Nationalpark vor der Kamera

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Jan Haft während seiner Arbeit mit der Kamera.

Berchtesgaden - Vier Millionen Zuschauer hat Jan Haft mit seinem Film über den Nationalpark vor den Fernseher gelockt. Jetzt dreht der Tierfilmer den zweiten Teil dazu.

Vier Millionen Zuschauer sahen seine ARD-Produktion „Wildes Deutschland – Die Berchtesgadener Alpen.“ Primetime, beste Sendezeit, 45 Minuten schöne Bilder – Landschaften des Nationalparks Berchtesgaden, heimische Tiere, seltene Pflanzen, zwei Jahre Produktionszeit. Jan Haft aus Dorfen ist unter den Naturfilmern kein Unbekannter, spielt in der ersten Riege mit. Auch momentan dreht er im und über das Berchtesgadener Land, eine Fortsetzung des ersten Teils, darüber hinaus einen exklusiven Film, der künftig im „Haus der Berge“ laufen soll.

Gerade eben ist Jan Haft vom Drehen zurückgekehrt. Er war im Nationalpark Berchtesgaden unterwegs, auf einem Balzplatz des Auerhuhns. „Wir haben dort übernachtet, 13 Stunden im Zelt verbracht“, erzählt er. Die oberste Priorität: Nicht zu stören, um das Verhalten der Tiere beobachten zu können.

Allerdings muss man den richtigen Tag erwischen, gut möglich, dass das Bestreben, die besten Bilder einzufangen, gründlich in die Hose geht. „Dann müssen wir erneut in die Berge, vielleicht auch ein drittes und ein viertes Mal.“ Auf der Königsbachalm hatten die Tierfilmer ein gutes Händchen, vielleicht auch eine ordentliche Portion Glück: „Wir konnten die Murmeltiere filmen, die gerade – ganz frisch – rauskamen und noch richtig verhungert aussahen“, sagt er. Aber das Glück ist nicht immer auf der Seite der Filmer. Hin und wieder müsse man einfach in den „sauren Apfel beißen“. Denn: Tier- und Naturfilmerei hat auch viel mit einem Geduldsspiel zu tun. Die gewöhnlichen Bilder, die gibt es schon zuhauf. „Wir suchen nach ganz besonderen Schmankerln“, sagt Jan Haft, der Tierfilmer, der schon recht früh mit seiner Arbeit begonnen hat. Sein Kinderzimmer glich einem „Naturalien-Kabinett“. „Überall im Zimmer hatte ich Frösche und Federn verteilt“, erzählt er.

Und schon damals, Jan Haft war noch ein kleiner Junge, schwor er sich, mit Tieren leben und später auch arbeiten zu wollen. Ganz untypisch studierte er zunächst Geologie, war aber bereits überzeugt davon, irgendwann einmal selbst Tierfilmer zu werden. So begann er Anfang der 90er Jahre als Assistent beim Tierfilm, „learning by doing“, sagt er. Viel kam er während dieser Zeit herum, war bei mehrmonatigen Drehreisen mit dabei und unterstützte Tierdokumentarfilmer wie Wieland Lippoldmüller oder den unter Wasser arbeitenden Walter Sigl. „Ich habe das Filmen nicht auf einer Hochschule gelernt, sondern, weil ich immer mit vor Ort war“. Ein bisschen Glück und eine Portion Fleiß gehörten dann auch mit dazu, um in das Geschäft hineinzurutschen. „Ich hatte nach und nach gute Kontakte aufgebaut“, sagt Haft. 1996 gründete er den Vorgänger seiner jetzigen Firma „nautilusfilm“, das heutzutage zu einem der erfolgreichsten Unternehmen innerhalb der Naturfilm-Branche zählt. Und unter anderem auch für den Nationalpark Berchtesgaden arbeitet.

„Der Film für das Haus der Berge soll etwas ganz Besonderes werden“, so Hafts ehrgeiziger Plan. Dass er das notwendige Know-how hat, davon konnten sich Zuschauer erst kürzlich in der ARD überzeugen: „Wildes Deutschland – Die Berchtesgadener Alpen“ war nicht nur ein großer Erfolg, sondern auch eine Produktion, die weit über zwei Jahre in Anspruch nahm. „Wir drehten an 130 Drehtagen.“ Über 150 Stunden gutes Material, hervorragende Einstellungen, Zeitlupentechnik, Zeitrafferkameras. „Wir hatten das Glück, dass wir vom Nationalpark sehr gut unterstützt wurden“. Drei Frühlinge besuchte er zusammen mit seinem Team die Berchtesgadener Alpen. „Eine gute Produktion nimmt so viel Zeit in Anspruch“, sagt er. Das liegt auch daran, dass man nie beim ersten Mal gleich jene Aufnahmen vor die Kamera bekommt, die man sich wünscht. Viele Genehmigungen waren notwendig, um sich im Nationalpark Berchtesgaden frei bewegen zu können, „wir waren viel zu Fuß unterwegs“, sagt Haft im Rückblick, der erst kürzlich ein „Best of“ seines Films vor ausverkauftem Haus im Nationalparkhaus vorgestellt hat. Begeisterung herrschte damals unter den Zuschauern. Ob denn für teure Naturdokumentationen noch ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt würden?

„Von öffentlich-rechtlicher Seite gibt es für unsere Produktionen noch immer ein Budget“. Tierfilme sind teuer, sie verschlingen viel Geld. Allein die Ausrüstung: Ausgeklügelte Technik, Kameras, deren Investitionskosten schon mal in sechsstellige Bereiche fallen. Um in der Branche vorne dran zu bleiben, sei es wichtig, „State-of-the-art“ abzuliefern, also Bewegtbilder, die mit allerhand technischer Raffinesse entstanden sind. „Deshalb muss man sich hin und wieder auch so manches technische Gerät ausleihen“, sagt Haft. Dessen Firma „nautilusfilm“ beschäftigt zehn Personen: Leute an der Kamera, für den Schnitt, Fotografen, Mitarbeiter für die Recherche – seine Frau Melanie Haft übernimmt die Produktions- und Herstellungsleitung.

Was den Zuschauer erwarten wird beim Nachfolger des erfolgreichen Erstlingswerks? „Schöne Bilder“, sagt Haft. Aber nicht nur Tiere, Pflanzen und Landschaften, sondern auch Personen. Menschen mit Lokalkolorit, auf unkonventionelle Weise gefilmt. Haft ist auf das Ergebnis gespannt. 2013 soll es fertig sein.

kp

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