Her mit den Parkplätzen!

+

Berchtesgaden - Drin ist nichts los und der Parkplatz draußen ist trotzdem mit Autos voll. Mit diesem Problem hat Claus Weigert seit eineinhalb Jahren zu kämpfen.

Damals übernahm er die Deutsche Post Filiale im Markt Berchtesgaden – und das Problem der Schwarzparker gleich mit. Das Abschleppen der Parker kommt nicht in Frage: „Dann bleibe ich auf den Kosten sitzen“, sagt Weigert. Doch eine Möglichkeit gibt es noch.

Montagnachmittag, 16 Uhr. Claus Weigert steht auf der gegenüberliegenden Straßenseite seiner Post-Filiale. Sein Blick ist auf den Parkplatz gerichtet, sieben Stellmöglichkeiten, allesamt für Kunden gedacht, die Briefe und Pakete abgeben möchten. Zahlreiche Schilder weisen darauf hin, dass widerrechtlich abgestellte Fahrzeuge abtransportiert werden. Ein schwarzer Pkw fährt vor, hält auf dem Parkplatz. Eine junge Frau steigt aus. „Wetten, die geht nicht rein“, sagt Weigert. Er behält Recht. Die Dame marschiert in Richtung Markt, Weigert eilt ihr hinterher: „Könnten Sie bitte wegfahren“, so seine Bitte. „Nur für Kunden“. Unverständnis bei der Dame. Sie wolle doch nur kurz auf dem nahegelegenen Spielplatz vorbeischauen. So geht das seit eineinhalb Jahren.

Parkplatzchaos vor der Post

Claus Weigert ist verzweifelt. Der Parkplatz gehört zu seinem Unternehmen. „Es ist ein Privatstellplatz“, sagt er. Genutzt wird er aber von der Allgemeinheit. Weil es bequem ist. Kein Parkautomat, keine drohenden Politessen, die einem einen Strafzettel ausstellen könnten. Franz Sommerauer, stellvertretender Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Berchtesgaden, sagt, dass das eine klare „privatrechtliche Geschichte“ sei. Das Problem sei ihm bekannt, „eine schwierige Angelegenheit“ - eingreifen könne die Polizei aber auf Privatgrundstücken selbstverständlich nicht. Grenzen des Anstandes kennen die Falschparker auf dem Post-Parkplatz oft keine: Ein ganz dreister war auch schon darunter. „Der hat sein Auto abgemeldet und zwei Monate lang auf meinem Parkplatz abgestellt“, erzählt der gutmütige Herr, während er an seiner Zigarette zieht. Ratlos ist er, wenn es darum geht, wie er gegen die ständigen Schwarzparker ankommen soll. Abschleppen? „Das ist keine Option“, sagt Weigert. Denn die Kosten muss er direkt an das beauftragte Unternehmen abführen.

Das bestätigt auch Richard Grill, der in Bischofswiesen selbst einen Abschleppdienst betreibt. Das abgeschleppte Fahrzeug könne sich der Kunde dann kostenfrei abholen. „Ich habe kein Pfandrecht“, sagt Grill auf Anfrage. Und weiter: „Eine schwierige Sache, gesetzlich ist das aber leider so geregelt“. Claus Weigert versteht die Welt nicht mehr: sein Parkplatz, zahlreiche Nicht-Kunden, und trotzdem soll er machtlos sein? Mit seiner Filiale befindet er sich wirtschaftlich, nach anfänglichen Problemen, auf einem guten Weg, doch könnten die Zahlen besser sein. Die Kunden wüssten um die Parkplatzproblematik Bescheid, so mancher macht erst gar nicht erst Halt bei der Berchtesgadener Post. Weigerts Ziel: Abschreckung. Aber wie? Der Berchtesgadener Rechtsanwalt Hans Jörg Schwarzer, Experte im Verkehrsrecht, hat die passende Antwort parat. „Kein Problem“, sagt er. Eine zivilrechtliche Abmahnung sei möglich. Eine sogenannte Besitzstörungsklage gelte es einzureichen. Denn klar ist: Claus Weigerts Eigentum wird durch die Falschparker beeinträchtigt. Und so lange dies nachweisbar sei, sei er im Recht. Weigert weiß jetzt, was er tun wird. Damit das leidige Thema endlich zu einem guten Ende kommt.

kp

Zurück zur Übersicht: Region Berchtesgaden

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser