischen Streitkräfte, Generalmajor Dieter Heidecker, zeigte sich mit der Durchführung der zu Ende gegangenen Verbandsübung sehr zufrieden. "Bei der Übung 'Capricorn 2012' stand der Ausbildungsinhalt im Fokus des Themas Schutz und Sicherungsmaßnahmen für Einsätze im In- und Ausland. Diese Herausforderung haben die Gebirgssoldaten aus Deutschland und Österreich mit Erfolg gemeistert und gezeigt was sie können", fasste Heidecker das Ergebnis der einwöchigen Übung zusammen.

Teile der deutschen 4./ GebJgBtl 232 beim Flaggenappell

Für die Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 232 war die Übung ein voller Erfolg. So konnten sie bei dieser frei laufenden Übung in unbekanntem und äußerst anspruchsvollem Gelände nicht nur ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Kampf im Hochgebirge und unter extremen Witterungsbedingungen unter Beweis stellen, sondern auch viele Erfahrung sammeln und neue Erkenntnisse insbesondere in der Zusammenarbeit mit unseren österreichischen Partnern gewinnen.“

Pressemitteilung Gebirgsjägerbataillon 232 Bischofswiesen

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