Altes Blech in schicken Kleidern

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Berchtesgaden – 200 Oldtimer, 300 Helfer, 600 Etappenkilometer: schon die Zahlen allein sind beeindruckend. Bei der der 17. Württembergischen Classic war viel geboten.

Für Thomas Schäfer, Organisationsleiter der 17. Württembergischen Classic, war die Premieren-Veranstaltung der großen Oldtimer-Begegnung ein voller Erfolg. Neben Rennfahrer-Legenden wie Eberhard Mahle waren es vor allem die historischen Boliden, die bei den Zuschauern begeistern konnten. Darunter auch ein Mercedes-Benz SSK, Baujahr 1928. Geschätzter Liebhaberpreis? Schäfer lacht: „Gewiss im zweistelligen Millionenbereich“.

Es war ein Treffen der Superlative. Klassische und sportliche Gefährte, flinke Formel-Flitzer und prahlerische PS-Protze. Inklusive brummender Oldie-Motoren, die den Marktkern von Berchtesgaden während der Fahrerparade in eine Benzin-Dunstglocke hüllten. Thomas Schäfer, Organisationsleiter und selbst ausgewiesener Experte für historische Fahrzeuge, sagt, dass Oldtimer-Veranstaltungen immer auf große Resonanz stoßen. Der Bazillus „Oldtimer“ eben. Dagegen gebe es noch kein „Antibiotikum“. Das Auto also als Liebling der Nation.

Mit dem Oldtimer durch Berchtesgaden

Wenn dann das Objekt der Begierde schon ein paar Jahrzehnte mehr auf dem Buckel hat, steigt die Faszination gegenüber den technischen Errungenschaften. Seit 1994 findet das Oldtimer-Treffen statt. Jedes Jahr ein neuer Austragungsort, „wir waren noch nie zwei Mal am gleichen Ort“, sagt Schäfer. Mitmach-Regeln: Das Fahrzeug darf maximal Baujahr 1984 sein. „Es gibt aber viel mehr Anmeldungen, als letztlich Teilnehmer vor Ort sind“, so Schäfer.

Warum gerade Berchtesgaden? „Natürlich wegen der Landschaft“, meint der bullige Fahrzeugliebhaber. Fünf Mal habe man bislang in Bayern Station gemacht. Die Berge, die weitläufigen Wiesen, die romantischen Dörfer und Gemeinden. „Perfekt für uns“. Ziel sei es, in die Urlaubsregionen zu gehen, dort, wo viele Leute sind, die sich an den Oldtimern begeistern können: „Die Menschen wollen das Benzin schnuppern und die alten Fahrzeugformen sehen“, sagt Schäfer. Auch in Berchtesgaden stieß die Fahrerparade auf große Resonanz. Im Marktbereich: Ein „Schaulauf“ von 200 echten Hinguckern, darunter Sportprototypen wie ein Porsche 910 von 1967, ein Brixner Spyder mit NSU-Triebwerk von 1969, der Brabham BT 21 Formel 2 oder der einzige gebaute Formel 1 Hill Embassy (1975).

Schnappschüsse für’s Fotoalbum gab es zuhauf. Der eigentliche Anlass für die Teilnahme der 200 Fahrer: die rund 600 Kilometer lange Route quer durch das Berchtesgadener Land, mit Abstechern nach Österreich und nach Traunstein. Der Prolog fand auf der Roßfeld-Bergrennstrecke statt, auf der in den frühen 60er Jahren bereits Rennfahrer-Legenden wie Eberhard Mahle ihre Runden drehten. Auf Etappe eins einen Tag später ging es nach Österreich über die Postalm, weiter zum Salzburgring, die Rennstrecke am Gaisberg hoch und über Bad Reichenhall zurück nach Berchtesgaden. Einen Tag drauf hieß es für das „rollende Museum“ in eine Voralpenschleife einzusteigen, mit Stopps in Angerer, Waging am See und Traunstein. Und natürlich stellte ein Moderator alle Oldie-Fahrzeuge in einer witzig-frechen Moderation im Detail vor. Dass immer wieder auch Prüfungen anstanden, gehört zum Geschäft: etwa Gleichmäßigkeitstests. Eine unbekannte Strecke muss dann mit einer vorgegebenen Durchschnittsgeschwindigkeit bewältigt werden.

„Bei uns geht es nie um das „Wer-ist-am-schnellsten-Prinzip“, sagt Schäfer stolz. „Echte Oldtimer gibt es in Deutschland mehr als man denkt“. 353.000 etwa. 30 Jahre alt muss ein Bolide sein, um als historisches Fahrzeug durchzugehen. Die Kilometerleistung pro Jahr liegt in der Regel zwischen 3000 und 5000. Nicht zu viel, aber eben auch nicht zu wenig, denn das gesamte Jahr über möchte ein Oldtimer-Besitzer sein vierrädriges Schmuckstück nun auch nicht in der Garage stehenlassen.

Was sind das eigentlich für Menschen, die Oldtimer-Fahrer? „Das kann jeder sein“, sagt Schäfer. Erfolgreiche Geschäftsmänner und Handwerker geben sich die Klinke in die Hand. „Im Durchschnitt haben Oldtimer im Bundesdurchschnitt einen Wert von 12.000 Euro“, sagt er. Das könne sich jede soziale Schicht leisten. „Überhaupt“, so der Verantwortliche, „verbindet unser Hobby“. Jeder kommt mit jedem ins Gespräch, „keine sozialen Unterschiede“, das verbindende Element sind die Autos. Ob VW Golf 1 oder aber die Rarität Mercedes-Benz SSK, Baujahr 1928. Viele Millionen Euro müssten Liebhaber hinlegen, um bei dem seltenen Objekt auch nur den Hauch einer Bieter-Chance zu haben. Aber so teuer muss es gar nicht sein.

Thomas Schäfer hat 1986 die Liebe zu Oldtimern entdeckt. „Altes Blech“ nennt er die historischen Gefährte liebevoll. Selbst hat er mehrere Autos zuhause in der Garage. Wie viele? Darüber schweigt er sich aus. Verrät aber, dass es zur Sucht werden kann. „Wenn man einen hat, kommt irgendwann ein zweiter“. Verschiedene Fahrzeuge für verschiedene Anlässe. Dass es dann teuer werden kann, bestätigt Schäfer mit einem Nicken. Den feierlichen Abschluss der Württembergischen Classic bildete ein großer Festabend im Kongresshaus in Berchtesgaden. Ob es eine Folgeveranstaltung im nächsten Jahr geben wird, wird sich zeigen. Bislang steht noch nichts fest.

kp

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