Pfarrheim-Flohmarkt wieder voller Erfolg

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Tausende Flohmarkt-Besucher

Berchtesgaden - Bei optimalem Wetter tummelten sich viele Besucher auf dem 35. Flohmarkt im Pfarrheim St. Andreas.

„So voll war es noch nie“, sagt Willi Sendensky, ehrenamtlicher Helfer. Das Pfarrheim in Berchtesgaden platzt aus allen Nähten. Es ist Flohmarkt. Im 35. Jahr. Eine Erfolgsgeschichte der ganz besonderen Art. Hunderte Menschen drängen sich durch die schmalen Gänge. Auf der Suche nach Krusch und Krempel, nach Getragenem – und zwar zum günstigsten Preis. „Die Ersten waren schon um halb sechs vor der Tür gestanden“, so Sendensky.

Das Wetter hat es mit den Flohmarkt-Machern gut gemeint: Die Sonne liegt hinter einer Wolkenschicht verborgen. Kein Badewetter, sondern Flohmarkt-Wetter. Das sehen viele Besucher ähnlich. Der Schlossplatz vor der Stiftskirche wurde umfunktioniert, ein großer Parkplatz installiert. Um gewappnet zu sein für einen Besucheransturm, den die Macher nach eigener Aussage in all den Jahren noch nie erlebt hatten. Parkplätze? Sind nach kürzester Zeit alle belegt. Ein regelrechter Pilgerstrom zieht vom Markt Berchtesgaden in Richtung Pfarrheim. Viele haben Tüten mit dabei, Rucksäcke, Kartons. „Ich weiß, dass ich am Ende nicht ohne leere Hände nach Hause gehe“, sagt eine ältere Dame, die gerade tief in einem Kleiderstapel wühlt. Gefühlte Tonnen an Klamotten finden sich im oberen Geschoss des Pfarrheims. Reihen voller Pullover, Mäntel, Kleider und Röcke. Alles bereits getragen – dafür für günstiges Geld zu bekommen. „Ein Paradies“, lacht eine andere Mittfünfzigerin, die sich für ein paar Einzelteile entschieden hat. Ein bunter Faltenrock, ein blumiges Oberteil. Nur ein paar Euro. Sie zieht die Schultern nach oben, freut sich über ihre Wahl. Man muss schon gute Nerven haben, wenn man sich durch das weitläufige Gebäude quetscht, vorbei an Weltliteratur, buntem Krimskrams – was das alles sein soll, bleibt nach dem ersten Blick ungeklärt. Es geht weiter vorbei an gemalter Kunst, Antiquitäten – ein reichhaltiger Fundus, der Geschmack vieler.

Viele Besucher auf dem Pfarrheim-Flohmarkt

Roland Meier aus der Nähe von Bad Reichenhall ist wegen des Flohmarkts nach Berchtesgaden gekommen. „Für ein Schnäppchen“, sagt er. Er ist regelmäßiger Flohmarkt-Besucher, immer auf der Suche nach der Rarität. Er ist Sammler. Was genau, möchte er nicht verraten. Alt müsse es sein - und klein. Porzellanfiguren? „Ich werd’s nicht sagen“, meint er mit einem Schmunzeln. Dann hat er eine kleine Schale im Visier. Bunt bemalt. Geschmackssache. In Roland Meiers Augen ein „tolles Stück“. Ob er es kauft? Erst wolle er sich einen Überblick verschaffen. Und dann, dann komme er zurück und schlage zu. Währenddessen geht es im Reich der Bücher zu, als gäbe es etwas zu verschenken. Wartezeiten von mehreren Minuten inklusive, um nur eine kleine Runde durch den Raum zu drehen. Verstopfungsgefahr. Gemeinderätin und Flohmarkt-Helferin Ute Spiesberger hat viel zu tun. Sie scheint zufrieden, weiß aber: „Abgerechnet wird erst am Schluss.“ Draußen, im Freigelände, geht es auch heiß her. Nicht nur, dass man hier etwas gegen den Hunger machen kann, nein, auch die zum Kochen notwendigen Utensilien finden sich dort draußen. Ausgebreitet auf der Wiese. Ein Meer aus Töpfen, Schüsseln und Bratenpfannen. „Hier haben wir eine tolle Reibe“ – eine junge Frau preist das Objekt der Begierde mit Leidenschaft an. „Das könntest Du doch bestimmt gut brauchen“, sagt sie in Richtung des Reporters. Schmunzeln. Wenn da nicht so viele andere Flohmarkt-Ecken wären. Für den Beobachter, der auf den besonderen Augenblick wartet, offenbaren sich eine Menge an Momenten, die das Erlebnis wert sind. Der handfeste „Streit“ um ein schönes Kleidungsteil, die Preisverhandlung um ein altes Stück Technik, Massenrabatte gibt es natürlich auch – und: „Wenn Sie alle fünf Bücher nehmen, kriegen Sie eines umsonst.“ Auf dem Flohmarkt, übrigens einer der ältesten und größten im südostbayerischen Raum, weiß man halt, wie man den Kunden um den Finger wickeln kann. Der Erlös kommt mehreren wohltätigen Zwecken zugute. Fündig ist am Ende noch ein jeder geworden.

kp

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