Bergwacht: Übung macht den Meister

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Teisenberg - Die Bergwacht ist gerüstet für den Extremfall. Bei einer Übung unter realen Bedingungen wurde die Rettung von mehreren Verschütteten trainiert.

Die Bergwachten des Einsatzleitbereichs Saalachtal haben am Teisenberg unter realistischen Bedingungen den koordinierten Einsatz nach einem Lawinenabgang mit Mehrfachverschüttung trainiert. 30 Bergwachtleute und drei Suchhunde mussten zwei Lawinenfelder nach insgesamt fünf angenommenen Verschütteten absuchen.

Übung zur Mehrfachverschüttung

Zur Sicherheit der Retter wurde zuvor das Risiko möglicher Nachlawinen genau beurteilt und an der Grenze zum Gefahrenbereich eine Sicherheitsschleuse eingerichtet. Samstagvormittag im Tal bei Anger: Es herrscht Lawinenwarnstufe 3 und dicke Flocken fallen vom Himmel herab. Wolken, Schnee und Nebel mindern die Sicht in Richtung Berg.

30 Einsatzkräfte der Bergwachten Bad Reichenhall, Freilassing und Teisendorf-Anger sammeln sich und werden vom Einsatzleiter kurz in die angenommene Lage eingewiesen: Zwei Lawinenfelder müssen abgesucht werden. Es gibt nur ungenaue Angaben zur Zahl der Verschütteten.

Mit einem erfahrenen Team wägt der Einsatzleiter zunächst das Risiko ab, ob die Rettungsaktion angesichts der Gefahr für die Helfer durch mögliche Nachlawinen überhaupt durchführbar ist.

Während die erste Einsatzgruppe mit Skiern direkt in Richtung des Lawinenkegels aufsteigt, schickt der Einsatzleiter die Bergwacht-Geländewagen über die geräumte Forststraße los.

„Wir richteten außerhalb des Gefahrenbereichs eine Schleuse mit Registrierung ein, an der die komplette persönliche Schutzausrüstung der Einsatzkräfte mit Verschütteten-Suchgerät (LVS-Gerät), Lawinenairbag, Sonde und Schaufel kontrolliert wurde“, erklärt Ausbildungsleiter Alfons Abfalter von der Bergwacht Teisendorf-Anger.

Bei einer Nachlawine weiß der Einsatzleiter dank der Registrierung sofort, wie viele Retter betroffen sind. Airbag und LVS-Gerät steigern dabei die Überlebenschancen immens. Die Lawinenhunde schlagen nach nur kurzer Zeit im ersten Lawinenfeld an. Dort wurden vom Vorbereitungsteam zuvor zwei Puppen vergraben.

Mit vereinten Kräften werden die fiktiven Opfer aus ihrem weißen Grab befreit. Einer lebt, für den anderen kommt jede Hilfe zu spät – per Akja wird der Gerettete ins Tal transportiert.

Im zweiten Lawinenkegel sind drei LVS-Geräte in einer Tiefe von bis zu eineinhalb Metern vergraben. Der zweite Trupp wird mit den Suchgeräten schnell fündig und muss tief buddeln, bis er auf die vermeintlichen Verschütteten trifft.

Ein Lawineneinsatz am Teisenberg erscheint zunächst unwahrscheinlich, war aber bereits Realität: Am 11. Februar 2004 stieg in den Morgenstunden ein einheimischer Skitourengeher in Richtung der Stoißer Alm auf, um seinen Kameraden, die bereits auf der Hütte waren, ein Weißwurstfrühstück nachzubringen.

Er benutzte die Normalstraße vom Kohlhäusl über Weidegebiet zur Stoißer Alm. Gegen 12 Uhr löste er beim Überqueren einer freien Fläche in einer Höhe von rund 1.200 Metern breites Schneebrett aus. Er wurde von den Schneemassen mitgerissen und zur Gänze verschüttete.

Da der Schnee sehr locker war und sich seine Hände nahe der Schneeoberfläche befanden, konnte er sich selbständig aus den Schneemassen befreien. Anschließend alarmierte er die Bergwacht, die ihn zu Tal brachte.

Pressemeldung BRK BGL

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