„Wir werden etwas machen müssen“

Bischofswiesen - Wegen der Einstellung des Busverkehrs in die Stanggaß hagelt es weitere Kritik von den Anwohnern. Jetzt spricht der RVO-Niederlassungsleiter Andreas Datz:

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Die Vollsperrung der Staatsstraße 2097 beim „Haus der Berge“ mit einhergehender Aussetzung des öffentlichen Busverkehrs in die Stanggaß sorgt für zusätzlichen Unmut in der Bevölkerung – so etwa bei Erhard Herbst, selbst Betroffener und körperlich eingeschränkt. Fakt ist: Die Buslinien, die vormals durch den zu Bischofswiesen gehörenden Ortsteil gingen, wurden bis auf weiteres ausgesetzt. Aus gutem Grund, sagt Andreas Datz. Der Niederlassungsleiter der Regional Verkehr Oberbayern (RVO) äußert sich – und möchte so manche Entscheidung mit Argumenten untermauern.

Keine RVO-Busse: Anwohner empört

Wünscht sich eine Busanbindung für die Stanggaß: Erhard Herbst.

„So kann es nicht weitergehen“, sagt Erhard Herbst, der in direkter Nähe zur Bushaltestelle in der Stanggaß wohnt. Herbst ist Pensionist, „behindert“, wie er sagt, er ist auf das öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, kann es aber nicht nutzen. Autofahren? Das sei wegen der Behinderung nicht möglich. „Ich habe den Vorteil, dass ich Nachbarn habe, die mir helfen“. Doch empfindet er es persönlich als Zumutung, immer wieder seine Bekannten ansprechen zu müssen, wenn er etwas auf dem Herzen hat. Solange die öffentlichen Verkehrsmittel fuhren, war er eigenständig, konnte zum Arzt in den Markt Berchtesgaden fahren, zum Einkaufen. „Jetzt bin ich angewiesen, das ist kein guter Zustand auf längere Sicht hinaus“, sagt er. Und hat, weil es nicht anders möglich war, seine Arzttermine verschieben müssen. Erhard Herbst beschäftigt die Situation zusehends. Nur meckern? Nein, das möchte er nicht. Er hat sich zwischenzeitlich schon an jene gewandt, die Verantwortung tragen. „Irgendwie war aber keiner zuständig“, sagt er. Vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit, das für das „Haus der Berge“ Verantwortung trägt, erhielt er überhaupt keine Antwort. Bei der Gemeinde in Bischofswiesen konnte man ihm nicht weiterhelfen. Und auch bei der RVO wurde er bereits vorstellig und sprach mit dem Niederlassungsleiter Andreas Datz persönlich.

Kein RVO-Verkehr: Gefangen in der Stanggaß

RVO-Niederlassungsleiter Andreas Datz – mehrere Beschwerden sind hinsichtlich der fehlenden Busanbindung in der Stanggaß eingegangen: „Wir werden etwas machen müssen“, sagt er.

Nachfrage bei Datz. Der ist überrumpelt. Nicht wegen des Anrufs des Reporters, sondern wegen der Tatsache, dass er erst Ende März die Meldung vom Staatlichen Bauamt Traunstein erhielt, „dass aufgrund der Straßenbauarbeiten im Bereich Haus der Berge eine Vollsperrung ab Anfang April für mehrere Wochen eingerichtet“ werde. Die Vorlaufzeit sei sehr kurz gewesen, das „intensive Genehmigungsprozedere“ habe den Gestaltungsspielraum des Busunternehmens eingeschränkt. Schnell mussten Entscheidungen getroffen werden.

Nur Schulbusse werden derzeit im Bischofswieser Ortsteil Stanggaß bedient.

Nach Auswertung von Kontrollberichten und RVO-interner Abstimmung kam Datz zu dem Entschluss, „dass es lediglich für den Schülerverkehr Richtung Berchtesgaden eine Anbindung“ in der Stanggaß geben könne. In der Früh und am Mittag. Er widerspricht den Aussagen seines Stellvertreters, Josef Renoth, der auch wirtschaftliche Überlegungen angeführt hatte. „Wirtschaftliche Gesichtspunkte“ stellten keinen Grund für die Einstellung des Linienverkehrs dar, vielmehr die Tatsache, dass sich der Linienverkehr nach genehmigten Fahrplänen richtet, deren Fahrzeiten einzuhalten seien. „Das nennt sich Fahrplanpflicht“, sagt Datz. Alternativ hätte es einer Fahrplanänderung bedurft, die von RVO-Seite aber einen Vorlauf von sechs bis acht Wochen benötigt hätte. „Dies war etwa bei der Vollsperrung am Obersalzberg wegen Straßenbauarbeiten möglich.“ Aber auch nur, weil der RVO frühzeitig informiert worden war. Der Linienverkehr für die Stanggaß habe indes nicht fortgesetzt werden können, da dies bei jeder Fahrt einen Verzug von mehreren Minuten bedeutet hätte. „Wichtige Zug- und Busanschlüsse hätten nicht mehr sichergestellt werden können“, sagt Datz rechtfertigend. Anschlussprobleme für Schüler und Berufspendler wären die Folge gewesen.

Nicht korrekt war eine weitere Aussage Renoths, die Busse könnten in der Stanggaß nicht wenden. Denn im Bischofswieser Ortsteil gibt es eine Wendeplatte, die diese nutzen können – auch Linienbusse sind in der Lage, dort problemlos zu wenden. Eine Entschuldigung richtete Datz in Richtung einer RVO-Nutzerin, deren Anliegen (wir berichteten) zunächst nach München weitergeleitet worden war. „Das ist nicht gängige Praxis bei uns“, so Datz: „Regionale Probleme werden regional gelöst. Das ist Teil unserer Unternehmensstrategie“. So auch die bereits im Jahr 2003 vollzogene Umstellung der Busflotte auf Niederflurtechnik, die vor allem körperlich eingeschränkten Personen entgegenkommt. „Behinderte Menschen sind bei der RVO willkommen, die Ausstattung mit Rollstuhlrampen ist heute bei nahezu allen Bussen gegeben“, sagt Datz. Dass die Verantwortlichen bei der Busanbindung in der Stanggaß nun etwas unternehmen müssten, erkennt der Niederlassungsleiter: „Mehrere Beschwerden sind bei uns eingegangen“. Man müsse nun reagieren.

kp

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