Bergwacht im Dauereinsatz: Belastung noch tragbar?

Pichler: "Bei schlechtem Wetter kann schnell ein extremer Einsatz daraus werden"

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David Pichler versucht als Hauptamtlicher bei der Bergwacht Chiemgau den Ehrenamtlichen zumindest die administratorischen Aufgaben abzunehmen.
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Landkreis - Gefühlt sind die Bergwachten in der Region im Dauereinsatz. Verstiegene, verletzte, abgestürzte Personen - die Bergwacht ist da. Auch bei völliger Erschöpfung ermöglichen die Retter den Weg ins Tal und das ehrenamtlich. Ist das für die Bergwacht Chiemgau noch tragbar?

"Ja", ist die klare Antwort von David Pichler, dem hauptamtlichen Geschäftsführer der Bergwacht Chiemgau. "Aktuell funktioniert es, die Bergwachten können es stemmen." Es funktioniert, dass bei jedem Alarm genug Retter ausrücken, um in den Bergen zu helfen, weil es gut organisiert ist. "Viele nehmen sich während ihrer Bereitschaft Urlaub, einige arbeiten im Schichtbetrieb, viele sind selbstständig." Es gehört also eine Menge eigenes Engagement dazu, dass Leben gerettet werden können.

Die Retter selbst bekommen keinen Cent für ihren Einsatz, sie machen es freiwillig. "Für die Arbeitgeber gibt es seit einigen Jahren die gesetzliche Retterfreistellung", bestätigt Pichler. Das heißt, der Arbeitgeber lässt den Bergwachtler zum Einsatz und bekommt dafür die Lohnkosten vom Staat erstattet, auch ein Selbstständiger bekommt diese Unterstützung, nur die Arbeit macht sich in der Zwischenzeit natürlich nicht allein.

Haupt-Bergsaison ist hart

Trotzdem hat die Bergwacht noch keine Nachwuchs-Probleme und auch die Einsätze werden professionell abgewickelt. "Berchtesgaden ist im Sommer natürlich die einsatzstärkste Region", weiß der Bergwacht-Geschäftsführer. "Deshalb haben sie zumindest eine Teilzeitstelle. Ein Retter kümmert sich um die Einsatz-Vor- und Nachbereitung."

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Diese hauptamtliche Unterstützung ist nötig, denn die Haupt-Bergsaison ist hart. Das muss auch David Pichler zugeben. "Unsere Einsatzlage ist natürlich vom Wetter abhängig und vom Tourismus." In den Ferien und bei schönem Wetter ist in den Bergen einfach mehr los, darum passiert auch mehr. "Bei schönem Wetter ist eine Rettung mit Hubschrauber oft schnell abgewickelt. Bei Nebel oder schlechtem Wetter kann schnell ein extremer Einsatz daraus werden."

Ehrenamtlich riskieren Retter ihr Leben

Diesen Fall hatte die Bergwacht Ende Juli, als eine 22-Jährige am Watzmann 50 Meter abstürzte und eine Hubschrauberrettung nicht möglich war. Zwölf Stunden waren 37 Retter und vier Hubschrauber im Einsatz, um die Frau ins Tal zu bringen, dabei geht es je nach Verletzung oft um Minuten. "Bei einem bodengebundenen Einsatz braucht man gleich viel mehr Leute, viel mehr Material und es dauert natürlich dementsprechend länger."

Bei jedem Einsatz riskieren die ehrenamtlichen Retter ihr Leben. Natürlich wird ihre Arbeit auch unterstützt. Muss neues Material oder ein neues Fahrzeug angeschafft werden, übernimmt das das Bayerische Innenministerium. Die Einsatzkosten werden direkt mit den Patienten oder deren Krankenkassen abgerechnet. "Aber unsere wichtigste Säule sind Spenden und Förderer", betont der Bergwacht-Geschäftsführer. Auch in diesem Bereich sorgt das freiwillige Engagement dafür das der Laden läuft.

Deshalb können wir nur danke sagen, dass die Bergwacht Chiemgau 365 Tage im Jahr 24 Stunden auf die Notrufe reagiert, dabei nie ein böses Wort verliert und die rund 1000 Einsätze im Jahr einfach abwickelt. DANKE!

cz

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