Überzeugt von der neuen "grünen" Technologie

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Berchtesgaden - Her mit den "Grünen Autos": Das hat sich auch Martin Scheifler gedacht und rüstet für seine Schreinerei komplett auf Elektro-Fahrzeuge um.

„Wir wollen die Leute anstecken, Energie zu tanken“, sagt Schreinermeister Martin Scheifler und lacht. Er meint es ernst. Gerade eben tauscht er all seine Fahrzeuge aus. Benzin-Schlucker verschwinden, E-Autos ersetzen diese. In der Öffentlichkeit hätten sich Elektroautos immer zu rechtfertigen, sagt er. „Die Menschen rechnen nur in Reichweite“. Aus eigener Erfahrung weiß er aber: „80 Prozent aller Fahrten sind ohne Benziner machbar“.

Martin Scheifler weiß, dass er nicht jeden Autobesitzer überzeugen kann. „Ein Auto ist ein Prestigeobjekt“. Und Prestigeobjekte gibt man nicht einfach her. Tempo, Pferdestärken, Ausstattung – all das zählt viel. Und diesen Spaß lässt sich so mancher auch einiges kosten. Scheifler hat das Lager gewechselt. Schritt für Schritt. Begonnen hat alles vor etwa 20 Jahren: Eine Hackschnitzelheizung machte ihn vom Öl unabhängig. Mehrfach wechselte die Familie in den Folgejahren die Glasscheiben der Schreinerei aus. Energie zu sparen war das Ziel. Und Scheifler spürte die Effekte. Eine Fünf-Zentimeter-Isolierung wurde mit einer 16-Zentimeter-Dämmung ergänzt, die gesamte Beleuchtung gewechselt, das Hausdach mit Photovoltaikpanelen zugepflastert.

Unabhängig möchte er werden. Schritt für Schritt. „Die Mehrkosten spart man sich im Laufe der Zeit wieder ein“, weiß er. Mit diesem Satz begegnet er Kritikern, die behaupten, er, Martin Scheifler, habe „nur zu viel Geld“. Nachdem nun alles „ökologisch saniert“ ist, mussten seine Benziner dran glauben. Die Elektro-Fahrzeuge seien nun endlich so weit, die Batterietechnik als Schlüsseltechnologie sei auf einem guten Weg. Und Scheifler ist mutig genug, diesen Weg mitzumarschieren. Er informierte sich, besuchte zahlreiche Messen. „Mit einem E-Auto zu fahren, macht nicht nur Spaß“, sagt er. Auf die Dauer gerechnet, sei es zudem für ihn günstiger. Um seine Aussage zu untermauern, macht er im Kostenrechner anhand eines deutschen Durchschnittsfahrers eine Beispielrechnung auf. Die geht auf. Natürlich könne ein Vielfahrer heutzutage noch nicht auf ein Elektrofahrzeug umsteigen. So realistisch ist auch er. „Dazu ist die Batterietechnik noch nicht weit genug“.

Der Alltagsfahrer hingegen, der tagein, tagaus nur in die Arbeit fährt: „Der kann darüber nachdenken.“ Martin Scheifler hat neben mehreren Elektrofahrrädern, mit denen seine Familie seit zwei Jahren unterwegs ist, auch einen rein elektrischen Lieferwagen gekauft. Seine Mitarbeiter fahren damit auf Baustellen, sechs Wochen Obersalzberg rauf und runter hat das Auto hinter sich, und auch privat wird dieser genutzt. So auch das neue Vierrad, ein elektrisch betriebener Rollerersatz, der zwar wie ein futuristisches Mini-Auto aussieht, aber eben keines ist. „Damit fahre ich in Berchtesgaden herum, wenn ich Erledigungen machen muss“, sagt er. Im Herbst rollt der nächste Elektro-Flitzer auf den Hof. Zwischen 100 und 150 Kilometer sind die Reichweiten der Elektromobile. Nicht viel, aber ausreichend, wie Scheifler bestätigt.

Die Fahrzeuge werden tagsüber mit eigenem Sonnenstrom geladen, denn nur mit grünem Strom machen E-Autos Sinn, sagt Scheifler. Und er bleibt guter Dinge, dass die Technik schnell aufholen wird. Bessere Batterien, größere Reichweiten. „Vorausdenken“ – damit lässt sich Scheiflers Tun ganz gut beschreiben. In einigen Jahren, da werde man zurückblicken und nur noch mit dem Kopf schütteln, wie man damals gefahren sei: mit Benzin.

kp

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