Spitzkehren, Steinpassagen und Schrägfahrten

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Bischofswiesen - „Bis letzte Woche war hier noch Urwald“, sagt Flo Gottschlich, Profi-Mountainbiker aus Bischofswiesen. Bald steht in der Strub aber ein Bikepark 

Der Bagger brummt vor sich hin. Die Schaufel gräbt sich durch das Erdreich im Wald. „Bis letzte Woche war hier noch Urwald“, sagt Flo Gottschlich, Profi-Mountainbiker aus Bischofswiesen. Derzeit ist er schwer beschäftigt. Er baut einen Mountainbike-Freizeitparcours in Eigenregie. Mitten in der Strub, unweit des ASL-Hochseilgartens.

Erlebnispark für Mountainbiker entsteht

Ein Hügel folgt auf den nächsten. Rauf und runter geht es, Links- und Rechtskehren folgen. Dann eine Steilkurve. Gleich darauf: eine Rampe, um in die Luft abzuheben. „Wenn man das Rad richtig pusht, baut man Geschwindigkeit auf“, sagt Gottschlich. In Zukunft sollen hier Zweirad-Freaks wie Derwische durch das Wald-Labyrinth wildern. Dort, wo Bäume und Sträucher waren, befinden sich nun Erdwälle und Rampen. Der Mountainbike-Freizeitparcours, von Profis „Pump Track“ genannt, schält sich langsam aber sicher aus dem Untergrund. Und Flo Gottschlich weiß genau, wie das Endprodukt aussehen soll. Denn immerhin ist er auf dem Zweirad zuhause, fährt internationale Wettbewerbe und beklagt den Umstand, dass seine Sportart viel zu stiefmütterlich behandelt würde.

Das Baggerfahren hat er sich selbst beigebracht. In Benedikt Schuster hat er einen Mitstreiter gefunden, der Gottschlichs Vorstellung finanziell trägt. Schuster sagt: „Für unsere Jugend wird viel zu wenig getan“. Und weil das so ist, möchte er sich an einer Realisierung beteiligen. Schuster erkennt das Potenzial, das der mit Action gespickte Mountainbike-Parcours mit sich bringt. „Junge Leute können ihrem Hobby frönen – ob Einsteiger oder Profi“. Bislang gibt es weit und breit keine vergleichbare Strecke.

In Garching an der Alz existiert ein ähnliches Angebot, das laut Gottschlich gut angenommen wird. Im Berchtesgadener Talkessel stößt er hingegen immer wieder auf Ablehnung seiner „Randsportart“. In den letzten Jahren scheint sich diese aber zu etablieren. So ist es kaum verwunderlich, dass im österreichischen Saalbach-Hinterglemm schon heute zahlreiche Abfahrten für wagemutige Zweirad-Künstler auf ihre Erkundung warten. Sowohl Männer als auch Frauen springen auf den Sattel auf. Und Gottschlich möchte die Gelegenheit bieten, reinschnuppern zu können. Mitten in Bischofswiesen.

Bike-Trainings will er auf dem Mountainbike-Erlebnispark anbieten. Workshops für die Fahrtechnik. Eine theoretische Annäherung an einen Sport, der, so Gottschlich, von Kindesbeinen an betrieben werden kann. Und der Parcours ist noch längst nicht alles, was in Bischofswiesen entstehen soll. Auch ein sogenannter Single-Trail-Rundkurs befindet sich im Aufbau. Ein abgesteckter Pfad, der quer durch den Wald führt, einen Berg nach unten, ein paar Spitzkehren, Steinpassagen, Stufen und Schrägfahrten inklusive - auf der anderen Seite geht es wieder nach oben zum Ausgangspunkt. „350 Meter lang“, sagt der Mountainbike-Experte. Ein Eldorado für jeden Biker.

Dass sich der Mountainbike-Park etablieren wird, da ist sich Benedikt Schuster sicher. „Die Leute fahren sehr weit, um ihr Hobby betreiben zu können“. Und wenn dann das entsprechende Angebot vor Ort existiert, könnte auch Bischofswiesen jene magnetische Anziehungskraft ausüben, die Orte wie Saalbach-Hinterglemm schon seit langer Zeit mit sich bringen. „Ein actionreicher Tag“ – so lautet das Ziel der beiden überzeugten Mountainbike-Verfechter. Bis spätestens Ende August soll sowohl der Erlebnispark als auch der Rundkurs fertiggestellt sein. „Dann geht es los“, freut sich Schuster. Einen Strich durch die Rechnung lassen sich die beiden nicht mehr machen.

kp

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